Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

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Liebe Mitforisten, Freunde und Leser!

@Holger78: Danke für die netten Worte und deine Glückwünsche. Es geht hier also weiter mit “Neues aus Cartago”. Herzliche Grüße nach Bayern!

@Tenere-wue: Danke für deine Glückwünsche! Grüß deine Frau von uns. Wenn ihr wieder hier seid: Bier steht schon kalt!

@Don Maximo: Vielen, vielen Dank für die netten Worte und die Glückwünsche! Ja, wir haben uns endgültig für Cartago entschieden, denn hier haben wir ein gutes Leben. Wenn die Gesundheit weiter mitspielt, freuen wir uns auf viele gemeinsame weitere Jahre. Herzliche Grüße zur Finca!

@KinniCrimson: Erstmal herzliche Grüße nach Leipzig, besonders auch an die Mutti. Ich greife den Vorschlag gerne auf, eine Beschreibung unseres Häuschens zu geben und wie es weitergeht, aber alles kurz und mit dem Blick auf die kolumbianischen Umstände hierzulande.

@Max: Dankeschön und herzliche Grüße aus Cartago!


Wie stehen die Dinge?

Nun ist die erste Arbeitswoche rum. Die erste Fuhre Bauschutt ist auch schon weg. Per Motocarro, also ein motorisiertes Dreirad. Die fahren hier viel rum und machen den Großteil des innerstädtischen Transportes aus. Der Fahrer wollte 100.000 COP (22 Euro) incl. Kippgebühr auf der Deponie. Er kennt meine Frau noch als kleines Mädchen und er kannte auch noch ihre Mutter. Er dürfte deutlich über 70 sein und arbeitet noch jeden Tag körperlich hart, denn auf- und abladen muß er.

Das typische Einfamilienhaus hier in Cartago hat die Maße 6X12 m. Unseres hat 6X11m, das reicht für ein Rentnerpaar. Es ist ebenerdig, einen Keller hat hier keiner. Eine erste Etage haben und wollten wir auch nicht.

Dieser Haustyp ist der Länge nach geteilt. Eine Seite besteht aus einem langen Raum von vorne bis hinten. Das ist normalerweise Eßzimmer und Wohnbereich. Üblich ist es hier auch, das Auto abends mit rein zu nehmen, daher ist die Eingangstür ein dreiflügeliges Alu-Tor. Bei uns endet dieser große Raum an einem Zimmer, das links neben dem espacio, also dem Hauswirtschaftsbereich, liegt. Beide Hälften sind gleich groß, also je 3m breit.

Da im espacio Strom, Erdgas und Wasser sowie eine geeignete Abwasserleitung liegen, war es naheliegend, den unmittelbar angrenzenden Raum links daneben zu einem menschengerechten Badezimmer (mit Warmwasserdusche dank Erdgas-Gastherme!) umzubauen. Das läuft momentan.

Auf der rechten Seite befindet sich eingangs ein kleines Zimmer mit Fenster zur Straße. Das wird Ankleide-/ Gästezimmer. Zwischen unserem kleinen Schlafzimmer (unser Bett passt prima rein, aber auch kaum mehr) und dem Ankleidezimmer liegt ein winziges Bad. Die Wand zu unserem Schlafzimmer wird fallen, die Tür zugemauert, das schafft nicht nur optisch mehr Platz (Etappe drei).

Das Dach ist dicht und mit den hier typischen Ziegeln eingedeckt. Die Wände sind trocken, Fenster und Türen OK. Alle Dachfenster sind gegen Einstieg von oben mit Gittern gesichert.

Fast alle Materialien aus dem Sanitär- und Fliesenfachhandel hier aus der “La Septima”, also der siebten Straße, sind da. Die Dusche und der Waschtisch sind derzeit noch in Arbeit.

Im Momente fliegen die Millionen nur so aus dem Haus. Uff!
Die erste Umbauwoche hat uns 1,3 Mio. COP nur Lohnkosten für 2 Männer (300 Euro) gekostet.

Diese Woche kommen die Fliesen (60X120 cm) an die Wand und die Böden im neuen Bad, im espacio und der Küche werden fertig.

