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Don Maximo, obwohl ich Kolumbien schon über 35 Jahren kenne und immer wieder bereise, 2x im Jahr, und dass ich vieles von dem was du geschrieben hast kenne, hast du mir die Augen geöffnet. Ich bin in der Situacion, an dem ich mich im Dezember entscheiden muss. Mit deinem Bericht bin ich wieder unter die 50% hinuntergesunken und ich muss mir eingestehen, dass es wirklich so ist wie du es geschrieben hast und ich mich nicht auf dieses Abenteuer einlasse. Ich werde mal als Tourist imigrieren für ein halbes Jahr und dann wieder zurück in die Schweiz gehen, dann wieder so bis wir uns dann wirklich mal entscheiden können. Mich graut es, von dem was du alles geschrieben hast, denn es ist wirklich so. Und ich denke, mir würde es genau so ergehen wie dir. Darum werde ich den Versuch mit dem halben Jahr starten, und dann vielleicht nochmals und dann entscheiden oder vorläufig immer so machen wenn es dann die Gesundheit zulässt.Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
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Chévere
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
Chévere
Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
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Max
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
Servus Don Maximo ,das schlimmste hast Du ja hinter Dir mit dem Papierkram , klar mußt Du dein M-Visa verlängern aber dies sollte ja nicht so kompliziert sein. Der Umzug in die Nachbargemeinde scheint eine gute Lösung zu sein, aber was machst Du mit der Finca. Vielleicht können wir uns mal treffen, denke mal das wir in der gleichen Ecke wohne, ich wohne in der Nähe von Retiro. Alles Gute bei deiner Entscheidung Max
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Benny56
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
Hallo Don Maximo,
ich habe deine Zeilen jetzt mehrfach gelesen. Erst den "versteckten" Teil im anderen Beitrag, der an mich gerichtet war, und jetzt deinen langen Bericht. Ich muss das erst mal sacken lassen.
Eigentlich wollte ich dir nur für die ehrlichen Worte danken. Hier im Forum wird oft so viel über die schönen Seiten geschrieben, über den Lachs und das Klima, aber du hast jetzt mal das ausgesprochen, was viele von uns im Stillen mit sich rumtragen, wenn die Sonne mal nicht scheint.
Es tut mir aufrichtig leid zu hören, wie es um deine Frau steht. Dass die eigene Familie, auf die man so gehofft hat, dann eher zur Last wird und man sich wie ein Goldesel vorkommt, das ist ein harter Brocken. Ich verstehe jetzt viel besser, warum du dich so in die Details bei der Ernährung oder dem Wasser vertiefst – wenn man um sich herum merkt, wie alles ein bisschen vor die Hunde geht, die Moral, die Nachbarn, die Ämter, dann klammert man sich eben an das, was man noch kontrollieren kann.
Dein Plan mit dem Piemont oder der Nachbargemeinde... weißt du, am Ende ist es egal, ob man mehr oder weniger auf der hohen Kante hat: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich im eigenen Haus nicht mehr zu Hause fühlt, muss man handeln. Ich finde es mutig, dass du laut über eine Rückkehr nachdenkst, auch wenn das bedeutet, getrennte Wege bei den Wohnsitzen zu gehen. Manchmal ist das der einzige Weg, um nicht selbst vor die Hunde zu gehen.
Lass dich von dem ganzen Papierkram und den ignoranten Leuten im Dorf nicht unterkriegen. Dass du dich um die Schule und den Garten kümmerst, zeigt mir, dass dein Herz am rechten Fleck sitzt. Das sind die Dinge, die zählen, auch wenn der Rest der Welt drumherum gerade nur an den eigenen Vorteil denkt.
Ich wünsche dir und deiner Frau viel Kraft für die Entscheidung. Egal wie es kommt, danke, dass du uns hier so tief in dein Leben hast blicken lassen. Das ist mehr wert als jeder Reisebericht.
Benny
ich habe deine Zeilen jetzt mehrfach gelesen. Erst den "versteckten" Teil im anderen Beitrag, der an mich gerichtet war, und jetzt deinen langen Bericht. Ich muss das erst mal sacken lassen.
