Drogenboss "El Mencho" ist tot

Die Top-News aus ganz Südamerika.
Benutzeravatar

Themenstarter
Don Maximo
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Online
Beiträge: 563
Registriert: 2. Mai 2015, 01:51

Drogenboss "El Mencho" ist tot

Beitrag von Don Maximo »

Der Boss „El Mencho“ ist tot, nach Zusammenstoss zwischen Narcos und Polizei am Flughafen von Guadalajara, Mexiko.
Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als El Mencho Anführer des Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG), wurde bei einer Operation der mexikanischen Sicherheitskräfte in Zusammenarbeit mit den USA, wie das Verteidigungsministerium bestätigte. Das US-Außenministerium hatte eine Belohnung von bis zu 15 Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt, die zur Festnahme von Oseguera Cervantes führen, der als einer der einflussreichsten und gewalttätigsten Drogenbosse gilt.

Es wird berichtet, dass das Land nach der Ermordung von „El Mencho” im Chaos versunken ist. Kriminelle Organisationen in verschiedenen Bundesstaaten haben Autobahnen mit brennenden Fahrzeugen blockiert, um den Vormarsch der Armee zu verhindern, was vermuten lässt, dass die Operation nicht nur auf Osegura abzielte, sondern viel weitreichender ist.
Die mexikanischen Behörden versuchen mühsam, insbesondere in den Geschäften von Jalisco, wo der öffentliche Nahverkehr seit Stunden eingestellt ist, wieder Ruhe herzustellen. Die Behörden haben die Einwohner aufgefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit zu Hause zu bleiben. Die Straßensperren wurden dann auf die angrenzenden Bundesstaaten ausgedehnt. Die Behörden haben staatliche und bundesstaatliche Beamte eingesetzt, um die Kontrolle über die Straßen zurückzugewinnen.
Mehrere in den sozialen Medien verbreitete Videos zeigten Menschen auf der Flucht am Flughafen von Guadalajara, der Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, wo es zu Schusswechseln zwischen Drogenkartellen und Sicherheitskräften gekommen ist.

Laut Medien soll es zudem zu einer Massenflucht aus dem Gefängnis von Ixtapa gekommen sein. Weiter nördlich, in San Juan de Los Lagos, sollen Drogenhändler eine Basis der Nationalgarde angegriffen haben.
Die mexikanische Regierung hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie die Sperrung des Luftraums über Tapalpa, ebenfalls im Bundesstaat Jalisco, anordnet, wo die Black Hawks der mexikanischen Luftwaffe den Bodentruppen Luftunterstützung leisten und die Konvois der Drogenhändler bombardieren sollen. Eine Schätzung der Opferzahlen liegt noch nicht vor.

Das US-Außenministerium hat nach den ausgebrochenen Unruhen eine dringende Warnung an US-Bürger herausgegeben, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Ereignisse in Mexiko haben auch erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr: Volaris und Air Canada haben anscheinend die Einstellung ihrer Flüge vom internationalen Flughafen Puerto Vallarta angekündigt. Die kanadische Fluggesellschaft erklärte, sie werde die Lage weiterhin beobachten und rät ihren Passagieren, nicht in die Region zu reisen. Die Medien zeigen Bilder, auf denen mehrere Rauchsäulen in vielen Teilen der Touristenstadt und zahlreiche Sirenen von Krankenwagen zu sehen sind.



Moderatorenhinweis:

Der ausführliche Beitrag mit dem Titel „Drogenboss El Mencho ist tot“ wurde von uns aus dem Thema Autodefensas Gaitanistas de Colombia / Clan del Golfo / Los Urabeños / Clan Úsuga abgetrennt.

Grund: Das Ursprungsthema bezieht sich auf kolumbianische Strukturen, während sich der neue Beitrag auf das mexikanische Kartell CJNG konzentriert. Um die Übersichtlichkeit zu wahren und beiden Diskussionen den nötigen Raum zu geben, wurde der Beitrag in ein eigenes Thema verschoben.

Die Inhalte bleiben selbstverständlich vollständig erhalten – die Abtrennung dient allein der besseren Struktur und Lesbarkeit.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

coentros
Verified
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Offline
Beiträge: 349
Registriert: 22. Juni 2014, 22:59

Drogenboss "El Mencho" ist tot

Beitrag von coentros »

Eine gute Nachricht - sollte man meinen.

