Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

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Chévere
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

Beitrag von Chévere »

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Don Maximo, obwohl ich Kolumbien schon über 35 Jahren kenne und immer wieder bereise, 2x im Jahr, und dass ich vieles von dem was du geschrieben hast kenne, hast du mir die Augen geöffnet. Ich bin in der Situacion, an dem ich mich im Dezember entscheiden muss. Mit deinem Bericht bin ich wieder unter die 50% hinuntergesunken und ich muss mir eingestehen, dass es wirklich so ist wie du es geschrieben hast und ich mich nicht auf dieses Abenteuer einlasse. Ich werde mal als Tourist imigrieren für ein halbes Jahr und dann wieder zurück in die Schweiz gehen, dann wieder so bis wir uns dann wirklich mal entscheiden können. Mich graut es, von dem was du alles geschrieben hast, denn es ist wirklich so. Und ich denke, mir würde es genau so ergehen wie dir. Darum werde ich den Versuch mit dem halben Jahr starten, und dann vielleicht nochmals und dann entscheiden oder vorläufig immer so machen wenn es dann die Gesundheit zulässt.
Chévere
Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

Max
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

Beitrag von Max »

Servus Don Maximo ,das schlimmste hast Du ja hinter Dir mit dem Papierkram , klar mußt Du dein M-Visa verlängern aber dies sollte ja nicht so kompliziert sein. Der Umzug in die Nachbargemeinde scheint eine gute Lösung zu sein, aber was machst Du mit der Finca. Vielleicht können wir uns mal treffen, denke mal das wir in der gleichen Ecke wohne, ich wohne in der Nähe von Retiro. Alles Gute bei deiner Entscheidung Max

Benny56
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

Beitrag von Benny56 »

Hallo Don Maximo,

ich habe deine Zeilen jetzt mehrfach gelesen. Erst den "versteckten" Teil im anderen Beitrag, der an mich gerichtet war, und jetzt deinen langen Bericht. Ich muss das erst mal sacken lassen.

Eigentlich wollte ich dir nur für die ehrlichen Worte danken. Hier im Forum wird oft so viel über die schönen Seiten geschrieben, über den Lachs und das Klima, aber du hast jetzt mal das ausgesprochen, was viele von uns im Stillen mit sich rumtragen, wenn die Sonne mal nicht scheint.

Es tut mir aufrichtig leid zu hören, wie es um deine Frau steht. Dass die eigene Familie, auf die man so gehofft hat, dann eher zur Last wird und man sich wie ein Goldesel vorkommt, das ist ein harter Brocken. Ich verstehe jetzt viel besser, warum du dich so in die Details bei der Ernährung oder dem Wasser vertiefst – wenn man um sich herum merkt, wie alles ein bisschen vor die Hunde geht, die Moral, die Nachbarn, die Ämter, dann klammert man sich eben an das, was man noch kontrollieren kann.

Dein Plan mit dem Piemont oder der Nachbargemeinde... weißt du, am Ende ist es egal, ob man mehr oder weniger auf der hohen Kante hat: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich im eigenen Haus nicht mehr zu Hause fühlt, muss man handeln. Ich finde es mutig, dass du laut über eine Rückkehr nachdenkst, auch wenn das bedeutet, getrennte Wege bei den Wohnsitzen zu gehen. Manchmal ist das der einzige Weg, um nicht selbst vor die Hunde zu gehen.

Lass dich von dem ganzen Papierkram und den ignoranten Leuten im Dorf nicht unterkriegen. Dass du dich um die Schule und den Garten kümmerst, zeigt mir, dass dein Herz am rechten Fleck sitzt. Das sind die Dinge, die zählen, auch wenn der Rest der Welt drumherum gerade nur an den eigenen Vorteil denkt.

Ich wünsche dir und deiner Frau viel Kraft für die Entscheidung. Egal wie es kommt, danke, dass du uns hier so tief in dein Leben hast blicken lassen. Das ist mehr wert als jeder Reisebericht.

Benny
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Don Maximo
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

Beitrag von Don Maximo »

@Chévere, ja, ich halte deine Lösung mit den sechs Monaten für sehr sinnvoll. Bis zum Jahresende können zudem unvorhersehbare Veränderungen als Folge der Präsidentschaftswahlen eintreten (die, wie ich erinnern möchte, Ende dieses Monats stattfinden). Unabhängig vom Ausgang befürchte ich soziale Spannungen und das Risiko zunehmender politischer Gewalt. Ich hoffe, ich irre mich. Bis zum Jahresende können mögliche Entwicklungen deine Bewertung, die um die 50 % schwingt, in die eine oder andere Richtung weiter beeinflussen.

@Max: Wenn es nur um die Verlängerung des Visums ginge, wäre die Diskussion gar nicht erst der Rede wert. Wie aus meinem Beitrag zu entnehmen sein dürfte, geht es um eine viel komplexere Sachlage.

Durch einen Umzug in die benachbarte Gemeinde kann ich zwar einigen Unannehmlichkeiten entgehen, doch die lokale Realität als Ganzes ändert sich dadurch kaum. Bei einer entsprechenden Abwägung sind zudem zwingend die jüngsten sowie die wenig versprechenden Aussichten für die nahe Zukunft auf einer regionalen Ebene zu berücksichtigen. Ich beziehe mich dabei auf die zunehmende Präsenz und Aktivität krimineller Vereinigungen (die durch neue Kooperationen und Synergien zwischen lokalen Gruppen und der ACG expandieren und an Macht gewinnen).

Du fragst mich nach der Finca: Ich habe vor, sie in Kürze zum Verkauf anzubieten, sobald ich einige Dinge geklärt habe.

Stimmt, wir sind nicht weit voneinander entfernt. In Kürze gehe ich jedoch meine Mutter in der Schweiz besuchen und nutze die Gelegenheit, um ein paar bestimmte in Frage kommende Immobilien in Italien zu besichtigen, in der Hoffnung, bei meiner nicht einfachen Entscheidung ein Stück voranzukommen. Was ein Treffen angeht, kann ich nichts versprechen; wenn überhaupt, wäre ich erst nach meiner Rückkehr verfügbar, lasse ich jedoch gerne offen.

@Benny56, danke für die freundlichen Worte.
Ja, ich stelle oft fest, dass Menschen dazu neigen, Themen, die meiner Meinung nach kaum von Bedeutung sind, einseitig hochzuspielen, während sie unangenehme Dinge ignorieren oder verschweigen. Ich glaube, das ist bis zu einem gewissen Grad auch ein Mechanismus der Selbstschutzes.
Mein Engagement und mein Fokus auf bestimmte Themen wie Wasser, Pestizide, Umweltverschmutzung usw. sind weniger eine Flucht, sondern spiegeln vielmehr meine Meinung und Überzeugung wider, dass eine Veränderung hin zu einer nachhaltigeren Umwelt im Interesse aller dringend notwendig ist.
Und ja, in der Küche finde ich diese Ablenkung und diesen Ausgleich, indem ich koche, alte Rezepte und Bräuche wiederentdecke und – leider für mein Gewicht – die Spuren meiner kulinarischen Taten mit Hilfe eines guten Schluckes Wein verschwinden lasse. Das Essen wird dann auch zu einem Akt der Flucht.
Aber ja, du hast Recht: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich nicht mehr wohlfühlt, muss man handeln, und genau das habe ich vor.
Virtus Junxit Mors Non Separabit