Eigentlich wollte ich dir nur für die ehrlichen Worte danken. Hier im Forum wird oft so viel über die schönen Seiten geschrieben, über den Lachs und das Klima, aber du hast jetzt mal das ausgesprochen, was viele von uns im Stillen mit sich rumtragen, wenn die Sonne mal nicht scheint.
Es tut mir aufrichtig leid zu hören, wie es um deine Frau steht. Dass die eigene Familie, auf die man so gehofft hat, dann eher zur Last wird und man sich wie ein Goldesel vorkommt, das ist ein harter Brocken. Ich verstehe jetzt viel besser, warum du dich so in die Details bei der Ernährung oder dem Wasser vertiefst – wenn man um sich herum merkt, wie alles ein bisschen vor die Hunde geht, die Moral, die Nachbarn, die Ämter, dann klammert man sich eben an das, was man noch kontrollieren kann.
Dein Plan mit dem Piemont oder der Nachbargemeinde... weißt du, am Ende ist es egal, ob man mehr oder weniger auf der hohen Kante hat: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich im eigenen Haus nicht mehr zu Hause fühlt, muss man handeln. Ich finde es mutig, dass du laut über eine Rückkehr nachdenkst, auch wenn das bedeutet, getrennte Wege bei den Wohnsitzen zu gehen. Manchmal ist das der einzige Weg, um nicht selbst vor die Hunde zu gehen.
Lass dich von dem ganzen Papierkram und den ignoranten Leuten im Dorf nicht unterkriegen. Dass du dich um die Schule und den Garten kümmerst, zeigt mir, dass dein Herz am rechten Fleck sitzt. Das sind die Dinge, die zählen, auch wenn der Rest der Welt drumherum gerade nur an den eigenen Vorteil denkt.
Ich wünsche dir und deiner Frau viel Kraft für die Entscheidung. Egal wie es kommt, danke, dass du uns hier so tief in dein Leben hast blicken lassen. Das ist mehr wert als jeder Reisebericht.
Benny
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Don Maximo
ThemenstarterVerified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 594
- Registriert: 2. Mai 2015, 01:51
Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
@Chévere, ja, ich halte deine Lösung mit den sechs Monaten für sehr sinnvoll. Bis zum Jahresende können zudem unvorhersehbare Veränderungen als Folge der Präsidentschaftswahlen eintreten (die, wie ich erinnern möchte, Ende dieses Monats stattfinden). Unabhängig vom Ausgang befürchte ich soziale Spannungen und das Risiko zunehmender politischer Gewalt. Ich hoffe, ich irre mich. Bis zum Jahresende können mögliche Entwicklungen deine Bewertung, die um die 50 % schwingt, in die eine oder andere Richtung weiter beeinflussen.
@Max: Wenn es nur um die Verlängerung des Visums ginge, wäre die Diskussion gar nicht erst der Rede wert. Wie aus meinem Beitrag zu entnehmen sein dürfte, geht es um eine viel komplexere Sachlage.
Durch einen Umzug in die benachbarte Gemeinde kann ich zwar einigen Unannehmlichkeiten entgehen, doch die lokale Realität als Ganzes ändert sich dadurch kaum. Bei einer entsprechenden Abwägung sind zudem zwingend die jüngsten sowie die wenig versprechenden Aussichten für die nahe Zukunft auf einer regionalen Ebene zu berücksichtigen. Ich beziehe mich dabei auf die zunehmende Präsenz und Aktivität krimineller Vereinigungen (die durch neue Kooperationen und Synergien zwischen lokalen Gruppen und der ACG expandieren und an Macht gewinnen).
Du fragst mich nach der Finca: Ich habe vor, sie in Kürze zum Verkauf anzubieten, sobald ich einige Dinge geklärt habe.
Stimmt, wir sind nicht weit voneinander entfernt. In Kürze gehe ich jedoch meine Mutter in der Schweiz besuchen und nutze die Gelegenheit, um ein paar bestimmte in Frage kommende Immobilien in Italien zu besichtigen, in der Hoffnung, bei meiner nicht einfachen Entscheidung ein Stück voranzukommen. Was ein Treffen angeht, kann ich nichts versprechen; wenn überhaupt, wäre ich erst nach meiner Rückkehr verfügbar, lasse ich jedoch gerne offen.
