Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert


Nico
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Nico »

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Immer wieder danke ich dir für deine Informationen. Es macht mir großen Spaß, sie zu lesen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es deiner Frau dort, wo ihr aktuell lebt, besser gefällt als in einem sogenannten "Conjunto Cerrado", zumal du mit deiner Miete dem Sohn das Haus bezahlst.

Was ich jedoch nicht ganz verstehe, ist, wie du einen Park in der Kleinstadt, in der du lebst, als Kontrast zu den deutschen Innenstädten des Ruhrgebiets oder dem Frankfurter Bahnhofviertel heranziehst. Dass die Kolumbianer fast immer besser gekleidet sind als wir deutschen Besucher, ist mir schon lange aufgefallen und hat wenig mit den erwähnten Verhältnissen im Park zu tun.

Bitte verstehe dies nicht als Kritik, ich wollte es nur erwähnen. Bleib, wie du bist, und genieße dein Leben und danke, dass du uns daran teilhaben lässt.
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Tenere-wue
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Tenere-wue »

Hallo Gordito, danke für die Berichte. Es ist immer wieder schön deine Erlebnisse nachzulesen. Ich genieße es ebenfalls im parque lineal zu sein. Kennst du den Empandaladen an der Ecke? Nebendran, da wo der Treppenaufgang ist gibt es den leckersten Kumis von Cartago. Und wenn die Dame den Nusskuchen hat, unbedingt probieren. Liebe Grüße aus FFM
-vive tu sueno !

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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Guten Morgen aus Cartago!
Erstmal danke ich für die netten Rückmeldungen, da macht das Weiterschreiben Freude.

Podologica:
Alle 4-5 Wochen gehe ich in das "Casa del pie" zur Fußpflege durch eine ausgebildete Podologin. So auch in dieser Woche. Die Prozedur dauert 30-45 Minuten, je nach Aufwand. Ich zahle 80.000 COP (18 Euro). Ich halte das für angemessen. Auch hier gilt wie im Schuhladen: Schuhlöffel selber mitbringen.

Im Schuhgeschäft:
Meine Frau hatte sich in einem der Schuhgeschäfte im Zentrum ein Paar Sandalen gekauft. Weil sie ihr gut gefallen haben, wollte sie dort ein weiteres Paar erstehen. Leider war das Modell schon ausverkauft. Aber mir habe ich ein Paar leichte Sommerschuhe für 75.000 COP (17 Euro) zugelegt.
Nach einer Woche löste sich die Sohle des rechten Schuhes. Zurück ins Geschäft. Die Verkäuferin meinte, auf Schuhe gäbe es keine Garantie. Bevor ich tief Luft holen konnte, wollte meine Frau mit der Inhaberin sprechen. Also drei Geschäfte weiter gegangen, dort war die Inhaberin recht verständig. Ich konnte ein neues Paar Schuhe mitnehmen. Marke: H2O. Statt Kleber müssen sie in der Fabrik auch mit Wasser geklebt haben, denn nach 2 Wochen löste sich die erste Sohle. Da ich es Leid war, wieder zu reklamieren, habe ich mir beim mercado libre eine Tube Schuhkleber besorgt. Die Tube ist jetzt leer, die Schuhe sitzen. Der Laden sieht mich nie wieder.

In einer Nebenstraße an der Kirche San Jeronimo gibt es zahlreiche Geschäfte mit Damenoberbekleidung. Meine Frau kauft dort gerne ein. in dieser Zeit sitze ich lieber im Park gegenüber der Kirche und trinke Kaffee.
Genau in dieser Straße gibt es auch einen Herrenausstatter. Ich habe mir die Auslagen angesehen und bin sehr angetan von dem Angebot. Von Schuhen über Gürtel und sonstige Lederwaren bis Shirts und Hosen ist alles da. Ich zahle für eine gute Qualität gerne deutlich mehr, wenn die Qualität auch stimmt. Bei den Marken, die ich in Deutschland gekauft habe, war das ja auch der Fall. Ich war immer gut bedient.

