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Liebe Mitforisten, Freunde und Leser!@Holger78: Danke für die netten Worte und deine Glückwünsche. Es geht hier also weiter mit “Neues aus Cartago”. Herzliche Grüße nach Bayern!
@Tenere-wue: Danke für deine Glückwünsche! Grüß deine Frau von uns. Wenn ihr wieder hier seid: Bier steht schon kalt!
@Don Maximo: Vielen, vielen Dank für die netten Worte und die Glückwünsche! Ja, wir haben uns endgültig für Cartago entschieden, denn hier haben wir ein gutes Leben. Wenn die Gesundheit weiter mitspielt, freuen wir uns auf viele gemeinsame weitere Jahre. Herzliche Grüße zur Finca!
@KinniCrimson: Erstmal herzliche Grüße nach Leipzig, besonders auch an die Mutti. Ich greife den Vorschlag gerne auf, eine Beschreibung unseres Häuschens zu geben und wie es weitergeht, aber alles kurz und mit dem Blick auf die kolumbianischen Umstände hierzulande.
@Max: Dankeschön und herzliche Grüße aus Cartago!
Wie stehen die Dinge?
Nun ist die erste Arbeitswoche rum. Die erste Fuhre Bauschutt ist auch schon weg. Per Motocarro, also ein motorisiertes Dreirad. Die fahren hier viel rum und machen den Großteil des innerstädtischen Transportes aus. Der Fahrer wollte 100.000 COP (22 Euro) incl. Kippgebühr auf der Deponie. Er kennt meine Frau noch als kleines Mädchen und er kannte auch noch ihre Mutter. Er dürfte deutlich über 70 sein und arbeitet noch jeden Tag körperlich hart, denn auf- und abladen muß er.
Das typische Einfamilienhaus hier in Cartago hat die Maße 6X12 m. Unseres hat 6X11m, das reicht für ein Rentnerpaar. Es ist ebenerdig, einen Keller hat hier keiner. Eine erste Etage haben und wollten wir auch nicht.
Dieser Haustyp ist der Länge nach geteilt. Eine Seite besteht aus einem langen Raum von vorne bis hinten. Das ist normalerweise Eßzimmer und Wohnbereich. Üblich ist es hier auch, das Auto abends mit rein zu nehmen, daher ist die Eingangstür ein dreiflügeliges Alu-Tor. Bei uns endet dieser große Raum an einem Zimmer, das links neben dem espacio, also dem Hauswirtschaftsbereich, liegt. Beide Hälften sind gleich groß, also je 3m breit.
Da im espacio Strom, Erdgas und Wasser sowie eine geeignete Abwasserleitung liegen, war es naheliegend, den unmittelbar angrenzenden Raum links daneben zu einem menschengerechten Badezimmer (mit Warmwasserdusche dank Erdgas-Gastherme!) umzubauen. Das läuft momentan.
Auf der rechten Seite befindet sich eingangs ein kleines Zimmer mit Fenster zur Straße. Das wird Ankleide-/ Gästezimmer. Zwischen unserem kleinen Schlafzimmer (unser Bett passt prima rein, aber auch kaum mehr) und dem Ankleidezimmer liegt ein winziges Bad. Die Wand zu unserem Schlafzimmer wird fallen, die Tür zugemauert, das schafft nicht nur optisch mehr Platz (Etappe drei).
Das Dach ist dicht und mit den hier typischen Ziegeln eingedeckt. Die Wände sind trocken, Fenster und Türen OK. Alle Dachfenster sind gegen Einstieg von oben mit Gittern gesichert.
Fast alle Materialien aus dem Sanitär- und Fliesenfachhandel hier aus der “La Septima”, also der siebten Straße, sind da. Die Dusche und der Waschtisch sind derzeit noch in Arbeit.
Im Momente fliegen die Millionen nur so aus dem Haus. Uff!
Die erste Umbauwoche hat uns 1,3 Mio. COP nur Lohnkosten für 2 Männer (300 Euro) gekostet.
Diese Woche kommen die Fliesen (60X120 cm) an die Wand und die Böden im neuen Bad, im espacio und der Küche werden fertig.
Sind das neue Bad und das espacio fertig, ist Etappe 1 zu Ende. Etappe 2 wird das Aufarbeiten der wenigen Badmöbel und der großen Küche, da weinrotes Massivholz. Das werfe ich nicht weg. Der Küchenbauer sagte uns, die Küche wäre nach der Aufarbeitung mindestens 15 Mio. COP wert.
Die Zwischen-Decken sind aus lackiertem Massivholz und noch OK. Die bleiben.
Innen gibt es weinrote Massivholz-Applikationen, die einen rustikalen Charme ausstrahlen.
Wir wollen und werden bis Ende April fertig sein. Den Mai brauchen wir zum Umzug und zum Eingewöhnen. Das ein oder andere Teil fehlt ja immer.
Die Elektrik ist 2-adrig, also veraltet. Sie muß aber noch ein paar Jährchen halten, ich bin nicht Rockefeller.
Draußen sitze ich im vergitterten und mit schmiedeeisernen Applikationen versehenen Vorbau. Überdacht. Parkplatz für Fahrrad und Roller. Das Dach ist an 2 Stellen leicht undicht. Etappe vier, nächstes Jahr. Wird komplett mit Material etwa 2 Mio. COP Kosten (440 Euro).
Von dort aus blicke ich über die aktuelle Großbaustelle (die Infratstruktur wird dort für weitere Stadtteile ertüchtigt) hinweg auf landwirtschaftlich genutzte Fläche. Dahinter: Wald.
Die Urbanisacio Villa Juliana ist ein reines Wohngebiet, estrato 3, also untere Mittelschicht. Das passt zu uns. Die Bewohner fegen ihre Gehsteige, Büsche und Blumen sind in den Vorgärten. Kein Lärm am WE. Bäume stehen am Straßenrand. Es liegt kein Müll rum. Alles ist geordnet und sauber.
Als ich eines abends draußen sitze: ein Vogelschrei. Den kenne ich doch? Auf der Straßenlaterne neben unserem Häuschen saß ein Vogel: braunes Gefieder, weißer Kopf, ein Raubvogel, ein kleiner Adler.
Gehe ich die 20 m zur Großbaustelle “Avenida del Rio”, dann liegt in der Ferne im Dunst, aber doch deutlich erkennbar, eine Kette der Anden. Darüber türmen sich ab dem späten Vormittag weiße Wolken in einem blauen Himmel. Geht am Abend die Sonne dort unter, wechseln die Wolken ihre Farbe von weiß zu einem rosa Farbton. Eine für mich unbezahlbare Erfahrung.
Heute am Montag ist hier ein Feiertag (ich weiss nicht welcher), jedoch war die Müllabfuhr schon da.
Ab morgen ist wieder Baustelle angesagt. Meine Frau ist der Manager. Das ist auch gut so.
Ich grüße ganz herzlich aus Cartago/Valle und bis demnächst!
gordito54