@Benny56, danke für die freundlichen Worte.
Ja, ich stelle oft fest, dass Menschen dazu neigen, Themen, die meiner Meinung nach kaum von Bedeutung sind, einseitig hochzuspielen, während sie unangenehme Dinge ignorieren oder verschweigen. Ich glaube, das ist bis zu einem gewissen Grad auch ein Mechanismus der Selbstschutzes.
Mein Engagement und mein Fokus auf bestimmte Themen wie Wasser, Pestizide, Umweltverschmutzung usw. sind weniger eine Flucht, sondern spiegeln vielmehr meine Meinung und Überzeugung wider, dass eine Veränderung hin zu einer nachhaltigeren Umwelt im Interesse aller dringend notwendig ist.
Und ja, in der Küche finde ich diese Ablenkung und diesen Ausgleich, indem ich koche, alte Rezepte und Bräuche wiederentdecke und – leider für mein Gewicht – die Spuren meiner kulinarischen Taten mit Hilfe eines guten Schluckes Wein verschwinden lasse. Das Essen wird dann auch zu einem Akt der Flucht.
Aber ja, du hast Recht: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich nicht mehr wohlfühlt, muss man handeln, und genau das habe ich vor.
@Max: Wenn es nur um die Verlängerung des Visums ginge, wäre die Diskussion gar nicht erst der Rede wert. Wie aus meinem Beitrag zu entnehmen sein dürfte, geht es um eine viel komplexere Sachlage.
Durch einen Umzug in die benachbarte Gemeinde kann ich zwar einigen Unannehmlichkeiten entgehen, doch die lokale Realität als Ganzes ändert sich dadurch kaum. Bei einer entsprechenden Abwägung sind zudem zwingend die jüngsten sowie die wenig versprechenden Aussichten für die nahe Zukunft auf einer regionalen Ebene zu berücksichtigen. Ich beziehe mich dabei auf die zunehmende Präsenz und Aktivität krimineller Vereinigungen (die durch neue Kooperationen und Synergien zwischen lokalen Gruppen und der ACG expandieren und an Macht gewinnen).
Du fragst mich nach der Finca: Ich habe vor, sie in Kürze zum Verkauf anzubieten, sobald ich einige Dinge geklärt habe.
Stimmt, wir sind nicht weit voneinander entfernt. In Kürze gehe ich jedoch meine Mutter in der Schweiz besuchen und nutze die Gelegenheit, um ein paar bestimmte in Frage kommende Immobilien in Italien zu besichtigen, in der Hoffnung, bei meiner nicht einfachen Entscheidung ein Stück voranzukommen. Was ein Treffen angeht, kann ich nichts versprechen; wenn überhaupt, wäre ich erst nach meiner Rückkehr verfügbar, lasse ich jedoch gerne offen.
@Benny56, danke für die freundlichen Worte.
Ja, ich stelle oft fest, dass Menschen dazu neigen, Themen, die meiner Meinung nach kaum von Bedeutung sind, einseitig hochzuspielen, während sie unangenehme Dinge ignorieren oder verschweigen. Ich glaube, das ist bis zu einem gewissen Grad auch ein Mechanismus der Selbstschutzes.
Mein Engagement und mein Fokus auf bestimmte Themen wie Wasser, Pestizide, Umweltverschmutzung usw. sind weniger eine Flucht, sondern spiegeln vielmehr meine Meinung und Überzeugung wider, dass eine Veränderung hin zu einer nachhaltigeren Umwelt im Interesse aller dringend notwendig ist.
Und ja, in der Küche finde ich diese Ablenkung und diesen Ausgleich, indem ich koche, alte Rezepte und Bräuche wiederentdecke und – leider für mein Gewicht – die Spuren meiner kulinarischen Taten mit Hilfe eines guten Schluckes Wein verschwinden lasse. Das Essen wird dann auch zu einem Akt der Flucht.
Aber ja, du hast Recht: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich nicht mehr wohlfühlt, muss man handeln, und genau das habe ich vor.
