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Zu Espriella fand ich heute dieses..., offensichtlich waren da Millionen Unterschriften unbestätigt-...
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Nun gut..., hier der übersetzte Text vom El Espectador..., ich denke man muss den ganzen Text kennen um sich ein Bild machen zu können.
De la Espriella: 62 % seiner fünf Millionen Unterschriften wurden nicht bestätigt
Genaue Informationen über die Vorgänge im undurchsichtigen Universum der Präsidentschaftskandidaten, die dank der „Volksunterstützung”, die sie durch die Unterschriften von 650.000 Wählern oder mehr erhalten haben, an den kommenden Wahlen teilnehmen wollen, sind für die Mehrheit der Kolumbianer, die Einfluss auf die Wahl des nächsten Staatsoberhauptes nehmen wollen, von großer Bedeutung. Aber heute, knapp 24 Tage vor den Vorwahlen, an denen mehrere Kandidaten teilnehmen werden, die von „bedeutenden Bürgergruppen” unterstützt werden (und nur drei Monate vor der ersten Wahlrunde), wissen wir nicht, wie es den Selbstkandidaten für die Präsidentschaft gelungen ist, mehr als eine halbe Million Menschen davon zu überzeugen, ihre Unterschrift unter die angebliche Unterstützung ihrer Kampagnen zu setzen: Wie sind sie auf diese Zahl gekommen? Wie viele Unterschriftensammler oder Unterschriftenfirmen haben sie engagiert? Wie viel haben sie ihnen bezahlt und woher stammt das Geld? Welche Anreize haben sie den Unterzeichnern geboten, damit diese sich bereit erklärten, einen, zwei, drei oder mehr Kandidaten zu unterstützen (da die Regelung zulässt, dass dieselben Vor- und Nachnamen gleichzeitig auf N Formularen erscheinen)? Wie viele Unterschriften wiederholen sich in den Formularen und wer profitiert von dieser Wiederholung?
Das Wahlamt gab an, dass 21 oder 22 Kandidaten Formulare mit der absurden Gesamtzahl von 28 Millionen Unterschriften eingereicht hätten. Mitte Januar versicherte es außerdem, dass nach dem Einsatz technologischer Hilfsmittel und rechtlicher Überprüfungen nur 14 oder 15 Vorwahlkandidaten die erforderliche Schwelle überschritten hätten (siehe). Aber das war's dann auch schon! Mehr nicht. Damit werden Details verschwiegen, auf deren Kenntnis wir Wähler ein Recht haben. Warum wurde nicht veröffentlicht, wie viele der von den einzelnen Präsidentschaftskandidaten eingereichten Unterschriften die Gültigkeitsprüfung bestanden haben? Und warum wurde nicht bekannt gegeben, wie viele für ungültig erklärt wurden und aus welchen Gründen? Ich habe telefonisch bei einem Beamten dieser Behörde die Protokolle angefordert, in denen diese Ergebnisse festgehalten sind. Er konsultierte seine Vorgesetzten, teilte mir jedoch kurz darauf mit, dass mein Antrag abgelehnt worden sei. „Warum?”, fragte ich. „Meines Wissens gibt es keine gesetzliche Regelung, die Daten über die Durchführung von Wahlkampagnen während der Sammlung von Bürgerunterstützungen für eine Präsidentschaftskandidatur geheim hält”, fügte ich hinzu. Ich erhielt keine Erklärung. Daher habe ich zwei Wege eingeschlagen: einerseits die Suche nach den gewünschten Informationen auf eigene Faust und andererseits die formelle Anfrage: Vor zwei Tagen habe ich beim Nationalen Wahlleiter Hernán Penagos ein Petitionsrecht geltend gemacht. Er hat noch nicht geantwortet, aber er hat eine gesetzliche Frist, um dem nachzukommen.
@Tenere-wue hatte gefragt, wer Abelardo de la Espriella kennt. @Eisbaer lieferte daraufhin eine gute Beschreibung, an die ich mich anschliessen möchte, wobei ich jedoch noch etwas mehr Licht auf diese umstrittene und meiner Meinung nach äusserst problematische Figur werfen möchte.
