Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

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Max
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Beitrag von Max »

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Das 5 jährige sollte innerhalb ein paar Tage in deinem mail sein,
für das große mußt Du zur Migracion und das dort bezahlen und aufpassen das Du die jeweiligen Documente pro Punkt in einem PDf hochlädst und auf die Größe achten.

axko
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Beitrag von axko »

@Don Maximo - in DE hatte ich einen Bekanntenkreis der aus begeisterten Segelbootkapitänen bestand. Von denen lernte ich folgenden Spruch. Wenn du dein Boot erwirbt macht man ne Party und wenn du es endlich wieder losbekommt macht du die grösste Party. So ging es mir mit meiner Finca. Anfang total begeistert aber mit der Zeit erdrückte mich die Arbeit. Nach über 2 Jahren einen Käufer gefunden, daufhin tolle Party gemacht. Danach habe ich mir ein kleines Grundstück mit 500 qm angeschafft. Ist ein kleine Hütte drauf und jetzt macht das Ding richtig Spass. Eigene Früchte und alles ist überschaubar. Viel Spass weiterhin in Kolumbien
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Beitrag von Don Maximo »

Superluna
Am Samstag und Sonntag fiel mir der Mond aufgrund seines Aussehens ins Auge. Er ragte hinter dem Berg hinter dem Hause auf und wirkte sehr imposant. Fast Vollmond. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigte meine Vermutung: Am nächsten Tag – also gestern, Montag, 6. Oktober – würde es einen „Supermond” geben.
Ich teile diese beiden Bilder, die ich gestern aufgenommen habe, kurz nachdem der Mond hinter dem "Hausberg" hervorgekommen war.

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Ich hatte befürchtet, dass Wolken oder ein trüber Himmel mir das Schauspiel verderben würden, aber nein, zunächst bildeten die vor dem Mond vorbeiziehenden Wolken ein wunderschönes Schauspiel, und kurz darauf war der Blick auf die Mondscheibe uneingeschränkt. Der Himmel war für diese Gegend relativ klar.
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Beitrag von Don Maximo »

Hola und einen schönen Nikolaustag und eine weiterhin schöne Adventszeit.
Inzwischen sind die Strassen und viele Häuser im Pueblo und in der Vereda reichlich geschmückt. Einige haben bereits vor dem 1. Advent geschmückt, andere bringen die Dekorationen und Lichter bewusst erst am Tag der Velitas an. Wir gehören zu den wenigen, die keine elektrische Beleuchtung anbringen. Der Lichterkarneval um uns herum ist reicht uns aus.

Es gibt nur wenige Dekorationen, die besonders geschmackvoll sind. Ansonsten ist die Mehrheit ein orgiastischer, zügelloser Exzess hysterischer, karnevalesker Lichter, die eher an die Laszivität von Las Vegas oder an die Rotlichtviertel erinnern, als an Weihnachten.
Ich bleibe traditionell, zünde ein paar Kerzen und vor allem Öllaternen an, die ich gerne selbst anfertige, einfach, aber stimmungsmässig wirkungsvoll.

Für viele sind Weihnachtslichter ein Symbol, ein Mittel, um Stolz und Wohlstand zu zeigen und auszudrücken. Leider auch dort, wo Letzteres das Gegenteil einer traurigen Realität ist.
Dann passiert es vielleicht, wie letztes Jahr unseren Nachbarn, dass sie, als nach den Feiertagen die Stromrechnung kam, mehr als eine Woche lang im Dunkeln saßen, weil sie den Strom nicht bezahlen konnten.
Da die alte, kranke Grossmutter bei ihnen wohnte, konnte ich das nicht ignorieren und habe ihnen für diese Zeit über ein Verlängerungskabel Strom zur Verfügung stellen lassen.

Morgen ist hier, wie vermutlich landesweit, ein grosser Festtag mit den „Velitas“, ein Tag, an dem die Menschen in Weihnachtsstimmung kommen.
Wir gehen bereits heute, am Nikolaustag, zu unseren Nachbarn, Bekannten usw., um ihnen eine schöne Vor- und Weihnachtszeit zu wünschen und ihnen einen Weihnachts Panettone zu schenken, wie es in meiner Heimat Tradition ist.
So wie meine Frau sagt, um diese Verpflichtung schon jetzt hinter uns zu bringen, denn die Tage um Weihnachten herum sind für uns immer sehr anstrengend. Neben den Feiertagen und den Verpflichtungen gegenüber der Familie gibt es in dieser Zeit mehrere Geburtstage in der Familie.

Nach einer ereignisreichen Zeit auf mehreren Ebenen habe ich endlich etwas mehr Ruhe. Mit meiner Aufenthaltsgenehmigung in der Tasche und der „Cédula de Extranjería“, die mir unerwartet schnell ausgestellt wurde, konnte ich viele Dinge in Angriff nehmen.
Ich dachte, ich müsste in die Schweiz reisen, um mich um einige Angelegenheiten zu kümmern, aber zum Glück konnte ich einige Dinge delegieren oder unerwartet doch online erledigen (im Hinblick auf den Umzug hatte mir im August mein Bankberater empfohlen, mir ein S/MIME-Zertifikat ausstellen zu lassen, das seiner Meinung nach die Akzeptanz verschiedener Institutionen für die Korrespondenz per E-Mail erhöhen könne. Tatsächlich hat sich die Zertifizierung bereits als nützlich erwiesen.).
So blieb mir der Stress des Reisens erfreulicherweise erspart. Ausserdem konnte ich mir mein Flugticket erstatten lassen (abzüglich der bescheidenen Stornogebühr), das ich bereits Anfang September als Ticket für die Einreise (als Tourist) nach Kolumbien gekauft hatte.

Anfang des Monats hatten wir das Glück, von meiner Schwägerin eine kleine Wohnung im Haus der Familie mieten zu können, so dass wir wieder ein „Pied-à-terre“ im Pueblo selbst haben, nachdem meine Frau ihre Wohnung bereits ihrem Patenkind vermacht hat. Die Schwägerin war zudem froh, eine Ausrede zu haben, um einen, sagen wir mal, suboptimalen Mieter rauszuschmeissen.

Für bescheidene 500 Tausend im Monat haben wir wieder unseren eigenen Raum, wenn wir im Pueblo sind, und den Vorteil, dass wir wieder im Pueblo übernachten können. Das erlaubt mir, oder macht es mir zumindest viel leichter, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
An bestimmten festen Abenden in der Woche treffen sich offene oder geschlossene Gruppen zu Freizeit- oder Kulturaktivitäten. Spätabends anschliessend mit dem Auto zur Finca zurückzukehren, reizt mich nicht.

