Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

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Chévere
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Apuntes Paisa; Paisa Notizen.

Beitrag von Chévere »

⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Don Maximo, obwohl ich Kolumbien schon über 35 Jahren kenne und immer wieder bereise, 2x im Jahr, und dass ich vieles von dem was du geschrieben hast kenne, hast du mir die Augen geöffnet. Ich bin in der Situacion, an dem ich mich im Dezember entscheiden muss. Mit deinem Bericht bin ich wieder unter die 50% hinuntergesunken und ich muss mir eingestehen, dass es wirklich so ist wie du es geschrieben hast und ich mich nicht auf dieses Abenteuer einlasse. Ich werde mal als Tourist imigrieren für ein halbes Jahr und dann wieder zurück in die Schweiz gehen, dann wieder so bis wir uns dann wirklich mal entscheiden können. Mich graut es, von dem was du alles geschrieben hast, denn es ist wirklich so. Und ich denke, mir würde es genau so ergehen wie dir. Darum werde ich den Versuch mit dem halben Jahr starten, und dann vielleicht nochmals und dann entscheiden oder vorläufig immer so machen wenn es dann die Gesundheit zulässt.
Chévere
Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

Max
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Beitrag von Max »

Servus Don Maximo ,das schlimmste hast Du ja hinter Dir mit dem Papierkram , klar mußt Du dein M-Visa verlängern aber dies sollte ja nicht so kompliziert sein. Der Umzug in die Nachbargemeinde scheint eine gute Lösung zu sein, aber was machst Du mit der Finca. Vielleicht können wir uns mal treffen, denke mal das wir in der gleichen Ecke wohne, ich wohne in der Nähe von Retiro. Alles Gute bei deiner Entscheidung Max

Benny56
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Beitrag von Benny56 »

Hallo Don Maximo,

ich habe deine Zeilen jetzt mehrfach gelesen. Erst den "versteckten" Teil im anderen Beitrag, der an mich gerichtet war, und jetzt deinen langen Bericht. Ich muss das erst mal sacken lassen.

Eigentlich wollte ich dir nur für die ehrlichen Worte danken. Hier im Forum wird oft so viel über die schönen Seiten geschrieben, über den Lachs und das Klima, aber du hast jetzt mal das ausgesprochen, was viele von uns im Stillen mit sich rumtragen, wenn die Sonne mal nicht scheint.

Es tut mir aufrichtig leid zu hören, wie es um deine Frau steht. Dass die eigene Familie, auf die man so gehofft hat, dann eher zur Last wird und man sich wie ein Goldesel vorkommt, das ist ein harter Brocken. Ich verstehe jetzt viel besser, warum du dich so in die Details bei der Ernährung oder dem Wasser vertiefst – wenn man um sich herum merkt, wie alles ein bisschen vor die Hunde geht, die Moral, die Nachbarn, die Ämter, dann klammert man sich eben an das, was man noch kontrollieren kann.

Dein Plan mit dem Piemont oder der Nachbargemeinde... weißt du, am Ende ist es egal, ob man mehr oder weniger auf der hohen Kante hat: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich im eigenen Haus nicht mehr zu Hause fühlt, muss man handeln. Ich finde es mutig, dass du laut über eine Rückkehr nachdenkst, auch wenn das bedeutet, getrennte Wege bei den Wohnsitzen zu gehen. Manchmal ist das der einzige Weg, um nicht selbst vor die Hunde zu gehen.

Lass dich von dem ganzen Papierkram und den ignoranten Leuten im Dorf nicht unterkriegen. Dass du dich um die Schule und den Garten kümmerst, zeigt mir, dass dein Herz am rechten Fleck sitzt. Das sind die Dinge, die zählen, auch wenn der Rest der Welt drumherum gerade nur an den eigenen Vorteil denkt.

Ich wünsche dir und deiner Frau viel Kraft für die Entscheidung. Egal wie es kommt, danke, dass du uns hier so tief in dein Leben hast blicken lassen. Das ist mehr wert als jeder Reisebericht.

Benny
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

@Chévere, ja, ich halte deine Lösung mit den sechs Monaten für sehr sinnvoll. Bis zum Jahresende können zudem unvorhersehbare Veränderungen als Folge der Präsidentschaftswahlen eintreten (die, wie ich erinnern möchte, Ende dieses Monats stattfinden). Unabhängig vom Ausgang befürchte ich soziale Spannungen und das Risiko zunehmender politischer Gewalt. Ich hoffe, ich irre mich. Bis zum Jahresende können mögliche Entwicklungen deine Bewertung, die um die 50 % schwingt, in die eine oder andere Richtung weiter beeinflussen.

@Max: Wenn es nur um die Verlängerung des Visums ginge, wäre die Diskussion gar nicht erst der Rede wert. Wie aus meinem Beitrag zu entnehmen sein dürfte, geht es um eine viel komplexere Sachlage.