Ich habe eher zufällig vor ein paar Jahren von ihm erfahren, aufgrund seiner Beziehungen zu Italien, als er in der jüngsten Vergangenheit davon sprach, sich dort endgültig niederlassen zu wollen, und aufgrund seiner engen Verbindungen zu rechtsextremen oder gar neofaschistischen Kreisen, deren Ideologien er teilt.
Alberado Espirella, geboren in Bogotá, hat wie der derzeitige Präsident Petro neben der kolumbianischen auch die italienische Staatsbürgerschaft, die er durch Abstammung (ius sanguinis) erworben hat. Einige Medien behaupten zudem, dass er auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt.
Als Gründer der Bewegung „Defensores de la Patria” ist er bekannt für seine Vergangenheit als Verteidiger umstrittener Persönlichkeiten, darunter z. B. „Alex Saab”, der wegen Geldwäsche und Korruption im Zusammenhang mit dem Maduro-Regime angeklagt ist, sowie für seine Rolle und seine Verbindungen zur paramilitärischen Organisation „Autodefensas Unidas de Colombia (AUC)”.
Seine Präsidentschaftskampagne basiert auf einem starken Nationalismus, einer rechtsextremen Ideologie mit Einflüssen von Figuren wie Javier Milei, Nayib Bukele und Donald Trump, und er schlägt Massnahmen wie den Bau von Mega-Gefängnissen, den Austritt aus der UNO, der OAS und dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie eine harte militärische Strategie gegen illegale bewaffnete Gruppen vor. Seine Sprache ist oft aggressiv und provokativ, wie den frei übersetzten Satz zeigt: „Mit mir werdet ihr euch organisieren und zu echten Bürgern werden, oder ihr werdet erfahren, wie hart der Biss des Tigers (wie er sich nennt) ist”, der sich auf die indigenen Völker bezieht.
De La Espirella hat übrigens keinerlei Erfahrung oder Kompetenz in politischen Angelegenheiten. Zudem hatte er einige Jahre in Florenz gelebt, wo er sich auch definitiv niederlassen wollte, bis es sich dann für die Kandidatur stellte.
Dafür ist sein Lebenslauf wenig Salonfähig und alles andere als förderlich für eine politische Kandidatur, geschweige denn für eine Präsidentschaftskandidatur.
Auf Wikipedia gab es eine relativ ausführliche, gut dokumentierte Biografie von Abelardo De la Espirella. Diese Biografie (die ich gelesen hatte), die alles andere als förderlich für eine politische Karriere ist, ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Darüber hatten auch einige wenige kritische Medien aufmerksam gemacht.
Zahlreiche Politiker und Aktivisten, darunter die Senatskandidatin Sandra Chindoy und Präsident Gustavo Petro, haben ihn als „Faschisten” bezeichnet und ihn für die Stigmatisierung indigener Völker, die Leugnung ihrer Rechte sowie für seine gewalttätige und spaltende Sprache kritisiert.
Espirella liebt es, sich selbst darzustellen, und hat sogar „De la Espriella Style” ins Leben gerufen, das er als „einen Ort, um das süsse Leben, den guten Geschmack und die Dinge, die mit Leidenschaft gemacht werden, zu feiern” definiert.
Dazu gehört die Einführung eigener Marken wie Rum, Wein, Hüte und eine Herrenbekleidungslinie mit Hemden, Jacken, Krawatten und Seidentüchern für alle, die sein Dandy-Image nachahmen möchten, Seine Werte und Prioritäten vermitteln auch hier nicht den Eindruck, dass er gewillt oder fähig wäre, sich die Probleme des Landes ernsthaft anzugehen.
Genau dieser „Espirella Style”, der nur auf Äusserlichkeiten basiert, findet sich auch in seinem selbstdarstellenden politischen Profil wieder.
