Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Aufrufe: 27213 Beiträge: 438 Lesezeichen: 0 Abonnenten: 9
Benutzeravatar

Tenere-wue
Verified
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Offline
Beiträge: 455
Registriert: 29. Juli 2011, 19:00
Wohnort: Quindio y Valle y Hessen

Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Tenere-wue »

⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Servus Gordito, Dankeschön für die Berichte. Leider hat Kolumbien gegen die Eidgenossen verloren. Mir ist aufgefallen das hier in Cartago deswegen die Stimmung nicht so toll war. Aber das Leben geht weiter. Gordito, nun haben wir schon zwei Sachen gemeinsam. Cartago und der Umzug. Ich freue mich drauf mit dir ein Feierabend Bier zu trinken. Bis bald und liebe Grüße in die Runde.
-vive tu sueno !
Benutzeravatar

Themenstarter
gordito54
Verified
Miembro de Honor
Miembro de Honor
Offline
Beiträge: 341
Registriert: 9. Juli 2021, 09:11
Wohnort: Cartago/Valle
Alter: 72

Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!

Meine Frau und ich hatten in den letzten Wochen viel zu tun, daher gab es eine “Sendepause”.

DIAN
Ich sehe immer zu, daß ich Ende Juni alle Dokumente für unseren Steuerberater beisammen habe. Anfang Juli sind wir dann zu ihm nach Pereira gefahren und haben ihm die Unterlagen übergeben. Ein paar Tage später wollte er noch einige wenige Kopien haben, die haben wir ihm per whatsApp geschickt. Hier geht das alles recht einfach. Ende Juli bekam ich dann von der Behörde Post per E-Mail. So läuft das hier, nix Briefpost.

In der letzten Woche haben wir uns erneut mit ihm in Pereira getroffen und ihn bezahlt. Er übergab und die Bescheide für das Jahr 2025 für mich und für meine Frau. Hier wird jeder vom Finanzamt einzeln bedient, eine gemeinsame Veranlagung gibt es nicht.
Ich bin zwar verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, aber Einkommensteuer müssen weder meine Frau noch ich bezahlen, dazu sind wir dann doch zu arm.

Wenn ich in drei Jahren meine Einbürgerung beantragen werde, müssen alle Dokumente dafür “wasserdicht” vorliegen, die Steuererklärungen werden bestimmt auch verlangt, denke ich.

Nach dem Treffen mit unserem Steuerberater haben wir noch drei Verwandtenbesuche absolviert. Als wir wieder mit dem Rumpelbus nach Cartago kamen, waren wir völlig fertig. Um halb neun bin ich in Bett gekrochen. Licht aus, gute Nacht.



EURO
Im August des letzten Jahres erhielt man für einen Euro noch 4.700 kol. Pesos. Das ist vorbei und wird so schnell auch nicht wieder kommen, wenn überhaupt. Die Gründe kann man sich von jeder KI wie Grok nennen lassen.
Derzeit liegt der Kurs bei 3.600 COP für einen Euro, Tendenz: fallend.
Daher können wir uns auch nicht mehr alle Wünsche unmittelbar erfüllen, manches muß warten, weil der Betrag erst angespart werden muß.
Das gilt auch für mein neues Visum im November, dafür müssen wir 3 Mio. COP (823 Euro) bereit stellen. Ja, das geht, aber viel bleibt dann nicht mehr übrig für das Sparschwein meiner Frau bei der “Bank der Frau”.

Würden wir bei einer Rückkehr nach Spanien oder Deutschland wirtschaftlich besser dastehen?
Ein klares: Nein. In Fuenlabrada hat meine Frau im Monat 700 Euro Miete bezahlt, ohne Nebenkosten.
In Deutschland, was für uns eh nie in Frage kam, wird es derzeit kaum günstiger sein. Subventionen aus Sozialkassen würde ich eh nicht erhalten.
Hier in Cartago ist unser Haus bezahlt, die laufenden Kosten stemmen wir ohne Einschränkung unserer Lebensqualität, da wir auf Luxusprodukte verzichten und unsere Mobilität bezahlbar ist. Ein eigenes Auto rückt zwar derzeit in die Ferne, aber wir kommen mit Roller und Rumpelbus dahin, wohin wir wollen. Den meisten Kolumbianern geht es ja auch nicht anders.


HOME SWEET HOME
Letztes Jahr haben wir bei einem Sonderangebot im Alkosto zugeschlagen: ein 65 Zoll TV gab es zum Sonderpreis. Das hängt seit gestern an der Wand, umrahmt von einem entsprechenden Möbelstück und Deko, die meine Frau ausgesucht hat. Uns gefällt es sehr gut. Die Arbeit haben zwei Neffen meiner Frau ausgeführt. Sie haben gewissenhaft gearbeitet, Pfusch wollten sie ihrer Tante nicht abliefern.
Für mich bedeutet das, heute Nachmittag rüberfahren, aufräumen und den Kühlschrank wieder mit Cola, Wasser und Bier auffüllen.