Sind das neue Bad und das espacio fertig, ist Etappe 1 zu Ende. Etappe 2 wird das Aufarbeiten der wenigen Badmöbel und der großen Küche, da weinrotes Massivholz. Das werfe ich nicht weg. Der Küchenbauer sagte uns, die Küche wäre nach der Aufarbeitung mindestens 15 Mio. COP wert.

Die Zwischen-Decken sind aus lackiertem Massivholz und noch OK. Die bleiben.

Innen gibt es weinrote Massivholz-Applikationen, die einen rustikalen Charme ausstrahlen.

Wir wollen und werden bis Ende April fertig sein. Den Mai brauchen wir zum Umzug und zum Eingewöhnen. Das ein oder andere Teil fehlt ja immer.

Die Elektrik ist 2-adrig, also veraltet. Sie muß aber noch ein paar Jährchen halten, ich bin nicht Rockefeller.

Draußen sitze ich im vergitterten und mit schmiedeeisernen Applikationen versehenen Vorbau. Überdacht. Parkplatz für Fahrrad und Roller. Das Dach ist an 2 Stellen leicht undicht. Etappe vier, nächstes Jahr. Wird komplett mit Material etwa 2 Mio. COP Kosten (440 Euro).

Von dort aus blicke ich über die aktuelle Großbaustelle (die Infratstruktur wird dort für weitere Stadtteile ertüchtigt) hinweg auf landwirtschaftlich genutzte Fläche. Dahinter: Wald.

Die Urbanisacio Villa Juliana ist ein reines Wohngebiet, estrato 3, also untere Mittelschicht. Das passt zu uns. Die Bewohner fegen ihre Gehsteige, Büsche und Blumen sind in den Vorgärten. Kein Lärm am WE. Bäume stehen am Straßenrand. Es liegt kein Müll rum. Alles ist geordnet und sauber.

Als ich eines abends draußen sitze: ein Vogelschrei. Den kenne ich doch? Auf der Straßenlaterne neben unserem Häuschen saß ein Vogel: braunes Gefieder, weißer Kopf, ein Raubvogel, ein kleiner Adler.

Gehe ich die 20 m zur Großbaustelle “Avenida del Rio”, dann liegt in der Ferne im Dunst, aber doch deutlich erkennbar, eine Kette der Anden. Darüber türmen sich ab dem späten Vormittag weiße Wolken in einem blauen Himmel. Geht am Abend die Sonne dort unter, wechseln die Wolken ihre Farbe von weiß zu einem rosa Farbton. Eine für mich unbezahlbare Erfahrung.

Heute am Montag ist hier ein Feiertag (ich weiss nicht welcher), jedoch war die Müllabfuhr schon da.

Ab morgen ist wieder Baustelle angesagt. Meine Frau ist der Manager. Das ist auch gut so.

Ich grüße ganz herzlich aus Cartago/Valle und bis demnächst!

gordito54

desertfox
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von desertfox »

@gordito54,

Wenn die Elektrik noch 2-adrig ist und Du eh umbaust würde ich das gleich auf einen modernen Stand bringen. An der Sicherheit würde zumindest ich nicht sparen.
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Eisbaer
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Eisbaer »

@gordito54: Nach all der Zeit möchte ich mich einfach mal für deine ausführlichen und ehrlichen Berichte bedanken. Es war wirklich interessant, deinen Weg hierher zu verfolgen – mit allen Höhen und Tiefen.

Schön zu lesen, dass ihr nun euer eigenes Zuhause gefunden habt. Ich wünsche dir und deiner Frau viel Glück und vor allem Ruhe und Zufriedenheit in der Villa Juliana.

Genießt die Zeit!
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

@Eisbaer:
Vielen Dank für die "Blumen" und die guten Wünsche. Ruhe und Zufriedenheit, die Seele im Gleichgewicht, eine hohe Lebensqualität und nicht zuletzt eine glückliche Ehe. Dinge, die man nicht kaufen kann, aber an denen man selber aktiv mitwirken kann. In unserem Alter kann das alles schon morgen zu Ende sein, machen wir uns da nichts vor. Daher: geniesse jeden Tag! Das darf ich so auch gerne zurückgeben.