Virtus Junxit Mors Non Separabit
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coentros
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- Registriert: 22. Juni 2014, 22:59
Apuntes Paisa; Paisa Notizen.
Lieber Don Maximo
Deine Berichte sind eine enorme Bereicherung im Forum. Ich bin Dir sehr dankbar für Deine offenen Worte und schonungslosen Analysen zu vielen Dingen wie Du sie ganz persönlich empfindest. Deine Beschreibungen sind (sehr) schmerzhaft.
Einige Dinge hat man kaum in der Hand. Bei allen Themen die die Gesundheit Deiner Frau betreffen wünsche ich Dir und Euch von ganzem Herzen das Allerbeste. Einige andere, unmittelbare Dinge kann man etwas mehr beeinflussen. Du sprichst viele, die ganz grossen, komplexen Themen an. Neben dem wichtigsten, der Gesundheit und Deiner spezifischen Situation mit Deiner Frau, die Bürokratie vor Ort, die Umweltverschmutzung, das ignorante Verhalten Deiner Mitmenschen bei der Abfallentsorgung, illegales, verantwortungsloses Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Korruption, Geldwäsche, der Umgang mit Geld im weiteren familiären Umfeld. Da kommt einiges zusammen, und mit der Tiefe Deiner Gedanken und Analysen geht es unter die Haut.
Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich all das so nahe an mich heranlassen würde. Das individuelle Rückzugsverhalten ist ein ausgeprägter Trend. Das neudeutsche Wort «cocooning» nicht nur eine zwangsläufige Folge, sondern eine Notwendigkeit. Selber Kochen, zu Hause im trauten Heim, idealerweise mit lieben Menschen um sich herum, ist ein nachgewiesener Glücksfaktor. Genau richtig. Dazu ein guter Wein, richtig genossen, nicht gesoffen, genau richtig. Wobei, in vino veritas, werden die Gedanken nachdem ich Deinen Text wiederholt gelesen haben verstärkt, noch tiefer. Die Nackenhaare stellen sich auf, man kann nur noch mit den Tränen kämpfen. Aber es hat etwas heilsames.
Wenn man sehr lange mit einem Menschen verheiratet ist, ist jeder Tag des bewussten Zusammenlebens ein Glücksfaktor, ein Geschenk ist. Deine ganz spezifische Situation in der Familie kannst nur Du selber beurteilen. Am Ende hat natürlich alles ein Limit.
Bürokratie, Korruption, das Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Geldwäsche...das alles muss man an sich abprallen lassen. Es geht gar nicht anders ! Sagt sich leicht. Jeder Mensch ist hier anders gestrickt, Charakter & Psychologie setzen individuelle Limiten. Aber es gibt doch einen Rahmen in dem man das "abprallen" trainieren kann ohne das ein "ungesundes" Verhalten die Folge ist. Ich arbeite seit langem daran, probiere vieles aus, und es gelingt stetig, immer etwas besser. Man könnte es als Flucht aus der Welt bezeichnen. Eben «cocooning». Ich bezeichne es als Anpassung, was eine evolutionäre Grundbedingung des Überlebens ist. Sonst könnte ich vieles kaum aushalten.
In Kolumbien sieht man viele Dinge eben sehr direkt. Das macht den Hammer so wirkungsvoll. Du hast mit Deinem alternativem Lebensort (oberes Piemont) und Deiner Herkunft (Schweiz) die Messlatte zudem sehr hoch gesetzt. Aber auch dort, und vor allem ausserhalb der Schweiz in Europa, wirken ähnliche Mechanismen auf eine mehr indirekte Weise, die die Welt nur auf den ersten Blick besser erscheinen lassen, aber letztlich ähnliche Konsequenzen haben. Korruption läuft hier in Form von Lobbyismus eben abstrakter ab. Endlos lange juristische Verfahren aufgrund immer komplexerer Regeln sind auch eine Form ausufernder Bürokratie. Recht und Gerechtigkeit...oh je. Das Umweltproblem wird bei uns zum Teil eben exportiert, sei es teilweise der Müll direkt, Kohleimporte aus Kolumbien, oder das Treiben der Rohstoffkonzerne. Die Menge an Mikroplastik die wir täglich zu uns nehmen, unausweichlich überall. EU-Schiffe werden umgeflaggt um sich Fangquoten im Pazifik zu sichern. Die abertausenden Tonnen von Plastikmüll und Elektroschrott nicht nur in Kolumbien, etc etc etc.