In der Sattlerei:
Richtig gelesen! Wir waren gestern im Zentrum, da ich eine Visitenkarte von einem Lederwarengeschäft erhalten hatte, das Ledergürtel in verschiedenen Farben führen soll. Für eine weinrote Hose und eine senffarbene Hose wollte ich je einen farblich passenden Gürtel erwerben. Das kleine Geschäft hatte aber leider keine Ledergürtel im Sortiment. Also sind wir unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Ein paar Straßen weiter sind wir zufällig auf eine Sattlerei gestoßen. Dort werden Sättel und andere Lederwaren in Handarbeit hergestellt. Zwei farblich passende Gürtel waren bald gefunden, sie mußten nur gekürzt werden. Einen haben wir direkt mitnehmen können, den anderen holt meine Frau am Montag nach ihrem Informatikkurs ab, der in unmittelbarer Nachbarschaft stattfindet. Ich habe mir noch eine kleine Umhänge-Ledertasche für das Portemonnaie und
Dokumente ausgesucht. Sie entspricht in Farbe und Qualität dem, was ich mir vom Label "p....de and s..l" bereits in Deutschland zugelegt hatte. Teuer, aber unkaputtbar. Hergestellt für "good old england" in Indien. Ich habe insgesamt 550.000 COP (124 Euro) auf den Tisch gelegt. Man kann natürlich auch etwas aus Kunststoff im Chinaladen neben unserer Hausbank am parque Bolovar kaufen, die Lebensdauer der Reißverschlüsse ist aber nicht hoch. Dann lieber gute Handarbeit aus der Sattlerei.

Pech gehabt:
In dieser Woche fiel ein Stück Mauerwerk eines Hauses auf eine der Schwestern meiner Frau beim Vorbeigehen. Zum Glück ist sie nicht schwer verletzt worden, wenngleich das hätte auch tödlich ausgehen können. Sie ist mit der Ambulanz in die Clinica gefahren worden und wurde dort stationär behandelt. Vorgestern wurde sie entlassen, aber gestern wieder eingeliefert. Was war geschehen?
Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Eckhaus in einem Viertel, in dem ich nicht begraben sein möchte. Ein Chico war mit seinem leichten Motorrad nicht nur angetrunken, sondern auch noch zu schnell. Er hat die Kurve nicht gekriegt und die Schwester meine Frau im Haus in ihrer Küche umgefahren. Diesmal also nicht nur Ambulanz sondern auch noch policia. Ich hoffe, er kriegt ordentlich was auf die Hörner, die Strafen bei Fahren unter Alkohol sind hier deftig, wie wir in dieser Woche in der Fahrschule gelernt haben.
Wir hoffen, sie kommt in den nächsten Tagen wieder aus der Klinik. Gestern hat meine Frau sie mit zwei weitern ihrer Schwestern besucht, die Arme.

Fahrschule:
Der Fahrlehrer hat in dieser Woche gewechselt, ein neues Gesicht. Wir waren wieder Mittwoch, Donnerstag und Freitag je von 4-6 p.m. dort. Diese Woche keine Quiz, aber Videofilmchen und Vortrag. Jetzt ist ein Drittel der Pflichtsunden rum. Das Lernen findet allerdings weiterhin zu Hause statt. Wer das nicht macht, dürfte es bei eine wie auch immer angelegten Prüfung schwer haben. So, wie ich es mache, klappt es gut. Einige wenige der Antworten auf die Fragen scheinen mir schlichtweg falsch zu sein. Ich werde den Fahrlehrer nächste Woche mal dazu befragen. Wir haben es nicht eilig.

Gestern beim Mittagessen:
Es gibt im Zentrum eine Straße mit Geschäften für Baustoffe. Darin liegt ein Restaurant, das völlig unscheinbar ist. Die Inhaberin führt den Laden in dritte Generation. Sie kennt meine Frau von Kindesbeinen an. Wir gehen dann immer dorthin, wenn meine Frau einen einheimischen Fisch essen möchte.
An den Tischen bist du nie allein, es sitzen immer andere Personen mit am Tisch. Der Laden ist täglich am Mittag brechend voll.
Gestern setze sich ein Chico neben mich, der offenbar ein Drogenproblem hat. Nicht nervös, sondern fahrig, die Hände immer in sinnloser Aktion. Alle Minute stand er auf, kam aber bald wieder. Als er Textnachrichten in sein smartphone tippte, wurde meine Frau unruhig. Sie hat -nicht ohne Grund- befürchtet, daß wir beim Verlassen das Lokales von seinen Kumpanen ausgeraubt werden. Das Essen war von toller Qualität, wie immer. Das chuleta war groß wie ein Wiener Schnitzel und hat auch so gut geschmeckt. Eine Essen hat meine Frau ihrer Schwester ins Krankenhaus mitgenommen. Ich habe für drei Essen 56.000 COP (12,63 Euro) hingelegt. Wir blieben beim Verlassen des Lokales unbehelligt. Mir ist bei Gladys wohler, denn das Publikum ist bekannt.

Wenn es heute Abend trocken bleibt, werden wir wohl nochmal den Parque Lineal zum Spazierengehen aufsuchen, das hat uns Freude gemacht und mir hat die Ärztin Bewegung verordnet. Zudem haben wir dort ein Speiselokal gefunden, das auf uns einen guten Eindruck gemacht hat. Wir werden es mal ausprobieren.