Ausserdem hätten wir, wenn ich das Glück haben sollte, die Finca kurzfristig verkaufen zu können, bereits eine Bleibe, zumindest bis wir langfristig etwas Passenderes finden. Aber das ist ein Kapitel für sich.

Als Dauerbewohner ändern sich nun die Gewohnheiten.
Da wir nun dauerhaft hierher gezogen sind, habe vor allem ich Gewohnheiten mitgebracht, die ich hier vorher, im temporären Aufenthalt, nicht unbedingt gelebt und gepflegt habe.

Die Küche.
Vor kurzem gab es hier im Forum eine Diskussion über die Verfügbarkeit von europäischen Lebensmitteln in Kolumbien.
Da wir jetzt hier ansässig sind, haben wir automatisch auch unsere kulinarischen Gewohnheiten hier ein wenig geändert. Wir sind nicht mehr im Urlaub, wir haben weniger Gäste am Tisch und wir haben uns etwas rationeller organisiert. Ein grosses Manko hier in Kolumbien (zumindest hier vor Ort) war immer die Qualität (und teils die Verfügbarkeit) der Lebensmittel. Behandeltes Obst und Gemüse, stark verarbeitetes, angereichertes und gebleichtes Weissmehl, ecc. Nicht deklariertes Fleisch, mit Rückständen von Antibiotika und Medikamenten usw. (Eine Nichte hatte etwa ein halbes Jahr lang als Stellvertreterin für Betriebstierärztin in einem Grossschlachthof gearbeitet, und die Dinge, die sie dort antraf, trugen sicher nicht dazu bei, meinen Appetit auf Fleisch zu fördern.

Anfang September war eines der ersten Dinge, die ich tat, ein Stück Feld zu pflügen, damit meine Frau einen Gemüsegarten anlegen konnte, wie sie sich sehnte. Wir die ersten Köstlichkeiten bereits geniessen können, mit Freude Frauchens Genugtuung.
Frische aus dem Bio-Garten direkt auf den Tisch.
Gestern Abend zum Beispiel erneut einen knackigen grünen Salat mit frisch gepflücktem Rucola und Radieschen. Gemüse und Grünzeug haben wir noch nicht, aber wir bekommen es von den Vereda-Nachbarn, die Teil einer von ‚SENA‘ initiierten und begleiteten Bio-Anbau-Gruppe sind. Mit unserer Nachfrage und der Zahlung fairer Preise tragen wir dazu bei, ihre Motivation aufrecht zu erhalten und, dass sie das Projekt nicht aufgeben. Bei uns wachsen dafür die Kräuter, die meine Frau gesät hat, üppig und in grossen Mengen. Auch davon ernten wir bereits.
Da ich davon ausging, dass ein Grossteil der Aussaat nicht keimen würde (aufgrund des Wetters und teilweise aufgrund des Saatguts, das zum Teil mehrere Jahre alt ist), hat meine Frau großzügig mehrere Kisten ausgesät. Jetzt haben wir jede Menge Kräuter und Kräutersetzlinge.
In naher Zukunft möchte ich einen kleinen mediterranen Garten mit einem Sitzplatz anlegen, in dem wir weiterhin Kräuter in einem geeigneten Boden und Umfeld anbauen können. Für uns, mit der Leidenschaft und Tradition des Kochens, ein wichtiges Element.

Die Ansässigkeit hier rechtfertigt auch die Bestellung von z.B. Bio-Mehl. Hier im Pueblo findet man nur das oben erwähnte hochverarbeitete Weissmehl. Zuvor, bei periodischem Aufenthalt, rechtfertigte sich das Halten eines Mehlvorrates nicht.
Für Fleisch haben wir einen Campesino gefunden, der ein paar wenige Tiere züchtet und ganz auf Bioligisch setzt. Wir haben uns schon auf die Liste für Fleisch für die nächste Schlachtung gesetzt.
Frische Eier von Freiland-Hühnern und Hühnerfleisch, ebenfalls aus nachhaltiger Landwirtschaft, können wir bei einer Dame hier in der Vereda beziehen. Sie verkauft die Hühner nur als Ganze, schlachtet sie und bereitet das Huhn in seine Einzelteile zerlegt zu und liefert es frisch und gerüstet, um in die Pfanne zu hauen oder zum Einfrieren.

So kommst du zu Teile, die du im Supermarkt nicht gekauft hättest (oder gar nicht angeboten bekommen hättest). Das Gleiche gilt für Rindfleisch im Direktkauf. Das führt zur Wiederentdeckung und Wiederbelebung von fast vergessenen Praktiken und Traditionen. Zum Beispiel die Herstellung von Hausgemachte Brühe und Fond.

Natürlich braucht das alles seine Zeit und ist auch ein persönlicher Prozess, bei dem es darum geht, mit früheren Gewohnheiten zu brechen, die durch den Zeitmangel aufgrund der beruflichen Tätigkeit diktiert waren.
Wenn ich früher zum Beispiel Risotto mit Brühwürfeln gemacht habe (eben aus Zeitmangel), mache ich heute wieder Risotto auf die altmodische Art, wie ich es von meinem Grossvater gelernt habe, mit Brühe oder selbst gemachtem Fond.

Ich habe hier seit Jahren befremdende Erfahrungen gemacht, was die Vorstellungen und Überzeugungen in Bezug auf die Ernährung und das Kriterium der Lebensmittelqualität und -wertes, aber auch der geschmacklichen Vorlieben angeht.
Viele, zu viele Menschen assoziieren zunehmend bestimmte Produkte, die massenproduziert, industriell hergestellt, stark verarbeitet und vor allem mit namhaften Marken versehen sind, mit einem Qualität.
Das verdanken wir der Lobby und dem eifrigen Werben der grossen Lebensmittelindustrien mit entsprechenden Ideen und Bildern.

Ich erinnere mich an eine Bekannte, die vor zwei Jahren eine Bestellung für uns in Medellin abgeholt und zu uns nach Hause gebracht hatte. Fasziniert von der Finca hatte sie es sich gemütlich gemacht und blieb eine ganze Weile, so dass ich mich am späten Nachmittag, als ich in der Küche die Mise en Place für das Risotto (schon wieder Risotto) des Abendessens vorbereitete, fast gezwungen sah, sie aus Höflichkeit beim Apéro zu Tisch einladen.
Eine frustrierende, aufschlussreiche und - mit dem heutigen Abstand - amüsierende Erfahrung.