Der Hunger der Industrien und Konzerne in China, USA, Europa nach Rohstoffen ist unerschöpflich. Die Auswirkungen sieht man direkt dann z.B. in Kolumbien, Stichwort Kohleabbau El Cerrejon. Auch wenn ich im auf den ersten Blick saubereren Deutschland lebe schmerzt mich denoch gleichermassen der Gedanke wie der Mensch überall, direkt oder indirekt, massiv in über Jahrmillionen entstandene, fein austarierte Gleichgewichte, eingreift und diese zerstört. Dem kann ich auch hier nicht entkommen. Da Artensterben betrifft uns überall.
Die Erde ist überbevölkert und wächst immer weiter. Alle wollen konsumieren, in den emerging markets nicht nur überleben, sondern richtig gut leben. Der Kampf nach Arbeitsplätzen und Jobs überall die Rechtfertigung für allzuviele invasive, künstliche Produkte und massive Überproduktionen, allen voran China. Ich möchte keine dystopischen Szenarien malen. Aber ich sehe nicht wie das langfristig funktionieren soll. "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Von wem auch immer dieser Spruch nun kam.
In beiden völlig unterschiedlichen Orte, Kolumbien oder Piemont, kann ich den grossen Mechanismen nicht entkommen. Man wird sich an das viele Unerfreuliche, dessen Lauf ich nicht sehe wie er aufzuhalten ist, anpassen müssen, oder man leidet sehr. Am Ende zuviel.
Da ich mit meiner Frau auch vor einer grossen Entscheidung stehe, wo wir unseren Ruhestand verbringen, bin ich Dir nochmals unglaublich dankbar für die tiefen Einblicke die Du uns mit Deinen ausführlichen Beschreibungen gewährst.
Für Deine schwierigen Entscheidung(en) wünsche ich Dir das allerbeste und drücke alle Daumen !
Deine Berichte sind eine enorme Bereicherung im Forum. Ich bin Dir sehr dankbar für Deine offenen Worte und schonungslosen Analysen zu vielen Dingen wie Du sie ganz persönlich empfindest. Deine Beschreibungen sind (sehr) schmerzhaft.
Einige Dinge hat man kaum in der Hand. Bei allen Themen die die Gesundheit Deiner Frau betreffen wünsche ich Dir und Euch von ganzem Herzen das Allerbeste. Einige andere, unmittelbare Dinge kann man etwas mehr beeinflussen. Du sprichst viele, die ganz grossen, komplexen Themen an. Neben dem wichtigsten, der Gesundheit und Deiner spezifischen Situation mit Deiner Frau, die Bürokratie vor Ort, die Umweltverschmutzung, das ignorante Verhalten Deiner Mitmenschen bei der Abfallentsorgung, illegales, verantwortungsloses Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Korruption, Geldwäsche, der Umgang mit Geld im weiteren familiären Umfeld. Da kommt einiges zusammen, und mit der Tiefe Deiner Gedanken und Analysen geht es unter die Haut.
Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich all das so nahe an mich heranlassen würde. Das individuelle Rückzugsverhalten ist ein ausgeprägter Trend. Das neudeutsche Wort «cocooning» nicht nur eine zwangsläufige Folge, sondern eine Notwendigkeit. Selber Kochen, zu Hause im trauten Heim, idealerweise mit lieben Menschen um sich herum, ist ein nachgewiesener Glücksfaktor. Genau richtig. Dazu ein guter Wein, richtig genossen, nicht gesoffen, genau richtig. Wobei, in vino veritas, werden die Gedanken nachdem ich Deinen Text wiederholt gelesen haben verstärkt, noch tiefer. Die Nackenhaare stellen sich auf, man kann nur noch mit den Tränen kämpfen. Aber es hat etwas heilsames.
