Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

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Tenere-wue
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Tenere-wue »

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Servus Gordito, Dankeschön für die Berichte. Leider hat Kolumbien gegen die Eidgenossen verloren. Mir ist aufgefallen das hier in Cartago deswegen die Stimmung nicht so toll war. Aber das Leben geht weiter. Gordito, nun haben wir schon zwei Sachen gemeinsam. Cartago und der Umzug. Ich freue mich drauf mit dir ein Feierabend Bier zu trinken. Bis bald und liebe Grüße in die Runde.
-vive tu sueno !
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!

Meine Frau und ich hatten in den letzten Wochen viel zu tun, daher gab es eine “Sendepause”.

DIAN
Ich sehe immer zu, daß ich Ende Juni alle Dokumente für unseren Steuerberater beisammen habe. Anfang Juli sind wir dann zu ihm nach Pereira gefahren und haben ihm die Unterlagen übergeben. Ein paar Tage später wollte er noch einige wenige Kopien haben, die haben wir ihm per whatsApp geschickt. Hier geht das alles recht einfach. Ende Juli bekam ich dann von der Behörde Post per E-Mail. So läuft das hier, nix Briefpost.

In der letzten Woche haben wir uns erneut mit ihm in Pereira getroffen und ihn bezahlt. Er übergab und die Bescheide für das Jahr 2025 für mich und für meine Frau. Hier wird jeder vom Finanzamt einzeln bedient, eine gemeinsame Veranlagung gibt es nicht.
Ich bin zwar verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, aber Einkommensteuer müssen weder meine Frau noch ich bezahlen, dazu sind wir dann doch zu arm.

Wenn ich in drei Jahren meine Einbürgerung beantragen werde, müssen alle Dokumente dafür “wasserdicht” vorliegen, die Steuererklärungen werden bestimmt auch verlangt, denke ich.

Nach dem Treffen mit unserem Steuerberater haben wir noch drei Verwandtenbesuche absolviert. Als wir wieder mit dem Rumpelbus nach Cartago kamen, waren wir völlig fertig. Um halb neun bin ich in Bett gekrochen. Licht aus, gute Nacht.



EURO
Im August des letzten Jahres erhielt man für einen Euro noch 4.700 kol. Pesos. Das ist vorbei und wird so schnell auch nicht wieder kommen, wenn überhaupt. Die Gründe kann man sich von jeder KI wie Grok nennen lassen.
Derzeit liegt der Kurs bei 3.600 COP für einen Euro, Tendenz: fallend.
Daher können wir uns auch nicht mehr alle Wünsche unmittelbar erfüllen, manches muß warten, weil der Betrag erst angespart werden muß.
Das gilt auch für mein neues Visum im November, dafür müssen wir 3 Mio. COP (823 Euro) bereit stellen. Ja, das geht, aber viel bleibt dann nicht mehr übrig für das Sparschwein meiner Frau bei der “Bank der Frau”.

Würden wir bei einer Rückkehr nach Spanien oder Deutschland wirtschaftlich besser dastehen?
Ein klares: Nein. In Fuenlabrada hat meine Frau im Monat 700 Euro Miete bezahlt, ohne Nebenkosten.
In Deutschland, was für uns eh nie in Frage kam, wird es derzeit kaum günstiger sein. Subventionen aus Sozialkassen würde ich eh nicht erhalten.
Hier in Cartago ist unser Haus bezahlt, die laufenden Kosten stemmen wir ohne Einschränkung unserer Lebensqualität, da wir auf Luxusprodukte verzichten und unsere Mobilität bezahlbar ist. Ein eigenes Auto rückt zwar derzeit in die Ferne, aber wir kommen mit Roller und Rumpelbus dahin, wohin wir wollen. Den meisten Kolumbianern geht es ja auch nicht anders.


HOME SWEET HOME
Letztes Jahr haben wir bei einem Sonderangebot im Alkosto zugeschlagen: ein 65 Zoll TV gab es zum Sonderpreis. Das hängt seit gestern an der Wand, umrahmt von einem entsprechenden Möbelstück und Deko, die meine Frau ausgesucht hat. Uns gefällt es sehr gut. Die Arbeit haben zwei Neffen meiner Frau ausgeführt. Sie haben gewissenhaft gearbeitet, Pfusch wollten sie ihrer Tante nicht abliefern.
Für mich bedeutet das, heute Nachmittag rüberfahren, aufräumen und den Kühlschrank wieder mit Cola, Wasser und Bier auffüllen.