Durch einen Umzug in die benachbarte Gemeinde kann ich zwar einigen Unannehmlichkeiten entgehen, doch die lokale Realität als Ganzes ändert sich dadurch kaum. Bei einer entsprechenden Abwägung sind zudem zwingend die jüngsten sowie die wenig versprechenden Aussichten für die nahe Zukunft auf einer regionalen Ebene zu berücksichtigen. Ich beziehe mich dabei auf die zunehmende Präsenz und Aktivität krimineller Vereinigungen (die durch neue Kooperationen und Synergien zwischen lokalen Gruppen und der ACG expandieren und an Macht gewinnen).

Du fragst mich nach der Finca: Ich habe vor, sie in Kürze zum Verkauf anzubieten, sobald ich einige Dinge geklärt habe.

Stimmt, wir sind nicht weit voneinander entfernt. In Kürze gehe ich jedoch meine Mutter in der Schweiz besuchen und nutze die Gelegenheit, um ein paar bestimmte in Frage kommende Immobilien in Italien zu besichtigen, in der Hoffnung, bei meiner nicht einfachen Entscheidung ein Stück voranzukommen. Was ein Treffen angeht, kann ich nichts versprechen; wenn überhaupt, wäre ich erst nach meiner Rückkehr verfügbar, lasse ich jedoch gerne offen.

@Benny56, danke für die freundlichen Worte.
Ja, ich stelle oft fest, dass Menschen dazu neigen, Themen, die meiner Meinung nach kaum von Bedeutung sind, einseitig hochzuspielen, während sie unangenehme Dinge ignorieren oder verschweigen. Ich glaube, das ist bis zu einem gewissen Grad auch ein Mechanismus der Selbstschutzes.
Mein Engagement und mein Fokus auf bestimmte Themen wie Wasser, Pestizide, Umweltverschmutzung usw. sind weniger eine Flucht, sondern spiegeln vielmehr meine Meinung und Überzeugung wider, dass eine Veränderung hin zu einer nachhaltigeren Umwelt im Interesse aller dringend notwendig ist.
Und ja, in der Küche finde ich diese Ablenkung und diesen Ausgleich, indem ich koche, alte Rezepte und Bräuche wiederentdecke und – leider für mein Gewicht – die Spuren meiner kulinarischen Taten mit Hilfe eines guten Schluckes Wein verschwinden lasse. Das Essen wird dann auch zu einem Akt der Flucht.
Aber ja, du hast Recht: Wenn die Lebensqualität nicht mehr stimmt und man sich nicht mehr wohlfühlt, muss man handeln, und genau das habe ich vor.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

coentros
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Beitrag von coentros »

Lieber Don Maximo

Deine Berichte sind eine enorme Bereicherung im Forum. Ich bin Dir sehr dankbar für Deine offenen Worte und schonungslosen Analysen zu vielen Dingen wie Du sie ganz persönlich empfindest. Deine Beschreibungen sind (sehr) schmerzhaft.

Einige Dinge hat man kaum in der Hand. Bei allen Themen die die Gesundheit Deiner Frau betreffen wünsche ich Dir und Euch von ganzem Herzen das Allerbeste. Einige andere, unmittelbare Dinge kann man etwas mehr beeinflussen. Du sprichst viele, die ganz grossen, komplexen Themen an. Neben dem wichtigsten, der Gesundheit und Deiner spezifischen Situation mit Deiner Frau, die Bürokratie vor Ort, die Umweltverschmutzung, das ignorante Verhalten Deiner Mitmenschen bei der Abfallentsorgung, illegales, verantwortungsloses Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Korruption, Geldwäsche, der Umgang mit Geld im weiteren familiären Umfeld. Da kommt einiges zusammen, und mit der Tiefe Deiner Gedanken und Analysen geht es unter die Haut.

Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich all das so nahe an mich heranlassen würde. Das individuelle Rückzugsverhalten ist ein ausgeprägter Trend. Das neudeutsche Wort «cocooning» nicht nur eine zwangsläufige Folge, sondern eine Notwendigkeit. Selber Kochen, zu Hause im trauten Heim, idealerweise mit lieben Menschen um sich herum, ist ein nachgewiesener Glücksfaktor. Genau richtig. Dazu ein guter Wein, richtig genossen, nicht gesoffen, genau richtig. Wobei, in vino veritas, werden die Gedanken nachdem ich Deinen Text wiederholt gelesen haben verstärkt, noch tiefer. Die Nackenhaare stellen sich auf, man kann nur noch mit den Tränen kämpfen. Aber es hat etwas heilsames.

Wenn man sehr lange mit einem Menschen verheiratet ist, ist jeder Tag des bewussten Zusammenlebens ein Glücksfaktor, ein Geschenk ist. Deine ganz spezifische Situation in der Familie kannst nur Du selber beurteilen. Am Ende hat natürlich alles ein Limit.

Bürokratie, Korruption, das Verhalten im Strassenverkehr, Immobilienspekulation, Geldwäsche...das alles muss man an sich abprallen lassen. Es geht gar nicht anders ! Sagt sich leicht. Jeder Mensch ist hier anders gestrickt, Charakter & Psychologie setzen individuelle Limiten. Aber es gibt doch einen Rahmen in dem man das "abprallen" trainieren kann ohne das ein "ungesundes" Verhalten die Folge ist. Ich arbeite seit langem daran, probiere vieles aus, und es gelingt stetig, immer etwas besser. Man könnte es als Flucht aus der Welt bezeichnen. Eben «cocooning». Ich bezeichne es als Anpassung, was eine evolutionäre Grundbedingung des Überlebens ist. Sonst könnte ich vieles kaum aushalten.