Aber in Folge dessen Teile Mexikos im Ausnahmezustand, Gewaltexzesse, 74 Tote, mindestens 24 getötete der Nationalgarde. Furchtbares Leid. Das zeigt wie mächtig dort der zweite Staat im Staat geworden ist. Wie konnte es soweit kommen ? "Das Böse hat es leicht wenn das Gute schweigt". Der vorherige Präsident, Andres Manuel Lopez Obrador, mit dem Motto "abrazos, no balazos". So leid es mir tut. Wie krank muss man sein um zu glauben, dass solche Schwerstkriminelle für so einen Quatsch in irgendeiner Form empfänglich sein könnten ? Zugegebenermassen, man ist aussenstehend. Ich kann nur glauben was ein Querschnitt der Presse beschreibt. Die Historie und Verstrickungen sicherlich enorm komplex. Aber dennoch: Wie kann man als Politiker so unglaublich naiv sein im Umgang mit solchen Kartellen ?

Es erinnert mich fatalerweise an Kolumbien. Schwerstkriminelle als "Friedenstauben" einsetzen. Zu glauben man könnte verhandeln. Ausbaden werden es andere.
Benutzeravatar

Themenstarter
Don Maximo
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Online
Beiträge: 563
Registriert: 2. Mai 2015, 01:51

Drogenboss "El Mencho" ist tot

Beitrag von Don Maximo »

Die Ermordung von Oseguera (el Mencho), dem Anführer des CJNG-Kartells, und mögliche Auswirkungen in Kolumbien

Das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) hat strategische Allianzen und Kooperationen mit verschiedenen bewaffneten Gruppen, Kartellen und kriminellen Vereinigungen in Kolumbien (sowie in anderen Länder weltweit) geschlossen und seine Aktivitäten über den reinen Drogenhandel hinaus ausgeweitet. Diese Allianzen erleichtern gegenseitig den Drogenhandel nach Mittelamerika, Nordamerika, Europa und Asien sowie den Betrieb illegalen Minen.

Das CJNG hat seine Aktivitäten in Kolumbien ausgeweitet, um Kokain und Gold zu kaufen, aber auch um Netzwerke für Menschenhandel und Zwangsrekrutierung aufzubauen. Die Opfer, hauptsächlich schutzbedürftige Kolumbianer, werden mit falschen Versprechungen von Arbeitsplätzen getäuscht, die über soziale Netzwerke, Videospielplattformen und persönliche Kontakte verbreitet werden. Diese Angebote versprechen hohe Gehälter, Unterkunft, Prämien und sofortige Einstellung in Sicherheitsberufen, als persönliche Assistenten oder Produktverpacker, Kindermädchen oder im Haushaltsdienst.

Sobald die Opfer darauf antworten, werden sie zu vermeintlichen Vorstellungsgesprächen an Bushaltestellen bestellt. Dort werden sie gewaltsam rekrutiert, oft nachdem sie bezahlte Fahrkarten erhalten haben. In Mexiko angekommen, werden sie in abgeschottete Strukturen, Bordelle oder Lager in Bergregionen gebracht, wo sie unter erbärmlichen und überfüllten Bedingungen leben, körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt ausgesetzt sind und gezwungen werden, beim Verpacken von Drogen, in der Prostitution, als Wachpersonal oder sogar als Auftragskiller zu arbeiten.

Die Rekrutierung richtet sich auch gegen ehemalige kolumbianische Soldaten, denen eine Stelle im privaten Sicherheitsdienst angeboten wird. Nach ihrer Ankunft in Mexiko werden sie gezwungen und gewaltsamen Loyalitätsprüfungen unterzogen. Nicht selten nehmen ehemalige kolumbianische Soldaten an ihrer Ausbildung teil.

Das CJNG hat - wie erwähnt - Allianzen mit kriminellen Gruppen in Kolumbien geschlossen, um im Bereich der illegalen Gewinnung von Gold, Kohle und Mineralien tätig zu sein. Die Kontrolle dieser illegalen Minen ist mit illegalem Ressourcenhandel, Drogenhandel und Geldwäsche verbunden und hat verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschenrechte.

Wenn ein grosser Boss stirbt, ändern sich oft die Strukturen und es kommt zu interne Machtkämpfen und Abspaltungen, in denen auch externe kriminellen Organisationen und Kartelle involviert sind. Mit gezielten Gewalttaten und Unruhen gegenüber Bürgern und Strafverfolgungsbehörden wollen sie aber auch ihre Resistenz, Macht und Widerstandsfähigkeit demonstrieren.

Die jüngsten Ereignisse – angesichts der oben genannten Allianzen und Kooperationen – werden unweigerlich auch Auswirkungen auf Kolumbien haben. Wie sich diese konkret gestalten werden, ist schwer vorherzusagen, aber leider, so befürchte ich, wenig erfreulich.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

Social Media