Auf schon belehrende selbstsichere Weise versäumte sie es nicht, mich auf Alternativen zu dem, was ich servierte, und auf die Zutaten und Methoden, die ich in der Küche anwendete, aufmerksam zu machen. Natürlich richteten sich alle ihre "Empfehlungen" an hochverarbeitete Fertigprodukte.

Die Hälfte der Zutaten des Belages meiner Hausgemachten Canapés und der Pizzette entfernte sie. Entweder weil sie behauptete, dass sie sie nicht mochte oder weil sie sie nicht kannte. Oliven und Kapern behauptete sie, nicht zu mögen, um dann zu gestehen, dass sie sie noch nie probiert hatte.
Zum Prosecco wollte sie Coca Cola geben (was wir sowieso nicht zu hause haben), dann wollte sie mir beibringen, dass man heutzutage keine Brühe mehr mache, sondern Brühwürfel verwende, die ihrer Meinung nach von viel besserem Geschmack und Qualität seien.
Den Höhepunkt erreichte sie, als sie behauptete, dass Risotto besser gelingt, wenn man ihn in einem elektrischen Reiskocher zubereitet.
Natürlich hatte sie keine Ahnung was Risotto überhaupt sei. Heute amüsieren wir uns Köstlich, wenn wir daran denken.

Ich mache die Erfahrung, dass leider hier die Chemielobby in der Landwirtschaft und die hochverarbeiteten Produkte in der Lebensmittelbranche Hochkonjunktur haben.
Es ist nicht leicht, die Menschen von einer gesünderen und nachhaltigeren Richtung zu überzeugen.

Im Laufe der Zeit haben wir jedoch Menschen kennengelernt, die die Hausmannskost schätzen, und durch meine gelegentliche Tätigkeit als „fliegender Koch” sind neue Bekanntschaften und Freundschaften entstanden.
Es hat sich auch eine kleine Gruppe gebildet, die sich gelegentlich trifft, um gemeinsam zu kochen und anschließend das Mahl mit einem guten Tropfen Wein zu genießen, während man über Gott, die Welt und ... die Küche philosophiert.

Endlich schliesse ich und gehe meine Lebkuchen backen und all denen die es bis hier ausgehalten haben ;), wünsche ich einen schönen restlichen Nikolaustag und eine frohe Adventszeit.
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Beitrag von Dolfi »

Interessante Bemerkungen zum Essen, habe ähnliches beobachtet.

Generell sind Kolumbianer wenig ernährungsbewusst und essen viele ungesunde Sachen, z.B. diese schrecklichen Chicharrones (Schweinehaut), zu viele Eier und ständig allesin Öl schwimmend frittiert. Eigentlich erstaunlixch, dass es so wenige Dicke gibt.

P.S.: Wo bekommst du den Reis für das Risotto, muss ja wohl ein besonderer sein (zumindest in Italien).
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Beitrag von Bogotano »

@Don Maximo

Vielen Dank für deinen ausführlichen und liebevollen Beitrag. Es ist bereichernd zu lesen, wie du Tradition und Alltag miteinander verbindest und dabei so viel Aufmerksamkeit für deine Umgebung zeigst.

Ich wünsche dir für dein neues Leben in Kolumbien viele positive Erfahrungen an der Seite deiner Frau, möge es dir gelingen, die Ruhe und die Gemeinschaft zu finden, die du dir erhoffst.
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

@Dolfi, Die Wahl der Reissorte für Risotto ist ein Thema, das nicht selten polarisiert... ebenso wie die Art und Weise, wie es zubereitet wird.
Ich erinnere mich an den „Hype” um Carnaroli in bestimmten Schickimicki- und Yuppie-Kreisen, aber auch in Gastronomiekreisen in Zürich vor Jahrzehnten.
Für ein gutes Risotto eignen sich Reissorten, die reich an Stärke sind und diese beim Kochen langsam abgeben.
In Kolumbien findet man in Supermärkten leicht Reis für Risotto. Von Castellano (kolumbianische Marke) gibt es Premium-Reis für Risotto. Dann gibt es von verschiedenen Herstellern Arborio-Reis und den oben genannten Carnaroli, wobei letzterer in der Regel der teuerste ist.
Ausserdem gibt es ausgezeichnete (italienische) Reissorten wie Vialone, Roma, Ribe, Baldo, Loto und Sant'Andrea, die sich alle hervorragend für Risotto eignen, doch in Kolumbien eher rar. Da keine dieser Sorten in unserem Pueblo erhältlich ist, habe ich bereits Risotto mit dem gewöhnlichen Reis, wie z. B. Diana (Vitamor) zubereitet. Sicherlich nicht so hervorragend im Endergebnis wie mit Arborio, aber absolut würdig, als Risotto bezeichnet zu werden. Ausserdem bereite ich hundertmal lieber ein Risotto mit einem "einfachen" Reis zu (vor allem, wenn ich es Einheimischen serviere, aber auch für mich selbst), als beispielsweise mit einem Carnaroli, der 300.000 Pesos oder mehr pro Kilo kostet.
Ich habe mir vorgenommen diverse Reissorten von hier für die Zubereitung von Risotti auszuprobieren. Ich werde dann hier berichten.
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Beitrag von Dolfi »

"Arroz con Pollo" oder "Arroz con Verduras" ist ja im Prinzip auch eine Art von Risotto.

desertfox
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Beitrag von desertfox »

Sag das keinem Italiener. Risotto ist was völlig anderes...

Benjamin

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Beitrag von Benjamin »

@Don Maximo,

vielen Dank für deine ausführliche und schöne Erzählung, gerade in dieser Adventszeit liest sich das besonders angenehm. Ich schließe mich deinen Grüßen herzlich an.

El risotto in Kolumbien ist ja eine spannende Adaption des klassischen italienischen Gerichts Mit lokalen Zutaten entstehen cremige und köstliche Varianten, mal mit zartem Mais, ají dulce, Koriander und kolumbianischen Käsesorten, mal etwas „gourmet“ mit Solomito und Champignons, immer mit der Technik, den Fond nach und nach unterzurühren, damit die typische Konsistenz entsteht.

Und wenn es dann doch einmal mit „Diana“-Reis gekocht wird – bleibt es ein Risotto, auch wenn ein Italiener vielleicht die Stirn runzeln würde. ;)
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Beitrag von Don Maximo »

„Arroz y Pollo” würde ich nicht als ähnlich wie Risotto bezeichnen. Jedenfalls nicht so wie ich dieses Gericht kenne. Risotto lässt sich eher mit „Arroz Atollado” vergleichen, das eine cremige Konsistenz hat.