In Kolumbien sieht man viele Dinge eben sehr direkt. Das macht den Hammer so wirkungsvoll. Du hast mit Deinem alternativem Lebensort (oberes Piemont) und Deiner Herkunft (Schweiz) die Messlatte zudem sehr hoch gesetzt. Aber auch dort, und vor allem ausserhalb der Schweiz in Europa, wirken ähnliche Mechanismen auf eine mehr indirekte Weise, die die Welt nur auf den ersten Blick besser erscheinen lassen, aber letztlich ähnliche Konsequenzen haben. Korruption läuft hier in Form von Lobbyismus eben abstrakter ab. Endlos lange juristische Verfahren aufgrund immer komplexerer Regeln sind auch eine Form ausufernder Bürokratie. Recht und Gerechtigkeit...oh je. Das Umweltproblem wird bei uns zum Teil eben exportiert, sei es teilweise der Müll direkt, Kohleimporte aus Kolumbien, oder das Treiben der Rohstoffkonzerne. Die Menge an Mikroplastik die wir täglich zu uns nehmen, unausweichlich überall. EU-Schiffe werden umgeflaggt um sich Fangquoten im Pazifik zu sichern. Die abertausenden Tonnen von Plastikmüll und Elektroschrott nicht nur in Kolumbien, etc etc etc.

Der Hunger der Industrien und Konzerne in China, USA, Europa nach Rohstoffen ist unerschöpflich. Die Auswirkungen sieht man direkt dann z.B. in Kolumbien, Stichwort Kohleabbau El Cerrejon. Auch wenn ich im auf den ersten Blick saubereren Deutschland lebe schmerzt mich denoch gleichermassen der Gedanke wie der Mensch überall, direkt oder indirekt, massiv in über Jahrmillionen entstandene, fein austarierte Gleichgewichte, eingreift und diese zerstört. Dem kann ich auch hier nicht entkommen. Da Artensterben betrifft uns überall.

Die Erde ist überbevölkert und wächst immer weiter. Alle wollen konsumieren, in den emerging markets nicht nur überleben, sondern richtig gut leben. Der Kampf nach Arbeitsplätzen und Jobs überall die Rechtfertigung für allzuviele invasive, künstliche Produkte und massive Überproduktionen, allen voran China. Ich möchte keine dystopischen Szenarien malen. Aber ich sehe nicht wie das langfristig funktionieren soll. "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Von wem auch immer dieser Spruch nun kam.

In beiden völlig unterschiedlichen Orte, Kolumbien oder Piemont, kann ich den grossen Mechanismen nicht entkommen. Man wird sich an das viele Unerfreuliche, dessen Lauf ich nicht sehe wie er aufzuhalten ist, anpassen müssen, oder man leidet sehr. Am Ende zuviel.

Da ich mit meiner Frau auch vor einer grossen Entscheidung stehe, wo wir unseren Ruhestand verbringen, bin ich Dir nochmals unglaublich dankbar für die tiefen Einblicke die Du uns mit Deinen ausführlichen Beschreibungen gewährst.

Für Deine schwierigen Entscheidung(en) wünsche ich Dir das allerbeste und drücke alle Daumen !

Benny56
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Beitrag von Benny56 »

Hallo @coentros, hallo Don Maximo,

ich habe eure Gedanken dazu jetzt verfolgt. Das mit dem "Cocooning" und dem Abprallenlassen, wie coentros es beschreibt, klingt in der Theorie gut. Ich versuche das ja auch oft, mich in mein kleines Reich zurückziehen, wenn es draußen mal wieder zu wild wird.

Aber wenn ich ehrlich bin, es gibt Dinge, die lassen sich nicht wegatmen oder ignorieren. Ich erinnere mich da an das, was Karibikotto hier im Forum mal erzählt hat – wie sie aus Medellín weg sind, weil der Druck und die Erpressung einfach zu viel wurden. Da hilft dann auch kein guter Wein mehr im "Cocoon", wenn man merkt, dass man als ehrlicher Mensch gegen eine Wand aus Korruption und Drohungen rennt.

Don Maximo beschreibt ja nicht nur das Mikroplastik, das wir alle im Blut haben, sondern den ganz konkreten Dreck vor der Haustür: brennende Matratzen auf dem Schulhof, Asbest in den Schlaglöchern und Verwandte, die einen als Bankautomaten sehen. Ich finde, das ist eine andere Hausnummer als abstrakter Lobbyismus in Europa. In Kolumbien trifft dich der Hammer eben direkt ins Gesicht, nicht über drei Ecken.

Ich verstehe Don Maximo vollkommen, wenn er sagt, dass Anpassung irgendwann an eine Grenze stößt. Wenn man sich zu sehr ans Unrecht anpasst, verliert man sich am Ende selbst. Das hat nichts mit der "Messlatte" zu tun, die man zu hoch legt, sondern mit Anstand.