Übrigens: geben. Ich hätte migracion colombia auch 2 Wochen VOR unserem Umzug schriftlich darüber informiert, aber nun habe ich es hier an anderer Stelle gelesen. Viele Dinge hätten bei der Auswanderung, Integration und dem Leben hier für mich nicht so reibungslos geklappt, wenn ich mich nicht auf diesem Forum hätte gründlich informieren können. Daher möchte ich auch etwas zurückgeben. Und wenn jemand, der weiter in Deutschland lebt, meine Berichte liest und sich daher nur nach Cartago "denken" kann, dann freut mich auch das.

In den alternativen Medien lese ich, daß die Kraftstoffpreise in Europa wegen dem Irankrieg anziehen. Aha. Das wird vielen Pendlern wehtun.
Gestern habe ich hier bei Petromil 15.500 COP (3,66 Euro) für die Gallone (knapp 4 Liter) bezahlt, dann ist der Roller voll, mehr geht nicht rein. Das sind 600 Pesos weniger als noch vor einem halben Jahr. Reicht für eine Woche.
Dafür sind zum Beispiel die Preise für Eier gestiegen. 30 AAA-Eier sind von 16.000 COP auf 17.500 COP (4,14 Euro) gestiegen. Nur ein Beispiel für viele kleine Preissteigerungen der letzten Monate.
Das hat Konsequenzen. Ein gebratenes Hähnchen kostet im Supermarkt 22.9600 COP (5,41 Euro). Der Hühnerbrater auf der Hauptstraße hier im Barrio hat dem Preis für seine auf dem Holzkohlengrill gegarten, größeren Hühnchen auf 30.000 COP erhöht. Das hat man hier nicht mehr mitgemacht. Jetzt hat er zu.


HALBZEIT
Die Fliesen liegen und sind verfugt. Die Küche ist demontiert und wird mit "Varsol" behandelt, das man hier zur Reinigung von Möbeln verwendet. Heute am Nachmittag machen wir den Küchenbereich gründlich sauber für den Wiedereinbau.
Nächste Woche ist "semana santa", also Karwoche. Daher werden wir den Freitag und Samstag wieder als Putztag haben.
Die Wand zwischen Schlafzimmer und dem alten kleinen Bad fällt morgen.
Im neuen Bad, in der Küche und im espacio werden alle Leitungen dreiadrig (also mit "Erde") verlegt, denn nur dort werden die Geräte angeschlossen, die einen entsprechenden Stecker haben wie Mikrowelle, Waschmaschine, Kühlschrank, etc. Offen liegende Leitungen Marke Isolierband werden ersetzt, aber alles andere im Häuschen bleibt, wie es ist in den Wänden, denn alle anderen Geräte sind schutzisoliert, wurden also wie in Deutschland und Europa, zweipolig an uns ausgeliefert. Daher macht es dort jetzt auch keinen Sinn, die Wände aufzureissen.

Jeden Tag bei der Ferreteria Material für 100.000 oder 200.000 COP (22 oder 44 Euro) einkaufen, das läppert sich auch in der Woche. Vor Baubeginn hatte meine Frau viele Ideen und Wünsche. Wenn wir das, was nun begonnen ist, fertig vor uns haben, ist aber erstmal Kassensturz. Jetzt und hier wird erstmal das gemacht, was wir zum Einzug brauchen. Dazu gehört auch die Erneuerung aller Lichtschalter und Steckdosen, denn die haben ihre Lebensdauer schon längst überschritten. Designersteckdosen "Luigi Colani" gibt es aber erst, wenn ich unseren Hubschrauberlandeplatz in der Tiefgarage plane. Bis dahin muß 08/15 reichen, aber aus hiesiger Produktion, nichts von TEMU.

Bis Mitte April sollten auch die Schiebetüren für die neue Dusche eingebaut sowie der Waschtisch angeschlossen sein.

Welche Wünsche ich noch habe?
Im espacio habe ich einen Anschluß für einen kleinen Geschirrspüler reservieren lassen. Wenn ich das Geld dafür angespart habe, kriegt den meine Frau, denn dreimal täglich steht sie am Spülbecken. Das muß aufhören.
Ebenfalls im espacio wird ein Backofen eingebaut, nur nicht sofort. Aber technisch vorgesehen ist das jetzt.