Meine Frau kommt gleich aus der Kirche, es wird Zeit in die Küche zu wechseln.

Herzliche Sonntagsgrüße an alle aus Cartago(Valle
gordito54

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Guten Morgen aus Cartago/Valle!
Heute habe ich folgende Themen ausgesucht:

NERVENSÄGEN:
Wir haben kein Vordach mit Zaun vor unserem Haus. Daher stehen gefühlt 5x täglich folgende Figuren am vergitterten Fenster: Jehovas Zeugen, Bettler, Drückerkolonnen und Mülltütenverkäufer. Besonders schlimm ist es im Dezember, da sie alle auf milde Gaben oder einen Verkauf hoffen.
Eine Frau wollte uns Würstchen in Plastikfolie aus dem Kühlregal der Supermärkte verkaufen, die sie in einer Tasche bei sich trug. Natürlich ungekühlt.
Der nächste lies sich am späten Abend nicht abweisen. Er wollte drei Euromünzen in COP tauschen. Woher wußte der Vogel, wo wir wohnen???

Fliegende Händler bieten lautstark mit und ohne Lautsprecherunterstützung an:
Mango, Avocado, Tomaten, Coca-Cremes, Mazamora, Softeis und tatsächlich(!) frischen, gekühlten Fisch.

Ausdrücklich ausnehmen von diesen Truppen will ich unseren Recyclingbeauftragten. Als er neulich mittags an der Tür stand, hat ihn meine Frau zum Essen mit uns hereingebeten. Richtig so! Jesus hätte es auch nicht anders gemacht.

FAHRSCHULE:
Nun haben wir über die Hälfte der Theoriestunden geleistet. Ich übe wochentäglich Fragen und Antworten aus dem Fragenkatalog, meine Frau beschränkt sich auf die Besuche der Fahrschule. Ich bin wirklich gespannt, wie das ausgeht. Gestern waren wir bei der Vertretung des japanischen Herstellers unseres Motos. Es soll wohl zur Monatsmitte kommen. Wir haben Zeit, denn ohne Führerschein wird's nix mit dem Fahren.

BAUMPFLEGE:
Als die Regenfälle nach der monatelangen Trockenheit einsetzten, explodierte die Natur förmlich. Was vertrocknet war, war innert 2 Wochen wieder grün. Die Bäume hier in der Straße haben keinen Schaden durch die Trockenheit genommen. Mit dem Regen haben sie kräftig neue Triebe gebildet. Da war dann ein Baumschnitte fällig. In fast allen Fällen hat man sich für einen handbetätigten Schnitt mit der Heckenschere entschlossen, um der Krone eine Form zu geben. Die Bäume haben einen schlanken braunen Stamm und sind 3-4 m hoch. Pro Baum braucht man für diese Prozedur einen Tag. Das Ergebnis lässt sich sehen. Nur der Betreiber des Ladens an der Ecke hat den Baum mit der Machete bearbeitet, so hoch wie er mit den Armen vom Boden aus kam. Die Krone blieb beim Wildwuchs. Der Besitzer des Häuschens am Anfang der Straße hat rechts und links neben dem von ihm gestutzten Baums auch noch je einen LKW-Reifen auf den Gehweg gelegt. Erde rein, einen bunt blühenden Strauch rein und fertig ist ein netter Anblick mit einfachen Mitteln.

FUSSBALL:
Die Euro-Meisterschaft wird hier teilweise im Bezahlfernsehen angeboten. Das Interesse ist verhalten, wie alles, was Europa ausmacht. Gestern spielte aber im Rahmen der amerikanischen Meisterschaft (das ist das Gegenstück zur EURO24) Kolumbien gegen Panama in den USA. 5:0, die Stimmung hierzulande war prächtig. Im Nebenhaus lief die Partie im offenen TV beim Bingo-Nachmittag mit. Die Damen waren auch daher gut gelaunt.

DEUTSCHE IN DER NACHBARSCHAFT:
Wir sind dabei, einen Kontakt zu einer Handvoll Deutscher zu suchen, die entweder hier oder in Pereira oder Armenia leben. Dabei ist auch der tschechische Metzger mit deutschen Meisterbrief. Seinen Laden im Centro Comercial nahe Pereira, wo er auch mit seiner Familie lebt, hat er allerdings aufgeben, nachdem die Ladenmiete durch die Wolken ging. Verständlich. Mal sehen, was daraus wird.

Es ist viertel vor zwölf, ich muß das Wasser aufsetzen. Heute gibt es Gazpacho, danach italienische Spaghetti mit einer Tomatensoße und Meeresfrüchten. Dazu ziehe ich mich schnell um, im weißen Poloshirt Kochen ist eher schlecht.

Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
gordito54

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