Die Geschichte und die Behauptungen über Risotto sind bis heute voller Ungereimtheiten und Legenden.
Es gibt zudem unterschiedliche Meinungen über die Abgrenzung des Begriffs Risotto, sicher ist jedoch, dass es heute auf tausend verschiedene Arten zubereitet wird.
Risotto ist ein Gericht, das sich in erster Linie durch seine Zubereitungsmethode auszeichnet. Sein Hauptmerkmal ist der Erhalt der Stärke, die durch das Kochen gelatiniert und die Körner zu einer cremigen Masse verbindet. Das Vor- oder Urbild schlechthin für Risotto dürfte zweifellos den Mailänder Risotto sein.

Unsere Grossmütter in der Heimat des Risotto, bereiteten ihn eher fest zu, er wurde auf den Teller gegeben und blieb kompakt. Heute wird Risotto in der Regel auch in der heimischen Küche so serviert, wie man es sich im Restaurant gewohnt ist, in Fernsehsendungen, oder in Tutorials auf YouTube vorgestellt wird. Risotto „all'onda”, das bedeutet: wenn er weich und cremig auf dem Teller verteilt wird. Aber auch hier ist es eine Frage der Denkschulen, Bräuche und Geschmäcker, was die richtige Cremigkeit ist.

@Benjamin, ja, hier mangelt es nicht an Zutaten für köstliche einheimische Varianten, da stimme ich voll und ganz zu.
Was den Diana-Reis betrifft: Wenn man die Kunst der Risottozubereitung beherrscht, kann man auch mit diesem Reis durchaus einen des Namens würdigen Risotto zubereiten auch wenn die Körner bei weitem nicht denen nahe kommen, die wir gewohnt sind, wie zum Beispiel denen eines Arborio, eine Reissorte, der jeder "Milanés D.O.C.G." bei der Zubereitung von Risotto treu bleibt und einem Carnaroli bevorzugt.
Aber nicht zu vergessen, in Mailand ist Arborio eben ein einheimischer Reis, der vor der Haustür angebaut wird. Ebenso wie Risotto ursprünglich ein Hauptgericht der weniger wohlhabenden Schichten war.

Vielleicht werde ich in Zukunft – falls es jemanden interessiert – ein paar alte Rezepte aus der lombardischen und piemontesischen Küche hier einstellen, die ich hier in Kolumbien mit hier erhältlichen und möglichst einheimischen Zutaten ausprobiere und zu anpassen versuche.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

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Beitrag von Stephan »

Hola Don Maximo,
deine Kenntnisse über Risotto sind sehr interessant und ja, das wäre natürlich super toll, wenn du Rezepte hier einstellen könntest.
Ich liebe die italienische Küche!!

Saludos

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Beitrag von coentros »

Hallo Don Maximo

Ein ganz herzliches Danke schön auch von mir für das Teilen Deiner Erlebnisse und tiefen Einblicke. Das bringt mich direkt zu einem Thema bei dem ich versuche Orientierung zu finden. In Deutschland haben wir uns über die Jahre angewöhnt auf viele unnötige Dinge zu verzichten die im weitesten Sinne unter Konsum fallen. Dafür bezahlen wir gerne für beste Qualität bei Lebensmitteln und gesunder Ernährung im weitesten Sinne. Über die üblichen Bio-labels hinaus vertraue ich dem demeter-Standard für qualitativ hochwertiges Obst, Gemüse und Fleisch. Letzteres vielleicht maximal einmal pro Woche. Deine Erfahrungen in Kolumbien erstaunen und erschrecken mich gleichzeitig.

Eigentlich müsste doch gerade auf dem Land eine naturnahe Versorgung ohne grösserem Aufwand möglich sein ? Wir sind leider "Stadtmenschen", sowohl in DE als auch in Kolumbien in der Grosstadt angesiedelt. Direkt eines der ersten Themen nach meiner Ankunft war die Frage wie ich denn nun richtig gute Eier finde, von Freilandhühnern ihrerseits mit natürlicher Ernährung und stressfreier Umgebung. Auf Fleisch könnte ich zwar verzichten, anders als der grösste Teil der Verwandschaft, aber behandeltes Obst und Gemüse sind mir schon wichtig. Wie kann ich denn z.B in Cali naturnahe Qualität sicherstellen bzw erkennen was behandelt wurde ? In der Galeria Alameda haben wir uns früher regelmässig eingedeckt, in der Hoffnung hier gute Qualität zu finden.

Es bringt auch nicht viel gezielt zu fragen. Man wird zum grössten Teil einfach nur Antworten bekommen die man hören will. Wie kann man sich der Qualität sicher sein ohne mühsam eine eigene supply chain aufzubauen ?

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Dolfi
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Beitrag von Dolfi »

Also ich bin auch ein großer Anhänger der italienischen Küche. Risotto mach ich eigentlich nur ein paar Wochen im Jahr, während der Spargelzeit. Ein Risotto mit italienischem Reis, Zwiebel, grünem Spargel und Gemüsebrühe, darüber reichlich (frisch) geriebener Parmesankäse, das ist schon köstlich.
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

Nach langer Zeit melde ich mich endlich wieder und berichte über mein ländliches Leben in Antioquia.
Um ehrlich zu sein, hatte ich einige Texte verfasst, diese aber aufgrund meiner sehr turbulenten Situation letztlich nicht gepostet.

Hier nun eine eine persönliche Bilanz nach acht Monaten in Kolumbien als Aufenthalter mit einem M-Visum.

Das vergangene Jahr war – sowohl für mich als auch für meine Frau – von einem großen Schritt geprägt: Wir haben die Zelte in der Schweiz abgebrochen um endgültig* nach Kolumbien zu ziehen.
Meine Frau war überglücklich, nach über 20 Jahren wieder in ihrer Heimat zurückzukehren, ich hingegen hatte gemischte Gefühle.
Ehrlich gesagt habe ich diesen Schritt vor allem aus Solidarität mit ihr gewagt. Um ihr zu ermöglichen, wieder in der Nähe ihrer geliebten Familie zu sein, insbesondere um noch von ihren Eltern zu profitieren – und diese von ihr. Auch in Rücksicht auf ihre Krankheit.
Ich hatte mir vorgenommen, mich auf die positiven Aspekte eines Wohnsitzwechsels und eines dauerhaften Aufenthalts in Kolumbien zu konzentrieren. Doch aus verschiedenen Gründen fällt mir das alles andere als leicht.
Während ich früher die regelmäßigen Aufenthalte genoss und es schaffte, bestimmte weniger erfreuliche Dinge mit einer gesunden Distanz und Leichtigkeit zu begegnen, fällt mir dies als dauerhafter Zustand immer schwerer.
Die Lebensqualität hat, meiner Wahrnehmung nach, kurz gesagt, durch den Umzug nach Kolumbien insgesamt einen gewaltigen Einbruch erlitten.
Dies ist auf verschiedene Faktoren, Ereignisse und Entwicklungen zurückzuführen; auf lokaler, persönlicher und familiärer Ebene.