Vielleicht ist der Rückzug nach Italien oder Deutschland am Ende gar keine Flucht, sondern einfach die Entscheidung, sein Leben nicht in einem Umfeld zu verbringen, in dem man ständig die Augen verschließen muss, um nicht wahnsinnig zu werden.

Schönen Sonntag euch allen

Benny

desertfox
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Beitrag von desertfox »

Ich verfolge diese Diskussion auch mit Interesse da wir nun, nach dem Tod meiner Eltern um die ich mich die letzten 6 Jahre kümmerte, wieder Freiraum für einen (Teil) Umzug nach Kolumbien haben.

Viele Punkte kann ich nachvollziehen, die letzten 4 ½ Wochen welche wir in Bogota waren haben erstmal genügt…, OK, wir lebten da bei meiner Schwägerin, das ist was anderes als in der eigenen Wohnung. Aber das mit dem Geldautomaten (insbesondere beim Neffen meiner Frau) stört mich gewaltig.

Ich tendiere derzeit mal dahin, dass wir ein knappes halbes Jahr in Kolumbien bleiben und dann wieder zurück nach Deutschland, nach einem halben Jahr dann wieder nach Kolumbien usw.
Das halbe Jahr gibt erst mal die Möglichkeit die Wohnung die aktuell noch vermietet ist herzurichten (Neue Fußböden, Pergola auf der Terrasse etc…), Führerschein, Autokauf… und man sieht wie es ist wenn man länger in Kolumbien ist.

Unser Haus in Deutschland werden wir aber vorerst mal nicht verkaufen, nur wenn wir doch länger in Kolumbien bleiben dies aus Steuerlichen Gründen auf die Kinder überschreiben.

coentros
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Beitrag von coentros »

@Benny56

Die Sicherheit, d.h. Erpressung, vacunas & Co, wären etwas das mich auch sehr stören würde. Daher frage ich ja auch ständig hier im Forum danach. Das wurde in diesem threat aber gar thematisiert.

Wenn Du also meinst das abstrakte Themen weniger gewichtig sind dann mag das bei Dir so sein. Ich leide jedenfalls gewaltig darunter, so z.B. dass wir über die Jahre im Sommer immer weniger Insekten haben. Woran liegt das wohl ? Vielleicht ein abstraktes Thema. Die Auswirkungen jedenfalls gewaltig. Das hat für mich eine ähnliche Wirkung wie brennende Matrazen vor der Haustür

Wenn ich mir überlege wieviel Steuern ich Zeit meines Lebens bezahlt habe kommt mir manchmal auch der Gedanke irgendwie ein Bankautomat zu sein. Ich werde mich aber hüten nun über Deutschland zu jammern. Ich beklage mich nicht und bezahle hier auch weiterhin meine Steuern obwohl ich jederzeit z.B. in die Schweiz auswandern und dort schuften könnte.

Gutes Stichwort...Schweiz. Um ein Beispiel von dort herzunehmen. Da wurde eine Credit Suisse zu Grabe getragen. Unzählige Millionen an Boni für verantwortungslose, dreiste Manager, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Am Ende wird es auf die Gemeinschaft umgelegt. Insgesamt abstrakt was dort alles passiert ist, und daher etwa kein Skandal ?? Genau darauf spekulieren sie ja. Das Volk sieht ja gar nicht richtig was dort geradezu mafiös an Geld gescheffelt wird.

Anderen Beiträgen im Forum entnehme ich, dass Du eine Rente in Euro beziehst und ungünstige Wechselkurse beklagst. Letzteres scheint jedoch ein abstraktes Thema zu sein. Also bitte nicht jammern. Es ist ja nur ein Wechselkurs, sonst nichts.

Die Mikroplastik ist für mich eine Dimension unter der ich aus einer Vielzahl von Gründen sehr leide. Aber da die Teilchen so klein sind vielleicht auch nicht der Rede wert. Man sieht sie ja nicht so wie die Schlaglöcher die mit was auch immer aufgefüllt werden.

Benny56
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Beitrag von Benny56 »

Hallo @coentros,

du hast in deinem ersten Beitrag viele große Themen angesprochen. Jetzt drehst du plötzlich auf meine Rente und den Wechselkurs. Das überrascht mich.

Natürlich sind das Insektensterben und die Skandale der Credit Suisse wichtige Themen. Darüber lässt sich streiten. Aber darum geht es hier doch gar nicht.

Don Maximo sitzt nicht da und überlegt, wie viel Mikroplastik er heute schon geschluckt hat. Er atmet den Qualm von brennenden Matratzen ein, sieht die Schlaglöcher mit Asbest gefüllt und muss zusehen, wie seine eigene Familie ihn als Goldesel betrachtet. Das ist kein abstrakter Lobbyismus, sondern das ist der ganz konkrete Dreck des Alltags.

Wenn du das aufrechnen willst gegen Wechselkurse und Bonus-Systeme in Europa – bitte. Aber dann sprichst du über etwas völlig anderes.

Ich jammer nicht über meine Rente oder den Kurs des Peso. Das gehört zum Leben hier dazu. Aber ich weigere mich, den Schmerz von Don Maximo klein zu reden, nur weil du ihn als weniger relevant empfindest.