Gestern am Nachmittag gab es lieben Besuch: Tenere-wue und Ehefrau. Wir saßen gerade alle trocken auf der Veranda, als das Unwetter losbrach. Unser Häuschen hat nichts abgekriegt, aber in dem Haus, in dem wir noch wohnen, stand Wasser in einem Raum. Meine Frau hatte eine halbe Stunde lang gut zu tun.
Die Bäckerei Milonga in der vierten Straße hat es arg getroffen.
Einige alte, ärmliche Gebäude in Cartago haben jetzt kein Dach mehr, wie mir meine Frau auf Instagram zeigte. Verletzt worden ist aber niemand, soweit ich das weiss.

SOPA MONDONGO
Neulich nahm meine Frau an einem Wochenendseminar ihrer Kirche teil. Samstag und Sonntag ganztägig.
Für mich alleine Kochen? Nein.
Also fuhr ich zu dem kleinen Restaurant, in dem wir gelegentlich mittags essen. Es hat auch sonntags geöffnet. Dafür ist montags zu.
Als Vorsuppe gab es zwei Suppen, eine davon nennt sich Sopa Mondongo. Das kannte ich noch nicht, das klingt nach Urwald, nach Abenteuer, das will ich ausprobieren.
In der Küche wird man sich gedacht haben: der Gringo spinnt. Bestellt sich Sopa Mondongo und lässt das beste zurückgehen.
Das “Beste“ sind Hautstücke vom Huhn, Größe 2x2 cm in der Nudel- oder Reissuppe.
Ich weiss jetzt, was Sopa Mondongo ist und ich weiss: einmal und nie wieder.


Wir haben Trockenzeit. Gestern hat es seit vielen Tagen zum ersten Mal wieder geregnet, aber heftigst.
Der Wetterbericht für die kommende Woche sieht wieder Temperaturen bis 36 Grad nachmittags vor. Entsprechend viel Wasser wird dann bis zum Nachmittag verdunstet. Wenn dann ab 4 p.m. die Sonne sinkt, ist die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich hoch. 32 Grad und 70% rel. Feuchte, da schwitzt du schon im Sitzen.

Es wird Zeit, daß der Monteur für die Installation der Klimaanlage kommt, die wir für unser Schlafzimmer gekauft haben. Ohne wird’s nix mit dem Schlafen.

Und jetzt macht sich meine Frau fertig für ihren Kirchgang. Ich setze sie dort ab, dann flitze ich zu Yeison für ein Paket “agua con gas” und das geht direkt in Richtung Villa Juliana in die Kühlung.

Blauer Himmel, Sonnenschein und bereits 29 Grad. Am Nachmittag 35 Grad in der Wettervorhersage. Ich bin froh, daß die Veranda unseres Häuschens überdacht ist und im Schatten der Bäume liegt.
So, ihr wisst jetzt, was Sopa Mondongo ist und daß es uns prächtig geht.

Übrigens hat der Klub der Deutschen hier in der Region jetzt einen Rentner mehr. Ein pensionierter Lufthansa – Mitarbeiter ist dauerhaft hier gelandet. Bienvenidos!

Herzliche Grüße an alle in Nah und Fern!

gordito54

winni73
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von winni73 »

:) :) sopa Modongo... ohne Worte, ich weiß was du meinst. In der Familie meiner Frau ist das ein absolutes muss!!! Ich kann gerne drauf verzichten :)
Cartago ist durchaus heiß, war erst einmal da zu Besuch, aber könnte mit vorstellen nochmal dahin zu kommen.
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

:lol: :lol: Sopa Modongo kennt glaube ich jeder der einmal in Kolumbien war. Für mich gilt das selbe wie für dich einmal probiert und das war es auch.
Es ist schön zu lesen, das es euch gut geht. Bleibt Gesund und genießt die eure gemeinsame Zeit.
In drei Wochen bin ich auch wieder in Kolumbien, abe nur für einen Urlaub. Rente dauert bei mir noch einiges.
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!

Heute wird die Klimaanlage in unserem Häuschen installiert, daher habe ich Zeit für das Forum.

TERREMOTO (Wie wir es erlebten)
Gestern (10.08.26) bin ich bereits um 7 Uhr in Richtung Badezimmer marschiert. Meine Gute schlief noch.
Kurz vor halb acht war ich fertig angezogen und habe mich um den Morgenkaffee gekümmert.
Als ich den kurz nach halb acht meiner Frau ans Bett brachte (wie jeden Morgen) hörten wir ein Grummeln, das wir so noch nie gehört hatten, wußten aber nicht woher es kommt.