Meine Frau (die aufgrund ihrer MS unter anderem unter kognitiven Beeinträchtigungen leidet) ist nicht mehr in der Lage, sich um Angelegenheiten zu kümmern, die eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern. Ich muss sie bei immer mehr Dingen unterstützen, begleiten oder beaufsichtigen. Das ist nicht einfach, insbesondere angesichts ihres Charakters, der ohnehin schon eher „stark“ ist.
Oft ist sie bereits in alltäglichen Situationen überfordert. Der Umzug nach Kolumbien hat ihr zwar einerseits emotional gutgetan, da sie in ihr ursprüngliches familiäres Umfeld zurückgekehrt ist, andererseits ist dieser jedoch alles andere als förderlich für den Erhalt ihrer geistigen und kognitiven Fähigkeiten, was auf das anspruchslose soziale und kulturelle Umfeld der Familie zurückzuführen ist, das in letzter Zeit zudem zunehmend verfällt und somit nicht dazu beiträgt, bestimmte Funktionen zu trainieren, wie ihr selbst auch daran liegt.

Im Grunde genommen bereitet mir die Familie insgesamt eher zusätzliche Sorgen, als dass sie mir oder meiner Frau eine Hilfe wäre.
Von unserer Treuhänderin, die seit Jahren unsere Angelegenheiten erledigte, mussten wir uns aus Vertrauensgründen trennen, da dieses Vertrauen infolge bestimmter Entwicklungen verloren gegangen war. Kurz darauf wurde sie tatsächlich auch von der kleinen Treuhandgesellschaft gegangen. Viele Dinge, die ich früher delegierte, muss ich nun selbst erledigen. Die neue Treuhänderin hat sich als der Aufgabe (noch) nicht ganz gewachsen erwiesen und es ist auf mich eine weitere unvorgesehene Belastung zugekommen.

Auf bürokratischer Ebene, im Umgang mit verschiedenen Behörden, ist die Situation ziemlich trostlos. Bekanntlich, ist der bürokratische Apparat hier eher langsam, unnötig kompliziert und oft fehlerhaft sowie von Willkür geprägt. Auf kommunaler Ebene ist die politisch-administrative Lage katastrophal, geprägt von Vetternwirtschaft, Lobbyismus, Gleichgültigkeit, Korruption und zunehmend einer sachlichen Inkompetenz, dass das Ganze schon fast als Drehbuch für eine Tragikomödie dienen könnte.
In lokalen Angelegenheiten, wo integre Beamte gerne kooperieren würden, bremsen sie Ängste und Unterwürfigkeit. Niemand riskiert, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, weil er bestimmten Leuten (wenn auch völlig zu Recht) auf die Finger geschaut oder geklopft hat.

Seit September gab es so gut wie kein bürokratisches oder administratives Verfahren, das nicht von Hindernissen oder Fehlern geprägt war oder sich unverhältnismäßig in die Länge zog. Angefangen bei der Visumbeantragung, der CE-Ausstellung, der RUNT- und RUT-EPS-Registrierung usw. Auf kommunaler Ebene ist es zudem schlimmer denn je.

Besonders ärgerlich ist es, wenn man aufgefordert wird, bei „Tramites“ persönlich zu erscheinen und wiederholt nach Medellín fahren muss, was mich immer einen ganzen Tag kostet. Ich bin aus Italien an ineffiziente oder starre bürokratische Abläufe gewöhnt, aber im Vergleich zu dem, was ich hier erlebt habe und erlebe, ist das harmlos. Mit der Schweiz ist es erst recht kein Vergleich auch wenn dort auch nicht immer alles reibungslos verläuft.

Ethik, Vernunft, Fairness und soziale Kompetenz haben hier (auf kommunaler Ebene) keinen hohen Stellenwert und sind auf politischer, administrativer und unternehmerischer Ebene so gut wie Fremdwörter. Es gibt zugegeben Ausnahmen.

Andererseits muss ich sagen, dass diese Eigenschaften bei den einfachen Leuten auf dem Lande bzw. in der Vereda erfreulich häufig anzutreffen sind.

Nun könnte ich mich im Umgang mit lokalen Ämtern, Politikern, Behörden usw. (wie man mich offenbar dazu drängen wollte) an Korruption und unkorrekte Wege anpassen, meine Einstellungen ändern, meine Werte beiseite schieben und mir zweifelhafte Privilegien und Vorteile sichern, aber das entspricht definitiv nicht meiner Natur.

Sicherlich verachte ich keine gesunden, guten Beziehungen, die wertvolle Erleichterungen oder diskrete Privilegien mit sich bringen, die ethisch, moralisch und rechtlich vertretbar sind. Das gibt es in allen Gesellschaften, aber es gibt Grenzen – meiner Meinung und Überzeugung nach –, die nicht überschritten werden dürfen. In diesem Sinne bin ich geprägt von einer strengen Erziehung und Sozialisation in einem bürgerlichen Umfeld alter Prägung, in dem bestimmte Werte als nicht verhandelbar gelten.

Ein weiterer Faktor, der sich negativ auf die gelebte Lebensqualität auswirkt, ist die Frage des Verhaltens und der (fehlenden) Verantwortung im Umgang mit der Umwelt in unserer Gemeinde oder Region. Dies gilt sowohl für die offiziellen Stellen als auch für viele Bürger. Auch hier stelle ich eine Tendenz in eine bedauerliche Richtung fest.
Ein Beispiel: Der unprofessionelle und rücksichtslose Einsatz von Herbiziden und Bioziden verursacht verheerende Umweltschäden und schadet zudem der lokalen Bevölkerung, die zunehmend unkontrolliert diesen Stoffen ausgesetzt ist. Auch das Oberflächen- und Grundwasser ist stark kontaminiert. Nicht weniger betroffen ist das Trinkwasser aus dem Leitungsnetz. Das Problem ist auf kommunaler Verwaltungsebene bekannt, wird aber systematisch unter den Teppich gekehrt.

Analyseergebnisse, die ich nur unter der Hand beschaffen konnte, zeigen Werte, die sprachlos machen. Grenzwerte, die überall ominös überschritten werden. Auf der Finca haben wir zumindest Wasser aus eigener Quelle die einem Naturschutzgebiet entspringt, also nicht aus landwirtschaftlichem Gebiet. Trotzdem überschreiten auch diese Werte vermutlich die Grenzwerte, wenn bestimmt nicht so extrem wie weiter talabwärts.