Ich respektiere deine Art, mit der Welt klarzukommen – dein "Cocooning", deine Rückzugsmöglichkeit. Aber lass auch Don Maximo seinen Weg gehen, ohne ihn dafür zu kritisieren, dass er nicht genug "abstrakt" denkt.

Mehr hab ich dazu nicht zu sagen.

Benny

coentros
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Beitrag von coentros »

Ich rede die Probleme nicht klein, auch kritisiere ich nicht den Weg von Don Maximo. Alles andere als das. Wie man damit umgehen könnte ist mein Thema.

Ansonsten versuche ich darzustellen, dass viele Probleme im globalen Dorf in Zusammenhang stehen und sie nur an einem Ort direkter, anderswo indirekter, abstrakter, erscheinen. Sie sind aber allerorts vorhanden. Diese Zusammenhänge aus welchen Gründen auch immer nicht zu sehen oder sehen zu wollen halte ich für eines der Grundübel und auch keine Lösung.

Und natürlich ist die Schweiz oder auch DE und Norditalien ein sehr hoher Standard, da man dort vieles eben nicht so direkt sieht.
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

Hier bin ich wieder, um über die neuesten Entwicklungen in meinem Umfeld zu berichten. Ich beginne mit den weniger erfreulichen Dingen – nicht aus Pessimismus oder aus Lust am Lästern, sondern um diesen Beitrag anschliessend mit den angenehmeren Dingen abzuschliessen. „Dulcis in fundo", diesmal wörtlich.
Bestimmte negative Tendenzen, über die ich früher berichtet habe, erlebe ich immer intensiver. Einerseits haben Chaos und lokale Unruhen tatsächlich zugenommen, aber vermutlich bin auch ich es, der inzwischen sensibler auf bedauerliche Situationen reagiert. Allerdings teilen einige andere örtliche Bürger mein Empfinden, was mir bestätigt, dass es sich nicht nur um eine subjektive Wahrnehmung handelt.

Ich hatte berichtet, dass meine Frau und ich uns in der örtlichen Grundschule der Vereda engagieren, indem wir sie unterstützen und persönlich Aktivitäten fördern. Sprich Schulgarten und Filmvorführungen. Letzte Woche berief die Lehrerin eine ausserordentliche Versammlung mit Eltern und der Ortsbevölkerung ein, nachdem die lokalen Behörden unerwartet ihre Absicht bekannt gegeben hatten, die Schule sofort (innerhalb weniger Tage, zeitgleich mit Beginn der Sommerferien) zu schliessen. Die Schüler sollten nicht einmal das laufende Schuljahr mit der derzeitigen Lehrerin beenden dürfen, sondern in die Schule der benachbarten Vereda verlegt werden, die sich im Vergleich zu "unserem" inzwischen gut gepflegten und instand gehaltenen Schulgebäude in einem bedauerlichen baulichen und instandhaltungs Zustand befindet. Zumindest ist es uns gelungen, die Schule vorerst bis zum Ende des Schuljahres offen zu halten. Es ist unverständlich, warum gerade dieser Schulstandort geschlossen werden soll und nicht andere, die sich in deutlich schlechterem Zustand befinden und weniger günstig gelegen sind.

Ich hatte soeben eine elektrische Leinwand, einen Beamer und Lautsprecher für die Schule gekauft. Angesichts dieser Umstände werde ich jedoch vorerst darauf verzichten, sie dort fest zu installieren, wie ursprünglich geplant.

Eine der beiden Zufahrtsstrassen zur Vereda befindet sich in einem immer schlechter werdenden Zustand. Die Regenfälle der letzten Woche haben den Boden in einem instabilen Bereich stark ausgewaschen und einige meter der Strasse. mitgerissen. Um das „Loch“ anschliessend wieder zu füllen, wurden quasi über Nacht mehrere Lkw-Ladungen Schutt und Mull aller Art (Unsortierter Bauschutt, Plastik, Chemikalien, Rückstände und Reste von Motoröl und alles, was man sich sonst noch vorstellen kann) dort abgeladen und obenauf Aushuberde und Kies, um die darunterliegenden Schichten zu verbergen. All dies geschah mit Segen des Bauamtes und passiver Kenntnisnahme der Ingenieure.

Ein weiterer "Skandal", der zwar noch nicht offiziell an die Öffentlichkeit gelangt ist, aber bereits vermehrt darüber spekuliert wurde: seit Jahren bestehende schwerwiegende Unregelmässigkeiten bei der Parzellierung und dem Bau Dutzender Wohnungen und prunkvoller Villen in einer grossflächigen Luxuswohnsiedlung am rande des Pueblo, in einem Gebiet, in dem eine solche Parzellierung untersagt ist. Zudem handelt es sich um ein Gebiet mit hohem geologischen Risiko. Oben drauf noch: das gesamte Abwasser fliesst direkt in eine „Quebrada“. Seit Jahren warten die Eigentümer, die Grundstücke oder Wohnungen erworben haben, auf die versprochenen Urkunden und die Eintragung ins Grundbuch, was jedoch offenbar nicht geschehen wird. Uns wurden zwei Häuser in dieser schillernden Wohnanlage angeboten, aber ich hatte das richtige Gespür, darauf zu verzichten und den Versprechungen einer baldigen Eintragung in das Grundbuch keinen Glauben geschenkt Zudem wrden wir von einigen Leuten diskret darauf aufmerksam gemacht. Lokale und nationale Politiker stecken bis zum Hals in diesen Schlamassel.