Gestern am Nachmittag gab es lieben Besuch: Tenere-wue und Ehefrau. Wir saßen gerade alle trocken auf der Veranda, als das Unwetter losbrach. Unser Häuschen hat nichts abgekriegt, aber in dem Haus, in dem wir noch wohnen, stand Wasser in einem Raum. Meine Frau hatte eine halbe Stunde lang gut zu tun.
Die Bäckerei Milonga in der vierten Straße hat es arg getroffen.
Einige alte, ärmliche Gebäude in Cartago haben jetzt kein Dach mehr, wie mir meine Frau auf Instagram zeigte. Verletzt worden ist aber niemand, soweit ich das weiss.

SOPA MONDONGO
Neulich nahm meine Frau an einem Wochenendseminar ihrer Kirche teil. Samstag und Sonntag ganztägig.
Für mich alleine Kochen? Nein.
Also fuhr ich zu dem kleinen Restaurant, in dem wir gelegentlich mittags essen. Es hat auch sonntags geöffnet. Dafür ist montags zu.
Als Vorsuppe gab es zwei Suppen, eine davon nennt sich Sopa Mondongo. Das kannte ich noch nicht, das klingt nach Urwald, nach Abenteuer, das will ich ausprobieren.
In der Küche wird man sich gedacht haben: der Gringo spinnt. Bestellt sich Sopa Mondongo und lässt das beste zurückgehen.
Das “Beste“ sind Hautstücke vom Huhn, Größe 2x2 cm in der Nudel- oder Reissuppe.
Ich weiss jetzt, was Sopa Mondongo ist und ich weiss: einmal und nie wieder.


Wir haben Trockenzeit. Gestern hat es seit vielen Tagen zum ersten Mal wieder geregnet, aber heftigst.
Der Wetterbericht für die kommende Woche sieht wieder Temperaturen bis 36 Grad nachmittags vor. Entsprechend viel Wasser wird dann bis zum Nachmittag verdunstet. Wenn dann ab 4 p.m. die Sonne sinkt, ist die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich hoch. 32 Grad und 70% rel. Feuchte, da schwitzt du schon im Sitzen.

Es wird Zeit, daß der Monteur für die Installation der Klimaanlage kommt, die wir für unser Schlafzimmer gekauft haben. Ohne wird’s nix mit dem Schlafen.

Und jetzt macht sich meine Frau fertig für ihren Kirchgang. Ich setze sie dort ab, dann flitze ich zu Yeison für ein Paket “agua con gas” und das geht direkt in Richtung Villa Juliana in die Kühlung.

Blauer Himmel, Sonnenschein und bereits 29 Grad. Am Nachmittag 35 Grad in der Wettervorhersage. Ich bin froh, daß die Veranda unseres Häuschens überdacht ist und im Schatten der Bäume liegt.
So, ihr wisst jetzt, was Sopa Mondongo ist und daß es uns prächtig geht.

Übrigens hat der Klub der Deutschen hier in der Region jetzt einen Rentner mehr. Ein pensionierter Lufthansa – Mitarbeiter ist dauerhaft hier gelandet. Bienvenidos!

Herzliche Grüße an alle in Nah und Fern!

gordito54

winni73
Kolumbien-Infizierte(r)
Kolumbien-Infizierte(r)
Offline
Beiträge: 40
Registriert: 10. Februar 2012, 12:16

Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von winni73 »

:) :) sopa Modongo... ohne Worte, ich weiß was du meinst. In der Familie meiner Frau ist das ein absolutes muss!!! Ich kann gerne drauf verzichten :)
Cartago ist durchaus heiß, war erst einmal da zu Besuch, aber könnte mit vorstellen nochmal dahin zu kommen.
Benutzeravatar

Holger78
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Offline
Beiträge: 564
Registriert: 23. August 2018, 16:19
Wohnort: Ismaning / Barranquilla
Alter: 48

Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

:lol: :lol: Sopa Modongo kennt glaube ich jeder der einmal in Kolumbien war. Für mich gilt das selbe wie für dich einmal probiert und das war es auch.
Es ist schön zu lesen, das es euch gut geht. Bleibt Gesund und genießt die eure gemeinsame Zeit.
In drei Wochen bin ich auch wieder in Kolumbien, abe nur für einen Urlaub. Rente dauert bei mir noch einiges.