Ein weiteres Problem, das sich einst verbessert hatte und nun wieder um sich greift:
Trotz des Verbots und eines effizienten Abfallsammeldienstes entsorgen viele weiterhin Abfälle und Chemikalien illegal. Zum Beispiel, indem sie Chemikalien in Bächen ausspülen oder Öl, Farben, Verdünner usw. in die Regenabwässer oder auf den Boden schütten. Abfälle und Sperrmüll aller Art werden aufgeschichtet, mit Benzin übergossen und angezündet. Während vor zwei Jahren in solchen Fällen noch die Feuerwehr mobilisiert und hohe Bußgelder verhängt wurden, ist dies heute nicht mehr der Fall, und man schaut einfach weg.

Vor ca. drei Wochen haben die Verantwortlichen der „Casa de la Cultura“ in der Vereda ein großes Feuer entfacht und einen etwa zwei Meter hohen Haufen aus Matratzen, Plastik, Möbeln, lackiertem und behandeltem Holz sowie diversem Abfall mitten auf dem Schulhof in Anwesenheit der Schüler verbrannt. Die Versuche der Schulleiterin und unsere eigenen, sie davon abzubringen, diesen Akt des absolut schlechten Beispiels und der Verantwortungslosigkeit zu begehen, waren vergeblich. Im Gegenteil, sie behaupteten, dazu eine „Genehmigung“ von einem Gemeindebeamten erhalten zu haben.
Schriftlich um eine Stellungnahme gebeten, zeigte die Bürgermeisterin keinerlei Reaktion. Angesichts dieser Tatsachen habe ich meinerseits die Zusammenarbeit und die finanzielle Unterstützung der „Casa della Cultura“ mit sofortiger Wirkung eingestellt, was für ziemlichen Wirbel gesorgt hat.

Erst vor wenigen Jahren hat Kolumbien asbesthaltige Produkte verboten (2021) und deren Herstellung, Handel und Verarbeitung untersagt. Alte Eternitdächer und andere asbesthaltige Elemente werden jedoch wiederverwendet, zersägt, gefräst usw. oder gesammelt, zerkleinert und mehr oder weniger vermischt mit anderem Bauschutt zum Füllen von Schlaglöchern in den unbefestigten Straßenabschnitte verwendet. All dies geschieht unter den gleichgültigen Augen und der Aufsicht der Bauingenieure des Municipio.

Ein weiteres Zeugnis rückständiger Mentalität, Opportunismus und Korruption sehe ich im Alltag auf den Straßen. Sowohl in Bezug auf die Umwelt als auch auf die Sicherheit. Die überwiegende Mehrheit der Fahrzeuge, die auf unserem Gemeindegebiet (aber nicht nur hier!) unterwegs sind, zeichnet sich durch zwei Hauptmerkmale aus. Sie entsprechen nicht den technischen Vorschriften und Abgasnormen, und nur in Ausnahmefällen ist der Fahrer qualifiziert.
Der Anteil der Menschen im Pueblo, die ihren Führerschein ordnungsgemäß erworben haben, liegt vermutlich im einstelligen Prozentbereich. Ob es sich nun um Motorräder, Autos oder Lastwagen handelt.
Die Mehrheit hat sich den Führerschein „gekauft“ und hat nicht die geringste Ahnung von den Verkehrsregeln oder der Beschilderung, die über Einbahnstraßen oder andere grundlegende Verkehrszeichen hinausgeht. Oft sind sogar falsche Gewohnheiten weit verbreitet, von denen sie überzeugt sind, und Behaupten dass sei die Gesetzliche norm. Ein typisches Beispiel ist die falsche Verwendung der Blinker, um nur eines zu nennen.

Ein weiteres Problem ist, dass mehr als ein Dutzend Privatpersonen hier mit ihren Privatwagen illegal Personentransporte (ähnlich wie Taxis) anbieten. Diese Fahrzeuge sind teilweise in einem katastrophalen Zustand (Tecnomecanica bestochen), und die Fahrer haben, wie oben erwähnt, ihren Privatführerschein gekauft. Von einem Taxiführerschein können sie nur träumen. Sie bieten Fahrten beispielsweise nach Medellín oder zu anderen Zielen mittlerer Entfernung an.
Die örtliche Polizei ist sich der Situation durchaus bewusst, aber niemand kümmert es.
Auch die neuen Verfahren ändern an diesem Trend nichts Wesentliches. Es ist nach wie vor möglich, sich den Führerschein zu „kaufen“, allerdings ist der Preis inzwischen deutlich höher.

Sich hier auf die Straße zu begeben – ohne zu übertreiben – stellt aller Wahrscheinlichkeit nach ein deutlich größeres Sicherheitsrisiko dar als das, Opfer eines Verbrechens zu werden. Unfälle sind zwar zahlreich, dennoch wundere ich mich, dass man nicht noch mehr davon sieht.

Was die Sicherheit und die Umwelt betrifft, kommt noch der oft katastrophale Zustand der Fahrzeuge hinzu. Die meisten „kaufen“ sich hier auch die jährliche „Tecnomecanica“. So sind die Fahrzeuge formal in Ordnung, obwohl sie offensichtliche Mängel und fehlende Wartung aufweisen, die manchmal schwerwiegend (z. B. kaputte Bremsen) sind. Eine große Anzahl von Lastwagen (vor allem die „Volquetas“ von Baustellen), aber auch regionale Linien- und Schulbusse sind oft wahre Schleudern von schwarz rauchendem Abgas.
Zweitaktmotorräder, die furchtbar stinken und Rauchschwaden hinterlassen, halbe Familien auf einem einzigen Motorrad, inklusive kleiner Kinder und Hunde, vielleicht mit Werkzeugen, Motorsensen usw. in der Hand, natürlich ohne Helm, prägen das alltägliche Bild auf den Straßen.

Ein weiteres wachsendes Problem sind die Umbauten und Manipulationen an der Fahrzeugbeleuchtung. Motorräder, Dreiräder, Autos und Lastwagen, die wie Weihnachtsbeleuchtung aussehen, blenden mit starken, falsch Eingestellten Scheinwerfern oder lassen nicht mehr erkennen, was sich vorne und hinten befindet bzw. in welche Richtung sie fahren. Typisch ist zum Beispiel der neue Trend bei Motorrädern oder den Piaggio Dreirädern, den Frontscheinwerfer durch eine rote LED zu ersetzen, die dann wie ein Rücklicht wirkt. Motorräder, die nachts mit hoher Geschwindigkeit und ohne Licht fahren, sind ein weiteres weit verbreitetes Phänomen. Immer wieder kollidieren hier welche miteinander. Vor einiger Zeit überholte mich nachts auf dem Weg zur Vereda bei starkem Gewitter und ohne Licht von rechts ein Mädchen (ohneFührerschein!) und wäre fast unter meinem Auto gelandet.