Ich wunderte mich, dass es auf lokaler Ebene nicht mehr Verkehrsunfälle gibt, wenn man bedenkt, was ich in einem meiner früheren Beiträge dargelegt habe. Unser junger Arbeiter auf der Finca erzählte mir jedoch, dass Unfälle im und um das Dorf herum, insbesondere mit Motorrädern, an der Tagesordnung seien. Vor wenigen Tagen kam es zu einem Frontalzusammenstoss zwischen zwei Motorrädern, die nachts ohne Licht unterwegs waren. Ein Toter und zwei Schwerverletzte, darunter eine junge Beifahrerin, die in Lebensgefahr schwebt. Auffällig zunehmend ist die Zahl der Motorräder ohne Kennzeichen, die in der Regel ausgesprochen aggressiv gefahren werden und bei Unfällen flüchten.
Die Polizei scheint dieses grassierende Phänomen absichtlich nicht wahrnehmen zu wollen. Dahinter scheint jedoch leider deren begründete Angst vor Racheaktionen zu stecken. Viele dieser jungen Motorradfahrer gehören der lokalen Unterwelt an.

Am vergangenen Wochenende wurde ein lokales Ereignis gefeiert. Dazu kam der Vatertag, verbunden mit intensiver politischer Propaganda. Alkohol floss in Strömen. Im Pueblo kam es zu unordnungen, Streitigkeiten, Raubüberfällen und blutigen Auseinandersetzungen, wie man sie laut ältere Generationen seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Einem Mann wurde mitten auf der Strasse mit einem Machete die Hand abgetrennt. Es gab einige Messerstechereien und Blutige Raubüberfälle, wegen wenigen Pesos.
Als ich gestern zum Einkaufen ins Dorf hinunterging, waren die Strassen voller Müll und an mehreren Stellen mit Blutflecken gefärbt. Glücklicherweise war in unsere Vereda alles ruhig geblieben. Die Gemeindeverwaltung und die lokalen Politiker sind sehr darum bemüht, die Nachricht nicht weiter verbreiten zu lassen, sie zu unterdrücken, aus Angst vor negativen Folgen für das lokale Image, das sich wiederum negativ auf den Tourismus auswirken würden.
Leider werden diese traurigen Unruhen ein weiteres Nachspiel auf die öffentliche Ordnung haben.
Bei solchen Festen und Veranstaltungen gibt es einen erhöhten Drogenhandel und -konsum. Der lokale Clan hat ein starkes Interesse an einem unauffälligen, also friedlichen Ablauf ohne Unruhen und Schlägereien. Sie übernehmen de facto selbst die Aufrechterhaltung der Ordnung. Wer sich nicht an die Regeln hält und gegen sie verstösst und Unruhe stiftet, muss denen eine „Geldstrafe“ zahlen. Diese sind sehr hoch, und wer sie nicht innerhalb der festgelegten Fristen bezahlt … nimmt ein böses Ende.
Bereits im vergangenen November kam es im Rahmen eines großen lokalen Anlasses zu mehreren Ausschreitungen. Unter anderem war eine junge Frau aus dem Pueblo verschwunden, deren Leiche Tage später auf tragische Weise gefunden wurde.

Ein Phänomen, das mich persönlich sehr stört, ist ein Massenverhalten und eine Masseneinstellung, die ich nun schon seit 20 Jahren beobachte und die sich leider tendenziell verstärkt hat, anstatt an Kraft zu verlieren, wie es wünschenswert wäre. Es handelt sich um das, was in Italien als „Omertà“ bekannt ist. Ich meine hier jene gesellschaftliche Omertà, die auf Bequemlichkeit, Opportunismus und Eigeninteresse beruht und die meiner bescheidenen Meinung nach massgeblich für den traurigen und trostlosen Zustand in vielen Bereichen (wie Gewalt, Kriminalität und Korruption) im Lande stark, wenn nicht massgeblich mitverantwortlich ist.

In diese Richtung geht es ein wenig auch bei dem, was meine Frau und ich derzeit im Bereich der Sozialversicherung erleben. Wir bemühen uns, unseren jungen Mitarbeiter ordnungsgemäß zu versichern und die Sozialleistungen korrekt zu entrichten, und wurden dabei mit Situationen konfrontiert, die schon an dramatische Absurdität grenzen. Das heißt, wir wurden dafür kritisiert, dass wir unsere Sozialbeiträge korrekt abführen und unserem jungen Mitarbeiter einen fairen Lohn zahlen. Und zwar nicht nur von anderen Privatpersonen (die ihre Angestellten in der Regel wie Zitronen auspressen), sondern auch von der Treuhandgesellschaft und von Personen mit lokalen politischen Ämtern, die sich gerne durch ihr vorgetäuschtes soziales Engagement profilieren.
Gerade wegen unserer EPS-Beiträge wurden wir bei der Treuhandgesellschaft heftig kritisiert, weil wir darauf bestanden, unsere Beiträge formgerecht und mit korrekter Berechnung aktualisieren zu lassen – als Korrektur der falschen und missbräuchlich Tiefen Beiträge, die uns von der EPS selbst so zugeteilt worden war. (Das heisst auf der Grundlage eines Mindestlohns für meine Frau und mich als Begünstigte, anstatt uns individuell mit einer Berechnung der jeweiligen Beiträge auf der Grundlage unserer tatsächlichen Einkünfte zu registrieren, wie es korrekt wäre.) Dies hat mich schließlich auch dazu veranlasst, in Kürze das Treuhandbüro zu wechseln.