Wenn ich abends vor unserem Häuschen sitze, geniesse ich den Sonnenuntergang. Die Färbung der Wolken, die Änderung des Lichtes in Pastelltöne.

Die Kirche meiner Frau endet jetzt am Palmsonntag. Daher mache ich mich jetzt auf die Socken, um sie abzuholen.

Herzliche Grüße aus Cartago/Valle, Colombia.

gordito54
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

Vielen Dank für deinen Bericht / für deine Berichte. Ich lese diese immer sehr aufmerksam durch. Obwohl ich noch nie in dieser Gegend um Cartago war, ich kann mich auf Grund deiner lebendigen Beschreibung dies regelrecht vorstellen. Danke hierfür.
Noch 10 Tage, dann bin ich auch wieder in Kolumbien, wenn auch "nur" für einen Urlaub.
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

@Holger78:
Guten Flug und einen schönen Urlaub! Herzliche Grüße nach Barranquilla.

PALMSONNTAG
Wir saßen am späten Nachmittag vor dem Haus einer der Schwestern meiner Frau. Frisches Gebäck aus der panaderia und ein heißer Kakao, lecker, lecker.
Die kleine katholische Kirche an der Hauptstraße um die Ecke war gut gefüllt. Klar, Palmsonntag, dachte ich, bis der weisse Kombi des Beerdigungsinstitutes "Renacer" abfuhr. Dahinter die übliche Prozession von Motos und der Bus für die, die weder Auto noch Moto haben.
Gestorben war ein 15-jähriger Junge. Drogen. Nicht der erste, nicht der letzte in diesem Viertel.

OSTERWETTER
Ich hoffe, das Wetter war in Deutschland gut genug für einen sonnigen Osterspaziergang. Heute am Montag ist hier in Cartago wieder "Normalbetrieb".
Die Tage der vergangenen Woche waren Teilweise sehr warm, bis 34 Grad. Alles stöhnt: que calor!
Manchmal werde ich dann gefragt, wie ich es empfinde. Dann sage ich ihnen, daß ich bei meiner Arbeit in der Türkei (in Can) im Sommer bis 43 Grad hatte, wie in Andalusien, Granada, Sevilla, Jaen, ... Ungläubiges Staunen.
Ich komme mit dem Klima hier deswegen so gut zurecht, weil es keine großen Temperatursprünge gibt und keine Jahreszeiten. Hier ist immer Sommer.

NEUES VON DER BAUSTELLE
Die letzte Woche lief mit gebremster Kraft. Am Mittwoch konnte "Chico" nicht kommen, man hat ihm sein Motorrad geklaut. Samstag hatte er "Montezumas Rache". Shit happens. Aber sein Adlatus war da und hat fleißig Schlitze in die Wände gestemmt, denn meine Frau hat nochmal in ihre Schatulle geschaut. Und siehe da, es hatten sich doch in einer Ecke noch drei Mio. COP versteckt. Die werden jetzt für die komplette Erneuerung der Elektroanlage vom Zähler des Energieversorgers bis zur letzten Steckdose ausgegeben. Eine potentielle Brandgefahr sollte damit gebannt sein.

Bis auf dem neuen Waschtisch, der heute kommen soll, und die Acrylglastüren der Dusche sind alle Spielsachen auf der Baustelle. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist zum kommenden Wochenende Land in Sicht und in der nächsten Woche sind Rest-Arbeiten wie Malern aller Räume dran. Dann folgt das große Putzen.

Bis zum Monatsende gibt es also keine Langeweile für uns. Gut so!

ich mache mich jetzt auf die Socken zur Fußpflege, herzliche Grüße an Alle nah und fern!

gordito54
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Tenere-wue
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Tenere-wue »

Servus Gordito,es freut mich zu hören das es weiterhin gut läuft. Ich empfinde das Klima in Cartago auch als sehr angenehm und der wenige Niederschlag freut mich als Rad und Motorradfahrer. Bis bald und bleibt gesund.
-vive tu sueno !