Im Dorf hat ein Lkw die Seite eines Autos erheblich beschädigt, und zwar durch die extrem lang hervorstehenden Radschraubenabdeckungen (die relativ verbreitet und gefährlich sind). Es scheint nicht selten vorzukommen, dass sich Motorräder oder Fußgänger darin verfangen, mit Folgen, die man sich vorstellen kann. Normalerweise sind diese hervorstehenden Radmutter nur Attrappen aus Kunststoff, Aluminium oder Leichtmetalllegierungen, dennoch sind sie gefährlicher, als oft heruntergespielt wird.
Ein alter Trend, der aus den USA kommt, und es wundert mich, dass sie dort erst in wenigen Bundesstaaten verboten wurden, da sie ein unnötiges Risiko darstellen und lediglich einer fragwürdigen Ästhetik dienen.

Immobiliensituation.
In den letzten paar Jahren sind die Immobilienpreise vor Ort buchstäblich explodiert und haben absurde Höhen erreicht, die keinerlei rationale Rechtfertigung finden. Da wird Geld Gewaschen auf Hochtouren. Ausserhalb des Pueblos wird oft illegal gebaut und parzelliert wo dies untersagt ist, sogar auf geologisch gefährdetem Gelände. Seit Mai 2025, also innerhalb 12 Monate, wurden in unserer Vereda 4 solche Häuser errichtet und ein weiteres ist im Bau. Die Baubehörde schaut weg. Nun hat sich anscheinend die "Governación" von Eingeschaltet. Bin gespannt was läuft.

Der „Pueblo“ selbst hat sich in den letzten Jahren spekulativ in Richtung Tourismus orientiert und entwickelt (oder verfangen). Viele plantagen und Weiden mussten der Bauspekulation weichen. Die öffentliche Infrastruktur – Straßen usw. – ist sehr mangelhaft und schlecht unterhalten. Eine riesige Neubau Urbanisation (estrato 6) verfügt über keine konforme Abwasseranlagen. Da Versickern Schmutzgewässer von der WC Spülung bis zum Gemeinschaftspool ungefiltert in den Boden und in den Naturgewässer.

Der kleine lokale Handel stagniert und kann den heutigen Anforderungen nicht gerecht werden. Zu hohe Preise für einheimische, zu schlechte und ungenügende Qualität und Angebot für die Reiche Städter die hier ihre Freizeitimmobilien haben, und somit alles aus der Stadt mitbringen.

Die Immobilienpreise sind sehr hoch, deutlich zu hoch für das, was der Ort zu bieten hat. Die Bauqualität, insbesondere bei renovierten Objekten, ist oft miserabel. Ständige Feuchtigkeit im Fundament, aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden, Schimmel und/oder große Mengen an Bauchemikalien sind eher die Regel als die Ausnahme. Für ein Einfamilienhaus in einer Urbanisation muss man inzwischen umgerechnet schnell mal ca. 300 € hinblättern, doch die Häuser lassen in puncto Qualität sehr zu wünschen übrig. Viel Schein und wenig Substanz.
Zudem sind auch die Verwaltungskosten relativ hoch, und die unprofessionell erbrachten Leistungen sind somit völlig überteuert.
Wir haben uns einige Häuser angesehen und konnten deutliche Aus- und Nachbesserungen feststellen, beispielsweise aufgrund von Wassereinbrüchen usw. Vieles in diesem Sektor ist spekulativ und wird, wie einige zuverlässige Quellen behaupten, mit Geldern zweifelhafter Herkunft finanziert.
Auch im Dorf selbst sind die Preise für Häuser und Wohnungen absurd in die Höhe geschossen. Eine kleine Bauparzelle oder ein Abbruchobjekt schwanken zwischen 350 und 450 mio.

Positiv ist die öffentliche Ordnung. Für normale Bürger gilt der Ort als ruhig und eher sicher. Seit September gab es mehrere Morde, aber es handelte sich um interne Angelegenheiten bestimmter Kreise; die Tochter von Bekannten, eine junge Studentin, wurde ermordet, aber man weiß, dass auch sie mit Freunden aus Kreisen verkehrte, die man meiden sollte, und wer weiß, in was sie sich da verstrickt hat, von dem wir nichts wissen.
Einwohner und Touristen, die mit diesen toxischen Kreisen nichts zu tun haben, sind sicher… Sowohl im Dorf als auch auf der Finca in der Vereda leben wir in dieser Hinsicht sehr entspannt.
Anführer bestimmter krimineller Organisationen selbst sorgen für Ordnung, so paradox es scheinen mag.

Mit den Nachbarn haben wir überwiegend gute Beziehungen, ausgezeichnet mit der kleinen Schule in der Vereda, der Lehrerin, den Kindern und ihren Familien. Die kleine Schule mit derzeit nur wenigen Schülern wird von den öffentlichen Stellen vernachlässigt, sodass wir die Initiative ergriffen haben, die kleine Einrichtung mit sehr bescheidenen Freizeit- und Bildungsveranstaltungen, der Anlage eines Schulgartens usw. zu unterstützen und wiederzubeleben. Letzte Woche zum Beispiel hatte die Schule den jährlichen Putz-Tag mit den Müttern der Schüler veranstaltet, wir haben die Ärmel hochgekrempelt und sind hingegangen um anzupacken. Ich kümmerte mich mit dem Werkzeugkasten um die unzähligen anstehenden kleinen Reparaturen. Eine ausgetrocknete Wiese vor der Schule, die eher wie ein verlassenes Schlachtfeld aussah, haben wir bereits früher wiederhergestellt und zu neuem Leben erweckt – als Rasenfläche, die wir regelmäßig mit dem Rasenmäher mähen und dabei die Kinder einbeziehen. Dies ist eines der wenigen Dinge, durch die ich meine Batterien wieder aufladen und ein wenig Gleichgewicht finden kann, um den ansonsten alles andere als verlockenden lokalen Alltag auszugleichen.

Auch unser neuer junger Mitarbeiter auf der Finca, der uns seit über einem Jahr begleitet, bereitet uns große Freude durch seine offene Art, sein Engagement, seine Loyalität und sein Verantwortungsbewusstsein. Er sieht mich ein wenig als Onkel oder Patenonkel, als Bezugsperson, und auch meine Frau und ich sehen ihn ein wenig als unseren Patenkind.
Seit wir uns im September wiedergesehen haben, ist zwischen uns eine gegenseitige Beziehung gereift, die mit der 22-jährigen Beziehung zu den Neffen meiner Frau leider nicht zu vergleichen ist.