Dann ist da noch eine letzte Sache, die meine Geduld endgültig erschöpft hat: eine inakzeptable Situation, in der Bancolombia nicht in der Lage ist, ein ebenso banales wie beschämendes, seit über einem halben Jahr ungelöstes Problem mit meinem Konto zu beheben, was mich zu der Entscheidung veranlasst hat, es zu schliessen (ohne Ersatz, auch im Hinblick auf meinen mittlerweile sehr wahrscheinlichen erneuten Wohnsitzwechsel). Seit November habe ich keinen Zugriff mehr auf mein Konto, weder über die App noch über das Portal. Ich kann zwar Zahlungen und Abhebungen mit der Debitkarte vornehmen und Zahlungen empfangen, habe aber keinen Zugriff auf Daten, Kontoauszüge und andere Dienste. Dies ist seit November der Fall, als meine persönlichen Daten aktualisiert wurden, indem die CE als persönliches Dokument hinterlegt wurde – als Ersatz für meinen Schweizer Pass, mit dem ich das Konto zuvor eröffnet hatte, bevor ich eine Cedula besass.
Nach der Aktualisierung funktionierte die App zunächst normal und ich hatte für einige Tage Zugriff, doch dann meldete sie mir plötzlich, dass das Konto nicht existiere. Wie Bitte? Obwohl ich mehrmals in die Filiale gegangen bin und wiederholt Kontakt nach Medellín aufgenommen habe usw., haben sie das Problem bis heute nicht lösen können (Die Filialleiterin selbst, die uns immer persönlich empfängt ist selbst ratlos). Glücklicherweise haben wir zwei weitere Konten auf den Namen meiner Frau, mit denen wir keinerlei Probleme haben.

Was mich freut, ist, dass meine Frau gerade eine stabile Phase durchlebt, ohne besondere MS-Symptome, die ihr den Alltag erschweren – wie es leider in der Vergangenheit schon öfter der Fall war. Natürlich muss sie ihren Tagesrhythmus an ihre Situation anpassen, aber mit mehr Ruhepausen, Bewegung und der Einhaltung einiger Regeln gelingt es ihr, ein erfülltes Leben zu führen. Das größte Problem sind Erschöpfungsschübe (Fatigue), die sie jedoch zu akzeptieren und zu bewältigen gelernt hat. Ausserdem gibt es in Medellín – so überraschend es auch sein mag – ein medizinisch-neurologisches Zentrum, das hochspezialisiert auf die Behandlung und Begleitung dieser chronischen Erkrankung ist. Dieses verfolgt einen differenzierten Ansatz und setzt nicht einseitig auf Medikamente, wie es in der Schweiz leider meist der Fall ist. Tatsächlich hatte sich meine Frau bereits etwa zwei Jahre vor unserem Umzug hierher entschieden, sich in Kolumbien und nicht mehr in der Schweiz behandeln und betreuen zu lassen.
Letzte Woche ist sie einer neu gegründeten Literaturgruppe beigetreten, in der sich die Mitglieder einmal pro Woche treffen, um sich über eine gemeinsam ausgewählte Buchlektüre auszutauschen.
Es gefällt ihr, und gleichzeitig ist es eine hervorragende Übung für ihre kognitiven Fähigkeiten und ermöglicht es ihr, wieder Kontakt zu alten Bekannten aus ihrer Jugend aufzunehmen. Wir hoffen, dass die kleine Gruppe beständig bleibt.