Obwohl er sich als Verfechter der Demokratie und des Rechts verteidigt, haben seine juristische Vergangenheit, seine Allianzen mit paramilitärischen Kräften und sein Wahlkampfstil zu breiter Kritik seitens der Opposition und breiter Kreise der Zivilgesellschaft geführt, die ihn als Symbol der extremen Rechten und des Autoritarismus betrachten.
Jetzt präsentiert sich diese Person als Präsidentschaftskandidat und sammelt Unterschriften mit einer Rede über moralische Erneuerung. Die Ironie ist so perfekt, dass es wehtut: Ein Produkt des korrupten Systems verspricht, uns vor der Korruption zu retten.
Aktuell hat Iván Cepeda (Pacto Histórico, links-progressiv und enger Verbündeter von Präsident Gustavo Petro) die mit Abstand größten Chancen, die Präsidentschaftswahl 2026 zu gewinnen. Die erste Runde findet am 31. Mai 2026 statt (Stichwahl ggf. am 21. Juni).
Laut der jüngsten verfügbaren Umfrage von GAD3 (16.–23. Februar 2026) liegt Cepeda in der ersten Runde bei 34 % vor Abelardo de la Espriella (ultrarechts, 26 %). In fast allen Stichwahl-Szenarien gewinnt er klar (z. B. gegen de la Espriella 38 : 33 %). Andere Kandidaten wie Paloma Valencia oder Claudia López liegen deutlich darunter (je 3–4 %). Neuere Analysen nach den Wahlen vom 8. März bestätigen: Cepeda bleibt der klare Favorit, gefolgt von de la Espriella.
Die Konsultationen vom 8. März haben die Kandidatenliste für die erste Runde festgelegt (16 Aspiranten insgesamt). Die Gewinner der drei großen Konsultationen sind:
Claudia López (Consulta de las Soluciones, Zentrum)
Roy Barreras (Frente por la Vida, eher links)
Iván Cepeda und Abelardo de la Espriella traten separat an und sind automatisch qualifiziert. Die Konsultationen ändern aber nichts am klaren Umfragevorsprung von Cepeda.
Vicky Dávila ist aus dem Rennen. Sie trat in der Gran Consulta por Colombia an, verlor aber deutlich gegen Paloma Valencia (die über 2,5 Millionen Stimmen holte). Dávila schaffte es nicht in die erste Runde und muss nun entscheiden, ob sie in die Politik oder zurück zum Journalismus geht. In Umfragen vor der Konsultation lag sie nur bei ca. 2 %.
Zu Jaime Gilinski (dem Multimilliardär und Patriarchen der Familie, die hinter dem Semana-Konzern steht): Eine Reaktion wie im vergangenen Jahr (2024/2025) ist derzeit nicht zu erwarten und wird in den aktuellen Berichten auch nicht thematisiert. Damals hatte sein Sohn Gabriel Gilinski (Mehrheitsaktionär von Semana) Vicky Dávila massiv unterstützt – sie verließ die Redaktionsleitung, bekam prominente Porträts und die Medienplattform für ihren Einstieg als „Outsider“-Kandidatin.
Jetzt, nach Dávilas klarem Ausscheiden und den Konsultationsergebnissen vom 8. März, gibt es keine öffentlichen Statements oder Berichte über eine neue Intervention oder Reaktion von Jaime oder Gabriel Gilinski. Die Familie konzentriert sich offenbar weiter auf das Geschäft (Jaime Gilinski wurde kürzlich als „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet und hat gute Beziehungen zu verschiedenen Lagern). Frühere Gerüchte oder indirekte Einflussnahme (z. B. über Semana) spielen derzeit keine Rolle in der Berichterstattung.
Zusammengefasst: Cepeda ist klarer Favorit, das Rennen ist nach den Konsultationen etwas klarer, Vicky Dávila ist raus – und von den Gilinskis kommt (anders als 2024/2025) vorerst Stille. Die Lage kann sich natürlich bis Mai noch ändern, aber die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache.
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