Die Familie hingegen ist zu einem immer schwierigeren Kapitel geworden. Schwager und Neffen haben sich zum x-ten Mal fast zeitgleich in kritische Situationen manövriert, finanziell und/oder sozial.
Sie bewegen sich in Kreisen und leben nach Werten, die keineswegs lobenswert sind und den meinen diametral entgegenstehen. Kreise mit denen ich nichts zu tun haben will und auch nicht assoziiert werden will.
In all den Jahren haben sich die Neffen nicht ein einziges Mal von sich aus gemeldet, außer – ohne Ausnahme – wenn es darum ging, um Geld zu bitten, wohlgemerkt nicht als Darlehen, sondern als nicht rückzahlbare Zuwendung.
Ein paar Mal habe ich ihnen großzügig geholfen, unter anderem dabei, Schulden zu tilgen, über die sie die Kontrolle verloren hatten. Dankbarkeit erwarte ich nicht, aber zumindest hätte ich erwartet, dass sie etwas daraus lernen, nachdem ich ihnen buchstäblich den Allerwertesten gerettet habe. Doch leider verschulden sie sich weiterhin und bewegen sich nach wie vor in toxischen Kreisen.
Eine Nichte ist wieder bis über beide Ohren verschuldet, und der Familienfrieden ist gestört, da ich aus guten Gründen den Geldhahn endgültig zugedreht habe. Gerüchte, die mir über Diskussionen und Spekulationen in der Familie, über die Finca und über andere Vermögenswerte von mir und meiner Frau zu Ohren gekommen sind, als wären wir am Ende unseren Tagen, haben mich tief getroffen und bei mir Spuren hinterlassen.

Auch wenn ich mir mittlerweile kaum noch Illusionen mache, hoffe ich aufrichtig, dass die Enkelkinder ihren Kurs ändern, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und einen gesunden und würdigen Weg finden können. Neben dem Fehlen eines Vorbilds oder einer Orientierung durch die Eltern gibt es vor Ort ungünstige Entwicklungen (Ausweitung der Aktivitäten krimineller Gruppen, sowie der Mangel an beruflichen Perspektiven auf lokaler Ebene).

Nach einer Bilanz unseres Umzugs und angesichts der Entwicklungen und Perspektiven für die Zukunft vor Ort bin ich geneigt, diesen Schritt zu überdenken, und ich erwäge in Absprache mit meiner Frau Alternativen, um wieder eine akzeptable Lebensqualität im Alltag zurück zu gewinnen.

Eine davon wäre ein Ortswechsel, ein Umzug in eine andere, progressivere Region und ein anderes Departement hier in Kolumbien (z. B. in den Grossraum Bogotá), doch meiner Frau ist es wichtig, in der Nähe ihrer Mutter (ihr Vater ist letzten Monat verstorben) und einer ihrer Schwestern zu bleiben. Ich finde, es würde zudem wenig Sinn machen, wenn wir irgendwohin in Kolumbien ziehen würde, an einen Ort, zu dem wir keinerlei Beziehung haben und an dem meine Frau die Hälfte der Zeit ausser Haus verbringt. Daher könnte ich genauso gut in die Schweiz oder nach Italien zurückkehren.

Eine andere Option, die sinnvoller wäre, wäre der Umzug in die benachbarte Gemeinde, die deutlich mehr als hier auf allen Ebenen bietet (z. B. Haben wir dort unseren Arzt und unseren Zahnarzt, viel mehr Geschäfte, die auf die lokale Bevölkerung und nicht auf den Tourismus ausgerichtet sind, unsere Bankfiliale usw.) und die – soweit ich weiß – politisch und administrativ nicht so heruntergekommen und korrupt ist wie unsere. Eine gesunde Distanz zur Familie, aber nicht so weit weg, dass meine Frau darunter leidet. Dort hätte ich auch Bekannte und ein Paar Freunde, worauf ich ein soziales Netzwerk aufbauen könnte.

Die andere Option, die ich ernsthaft in Betracht ziehe, ist, die Zelte erneut abzubrechen, zurückzukehren und mich aber im oberen Piemont niederzulassen, wo mir durch die Wahl des ständigen Wohnsitzes verlockende bürokratische und steuerliche Erleichterungen winken würden. Außerdem habe ich dort familiäre Wurzeln, und die Region, mit der ich seit Jahrzehnten eng verbunden bin, kann mit einem hohen Lebensqualitätsindex aufwarten, dank infrastruktureller und sozioökonomischer Stärken und ihrer landschaftlichen Schönheit.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Angebot, die Verfügbarkeit und die Qualität von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs – meiner Meinung nach ein zentrales Element für die Wertung der Qualität des täglichen Lebens.Die Nähe zur Schweiz (weniger als eine Stunde mit dem Auto) bringt zudem verschiedene Vorteile mit sich. Meine Frau würde sich dafür entscheiden, in Kolumbien zu bleiben (zumindest solange ihre Mutter lebt), und wir würden uns abwechselnd gegenseitig besuchen.

Eine schwierige Entscheidung steht uns oder mir bevor, unter verschiedenen Belastungen und in einem komplexen Umfeld. Ich hoffe, dass mir die Zeit bald einen Rat gibt.
Virtus Junxit Mors Non Separabit
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Chévere
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Beitrag von Chévere »

Don Maximo, obwohl ich Kolumbien schon über 35 Jahren kenne und immer wieder bereise, 2x im Jahr, und dass ich vieles von dem was du geschrieben hast kenne, hast du mir die Augen geöffnet. Ich bin in der Situacion, an dem ich mich im Dezember entscheiden muss. Mit deinem Bericht bin ich wieder unter die 50% hinuntergesunken und ich muss mir eingestehen, dass es wirklich so ist wie du es geschrieben hast und ich mich nicht auf dieses Abenteuer einlasse. Ich werde mal als Tourist imigrieren für ein halbes Jahr und dann wieder zurück in die Schweiz gehen, dann wieder so bis wir uns dann wirklich mal entscheiden können. Mich graut es, von dem was du alles geschrieben hast, denn es ist wirklich so. Und ich denke, mir würde es genau so ergehen wie dir. Darum werde ich den Versuch mit dem halben Jahr starten, und dann vielleicht nochmals und dann entscheiden oder vorläufig immer so machen wenn es dann die Gesundheit zulässt.
Chévere
Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.