Sekunden später schalteten unsere Telefone die Erdbeben-Alarm-App ein. Meine Frau war mit einem Satz aus dem Bett und rief: Terremoto! (Erdbeben)
Schon begann sich der Boden unter uns zu bewegen, noch nicht dramatisch, aber sehr deutlich spürbar. Wir sprinteten zur Haustür.

Es ist gar nicht so einfach, den Schlüssel ins Türschloss zu stecken, wenn du den Schlüssel ruhig in der Hand hältst, sich die Tür aber bewegt.
Tür auf!
RAUS!

Wir stehen auf der Straße. Die Nachbarn stürzen aus ihren Häusern.
Verstört, Angst im Gesicht.

Die Straße unter uns bewegte sich pausenlos immer stärker. Das habe ich so noch nie erlebt. Dein Oberkörper ist ruhig, aber die Straße bewegt deine Beine. So, als ob du auf der Kirmes auf einer rotierenden Scheibe stehst, die auch noch exzentrisch gelagert ist. Mehr als einmal wäre ich fast gestürzt.

Ein junger Mann setzt sich schonmal hin. Die Strommasten schwanken stark, die Leitungen schlagen aneinander. Man muß befürchten, daß die Masten umfallen.

Meine Frau beginnt zu Beten. Andere Weinen. Familien halten sich umarmt.

10 Sekunden hat das einsetzende Beben gedauert, weitere 30 Sekunden auf der Straße gab es die starken Erdstöße. Nach dem Ablauf von weiteren gefühlten 20 Sekunden wurden sie dann geringer.

Nach einer gefühlten Minute war es also vorbei.

STILLE. SCHLUCHZEN.

Wir sehen uns um.

Die Strommasten standen noch, die Leitungen hingen auch noch dran. Die Häuser standen auch noch, keine Fassade war heruntergefallen. Keine sichtbaren Schäden. Wir sehen keine verletzten Nachbarn.

Wir schauten von der anderen Straßenseite auf das Haus, in dem wir noch wohnen. Die kleine Wohnung im ersten Stock war noch da. Aus der offenen Haustüre kam keine Staubwolke. Das Dach war auch noch da, wo es sein sollte.

Wir treten ein.

Deko ist umgefallen, OK, wenn es das nur ist. Es riecht NICHT nach Gas. Man hört kein Wasser sprudeln, die Böden sind trocken.

Wir drehen den Wasserhahn auf, es kommt sauberes Trinkwasser raus. Das ist gut, kein Wasser wäre schlimm. Gas? Der Gasherd funktioniert, also können wir kochen. Gut.

Strom? Nix. War ja zu erwarten. Ob das diesmal lange dauert? (Am gleichen Tag war die Versorgung um 13.30 Uhr wieder da).

Wir prüfen auf weitere Schäden. Gibt es Risse, ist Putz von der Wand gefallen? Nichts, alles wie immer.

RADIO AN!

Die lokalen UKW-Stationen haben das Programm sofort unterbrochen und berichten über die aktuelle Lage. Was für eine Leistung, sowas aus dem Stand auf die Beine zu stellen!
Die Rede ist von einem Beben der Stärke 6,4. Einige Gebäude sollen beschädigt sein, aber man weiss noch nichts genaues. Wir bleiben auf Empfang.

Internet und TV sind verfügbar. Ich warte darauf, daß das Mobilfunknetz kollabiert. Nein, es ist überlastet, aber es funktioniert.

Meine Frau ruft ihre Schwestern an. Allen ist nicht passiert. Auch scheinen ihre Häuser noch zu stehen. Unser eigenes Häuschen auch? Ich weiss es nicht.

Ich beschließe, mit meiner Frau hier in Sicherheit zu bleiben. Wir wissen nicht, ob die Straßen zu unserem Haus überhaupt noch befahrbar sind.

Die Haustüre bleibt auf, es kann Nachbeben geben. Wir sind sprungbereit nach draußen ins Freie.

Den Vormittag verbringen wir so, meine Frau bereitet dann das Mittagessen vor. Wir werden ruhiger.

Die Meldungen im Radio lassen für Manizales, Armenia und vor allem für Pereira schlimmstes befürchten.

Die ersten Filmchen über das Naturereignis werden in den Netzen verteilt. Schlimm, das ist eine landesweite Katastrophe.

Wir es mit uns weiterging, lest ihr morgen.

Herzliche Grüße aus Cartago/Valle

gordito54

Max
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Max »

wenigstens was positives von euch freut mich.
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

Danke das Du dich meldest und danke für deinen Bericht. Ich freue mich das es Euch soweit gut geht und ihr das Erdbeben gut überstanden habt.