Mir wurde neulich erneut angeboten, ein Restaurant aufzuziehen oder ein Hotel zu übernehmen, was mich sicherlich schmeichelt; dennoch werde ich in meinem Alter und in diesem Pueblo mit seinen Problemen und der aktuellen Situation mit Sicherheit kein Geschäft eröffnen. Ich koche privat für meine Gäste und Freunde, gerne dazwischen selektiv eben auch auf Anfrage als Gastkoch, möchte mir jedoch dieses Hobby, das mir seit einem halben Jahrhundert Freude und Zufriedenheit bereitet, nicht dadurch verderben, dass ich daraus ein Geschäft mache. Und zwar unabhängig davon, ob ich hier bleibe oder nicht.
Und nun komme ich wieder auf dieses Thema zurück. Es geht genau um den letztjährigen Umzug hierher, den ich als für mich unbefriedigend empfinde und das ich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet insgesamt als deutliche Verschlechterung meiner Lebensqualität bewerte.
Als ich mit meiner Frau vor kurzem darüber sprach, hatten wir auch die Option in Betracht gezogen, uns etwas in einer Region zu suchen (entschuldigt bitte den Ausdruck), die weniger rückständig ist als der Südwesten von Antioquia. Vielleicht könnten wir nach Bogotá ziehen, wo uns zudem auch das Kühlere Klima sicherlich besser zusagt. Aber wir haben beide keinerlei Verbindungen oder Beziehungen in dieser Region. Und es ist auch keineswegs gesagt, dass es uns dort gefallen würde. Auch sind wir definitiv Keine (Gross)Stadtmenschen. Für sie wäre es zudem selbst von Bogotá aus aufgrund der Entfernungen eine Belastung, die Familie zu besuchen.
Letzte Woche habe ich die Finca endlich zum Verkauf ausgeschrieben und die Nachricht verbreitet. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich jemand meldet, der nicht nur interessiert ist (davon gibt es bereits einige), sondern auch zahlungsfähig ist.
In der Zwischenzeit studiere ich bereits einige Immobilienangebote und die wertvollen Ratschläge eines Treuhänders und Immobilienberaters aus dem Piemont, an den ich mich gewandt habe, der mir auch Immobilien in anderen Regionen vorschlägt, mit stichhaltigen Argumenten, die es wert sind, ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden. An sich habe ich mich noch nicht auf etwas festgelegt, auch wenn mich vorerst einige Objekte am Ortasee und an den Hängen oberhalb des Borromäischen Golfs spontan am meisten angesprochen haben.
Sollte ich in der Tat den Weg zurück antreten, würde ich das gerne so zeitlich planen, dass ich mein M-Visum hier in Kolumbien, das Anfang Oktober abläuft, nicht verlängern muss.

Glücklicherweise haben sich die turbulenten Zeiten mit ihren unerwarteten und traurigen Ereignissen in unserem Umfeld gelegt, und die Stimmung ist nun etwas entspannter. So, dass ich mir vorgenommen habe, einmal pro Woche mit meiner Frau zum Essen auszugehen, oft laden wir auch meine Schwägerin ein. Das gastronomische Angebot ist aber hier leider sehr dürftig; selbst die beiden Lokale, die hier als „besser“ gelten – sowohl was das Essen als auch das Ambiente angeht –, sind sehr enttäuschend.
So fällt die Wahl oft auf ein kleines Lokal, das ausschliesslich Hähnchenflügel und Hähnchenburger serviert. Tische und Stühle aus Plastik, das Getränk ohne Glas und die Pommes sind mal gut, mal passabel. Aber der Preis stimmt, und um nicht kochen zu müssen und gelegentlich mal Abwechslung zu haben, ist es ganz in Ordnung. Zudem trifft man dort fast immer auf bekannte.

Doch Vor nicht zu langer Zeit hat ein Hotel-Restaurant mit italienische Speisekarte eröffnet. Das Restaurant öffnet seine Tore jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Es liegt am Rande des Pueblos, auf einem alten Anwesen (Ehemals Kaffee produzierende Finca). Die Lokalität ist sehr ansprechend und (für hiesige Verhältnisse) gepflegt und gehoben, die Gerichte sind jedoch nichts Besonderes und werden dem angestrebten Niveau nicht gerecht. Zumindest nicht was wir bis anhin probiert haben. Es gibt auch Pizza. Der Pizzaboden war gut, den Belag der Margherita hätte ich jedoch eindeutig als elsässischen Flammkuchen und nicht als neapolitanische, römische oder sonstige Pizza eingestuft; Margherita erst recht nicht. Abgesehen davon und von dem Durchfall, den es bei mir und meiner Frau schon bald ausgelöst hat, war dieses Ofenerzeugnis an sich nicht schlecht. Darf man für rund 50 tausend für eine "Pizza" auch erwarten. Auch in der Woche zuvor war das Rindsfilet mit Pilzsauce,Kartoffelpüree und Gemüse nicht schlecht, aber definitiv auch nichts Besonderes. Da habe ich in Personalkantinen vergleichbare Gerichte viel schmackhafter serviert bekommen. Meine Frau, sonst eher bescheiden, meinte sie bekäme es besser hin. Da musste ich ihr uneingeschränkt Recht einräumen.
Jede Woche, immer donnerstags (hat weniger Leute), gehen wir nun dorthin, vor allem um abzuschalten. Das Ambiente ist sehr angenehm, leichte un angenehme Jazz und Blues Musik diskret im Hintergrund, leider vermutlich eine Playlist von Spotify oder ähnlich, die sich wiederholt) die Tische und Stühle sind bequem, das Personal sehr aufmerksam, gastfreundlich, un sprachfreudig und wir müssen nicht bis ins Dorf hineinfahren. Nach dem essen sind wir in wenigen Fahrminuten wieder in der Finca. Wir werden nun jedes mal etwas anderes aus der Speisekarte ausprobieren. Bei den Hauptgerichten gibt es zweifellos noch viel Raum für Verbesserungen, Vorspeisen und Desserts sind dagegen bereits deutlich ausgereifter und eine Freude selbst für meinen verwöhnten Gaumen.
Virtus Junxit Mors Non Separabit