Wenn man sehr lange mit einem Menschen verheiratet ist, ist jeder Tag des bewussten Zusammenlebens ein Glücksfaktor, ein Geschenk ist. Deine ganz spezifische Situation in der Familie kannst nur Du selber beurteilen. Am Ende hat natürlich alles ein Limit.
Bürokratie, Korruption, das Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Geldwäsche...das alles muss man an sich abprallen lassen. Es geht gar nicht anders ! Sagt sich leicht. Jeder Mensch ist hier anders gestrickt, Charakter & Psychologie setzen individuelle Limiten. Aber es gibt doch einen Rahmen in dem man das "abprallen" trainieren kann ohne das ein "ungesundes" Verhalten die Folge ist. Ich arbeite seit langem daran, probiere vieles aus, und es gelingt stetig, immer etwas besser. Man könnte es als Flucht aus der Welt bezeichnen. Eben «cocooning». Ich bezeichne es als Anpassung, was eine evolutionäre Grundbedingung des Überlebens ist. Sonst könnte ich vieles kaum aushalten.
In Kolumbien sieht man viele Dinge eben sehr direkt. Das macht den Hammer so wirkungsvoll. Du hast mit Deinem alternativem Lebensort (oberes Piemont) und Deiner Herkunft (Schweiz) die Messlatte zudem sehr hoch gesetzt. Aber auch dort, und vor allem ausserhalb der Schweiz in Europa, wirken ähnliche Mechanismen auf eine mehr indirekte Weise, die die Welt nur auf den ersten Blick besser erscheinen lassen, aber letztlich ähnliche Konsequenzen haben. Korruption läuft hier in Form von Lobbyismus eben abstrakter ab. Endlos lange juristische Verfahren aufgrund immer komplexerer Regeln sind auch eine Form ausufernder Bürokratie. Recht und Gerechtigkeit...oh je. Das Umweltproblem wird bei uns zum Teil eben exportiert, sei es teilweise der Müll direkt, Kohleimporte aus Kolumbien, oder das Treiben der Rohstoffkonzerne. Die Menge an Mikroplastik die wir täglich zu uns nehmen, unausweichlich überall. EU-Schiffe werden umgeflaggt um sich Fangquoten im Pazifik zu sichern. Die abertausenden Tonnen von Plastikmüll und Elektroschrott nicht nur in Kolumbien, etc etc etc.
Der Hunger der Industrien und Konzerne in China, USA, Europa nach Rohstoffen ist unerschöpflich. Die Auswirkungen sieht man direkt dann z.B. in Kolumbien, Stichwort Kohleabbau El Cerrejon. Auch wenn ich im auf den ersten Blick saubereren Deutschland lebe schmerzt mich denoch gleichermassen der Gedanke wie der Mensch überall, direkt oder indirekt, massiv in über Jahrmillionen entstandene, fein austarierte Gleichgewichte, eingreift und diese zerstört. Dem kann ich auch hier nicht entkommen. Da Artensterben betrifft uns überall.
Die Erde ist überbevölkert und wächst immer weiter. Alle wollen konsumieren, in den emerging markets nicht nur überleben, sondern richtig gut leben. Der Kampf nach Arbeitsplätzen und Jobs überall die Rechtfertigung für allzuviele invasive, künstliche Produkte und massive Überproduktionen, allen voran China. Ich möchte keine dystopischen Szenarien malen. Aber ich sehe nicht wie das langfristig funktionieren soll. "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Von wem auch immer dieser Spruch nun kam.
In beiden völlig unterschiedlichen Orte, Kolumbien oder Piemont, kann ich den grossen Mechanismen nicht entkommen. Man wird sich an das viele Unerfreuliche, dessen Lauf ich nicht sehe wie er aufzuhalten ist, anpassen müssen, oder man leidet sehr. Am Ende zuviel.
Da ich mit meiner Frau auch vor einer grossen Entscheidung stehe, wo wir unseren Ruhestand verbringen, bin ich Dir nochmals unglaublich dankbar für die tiefen Einblicke die Du uns mit Deinen ausführlichen Beschreibungen gewährst.
Für Deine schwierigen Entscheidung(en) wünsche ich Dir das allerbeste und drücke alle Daumen !


