Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

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Eisbaer
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Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

Beitrag von Eisbaer »

Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand? / Kommt es wieder?

Es gibt Zeiten, die brennen sich so tief ins Gedächtnis ein, dass man die Details auch Jahrzehnte später noch genau vor Augen hat. Für mich war das Jahr 1992 in Kolumbien genau so eine Zeit. Der Grund dafür war kein politisches Ereignis, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass im ganzen Land monatelang buchstäblich das Licht ausging. Ausgelöst durch ein extremes El-Niño-Phänomen, das eine beispiellose Dürre über das Land brachte, sank der Wasserstand in den Stauseen, die Kolumbiens Wasserkraftwerke versorgten, auf ein kritisches Minimum. Da die damalige Infrastruktur kaum Alternativen bot und die thermischen Kraftwerke schlecht gewartet waren, stand das Land plötzlich vor dem energetischen Bankrott. Die Regierung unter Präsident César Gaviria sah keinen anderen Ausweg mehr, als ab dem 2. März 1992 eine strikte Stromrationierung anzuordnen, die als El Apagón de Gaviria in die Geschichte eingehen sollte.

Was dann folgte, war ein ganzes Jahr im Ausnahmezustand. In den Großstädten wie Bogotá oder Medellín wurde der Strom täglich für neun Stunden abgestellt, in den ländlicheren Regionen und an der Küste waren es oft bis zu vierzehn Stunden am Tag. Um die hellen Stunden des Tages besser zu nutzen, wurde die Uhr im ganzen Land per Dekret um eine Stunde vorgestellt, die sogenannte Hora Gaviria, was das alltägliche Chaos perfekt machte. Fernsehsender durften nur noch wenige Stunden am Abend ausstrahlen, Fabriken mussten ihre Schichten mitten in die Nacht verlegen, und Kerzen sowie Batterien wurden im ganzen Land zu einer heiß begehrten Mangelware.

Ich selbst habe diese wilde Zeit im ohnehin schon brennend heißen Cúcuta an der Grenze zu Venezuela durchgemacht. Wer die Stadt kennt, weiß, dass man dort das ganze Jahr über Temperaturen jenseits der 35 Grad hat. Ohne Strom gab es keine Ventilatoren, keine Klimaanlagen und auch keinen Kühlschrank, der die Getränke kalt hielt. Es war erträglich am Tag und schlaflos in der Nacht. Da Not macht bekanntlich erfinderisch, kam mir damals die Grenznähe zugute. Im benachbarten Venezuela gab es keinen Strommangel, und so beschloss ich kurzerhand, mir dort ein eigenes Notstromaggregat zu organisieren.

Der Kauf in Venezuela war schnell erledigt, aber das schwere Ding legal über die offizielle Grenze und den Zoll zu bringen, wäre damals ein bürokratischer und teurer Albtraum geworden. Der venezolanische Händler lächelte nur und meinte, das sei alles kein Problem, er liefere frei Haus. Und tatsächlich: Kurze Zeit später tauchte der Mann mit dem Aggregat in Cúcuta auf. Er hatte das schwere Gerät kurzerhand auf ein Motorrad geschnallt und war damit eiskalt durch den flachen Grenzfluss, den Río Táchira, geschwommen beziehungsweise gefahren, um die Kontrollen zu umgehen. Das war echte kolumbianisch-venezolanische Improvisationskunst im Dienste der Elektrizität. Dank dieses Aggregats und des Benzins aus Venezuela war ich damals einer der wenigen in der Nachbarschaft, bei dem abends die Glühbirne leuchtete und der Ventilator für etwas Abkühlung sorgte.

Erst im März 1993, als endlich die langersehnten Regenfälle einsetzten und die Stauseen sich wieder füllten, endete das Jahr der Dunkelheit. Die Krise hatte jedoch ihr Gutes: Sie zwang das Land zu einer radikalen Reform des Energiesektors, die den Markt für private Investoren öffnete und den Bau von thermischen Kraftwerken vorantrieb, damit Kolumbien nie wieder so fatal von der Witterung abhängig sein sollte.

Wie habt ihr diese Zeit damals erlebt, sofern ihr schon im Land wart? Wer erinnert sich noch an die Hora Gaviria, das endlose Kerzenlicht und das Leben ohne Kühlschrank? Ich bin gespannt auf eure Geschichten aus diesem unvergesslichen Jahr!
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Nasar
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Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

Beitrag von Nasar »

Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. :klat: Da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. :klat:
Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.
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Fusagasugeno
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Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

Beitrag von Fusagasugeno »

War mein erster Aufenthalt in Kolumbien, Stromrationierung in Bogota, dafür war das Parlament Tag und Nacht beleuchtet.
Eres feliz, eres Fusagasugeño :-)
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Renato
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Sehr intelligenter Auftritt der Energie-Ministerin

Beitrag von Renato »

So etwas kann nur in Kolumbien passieren Auf Grund vom Klimaphaenomen EL NIÑO leidet Kolumbien an einer noch nie dagewesenen Dürre, die Stauseen sind auf einem so tiefen Wasserspiegel wie noch nie. Die Regierung hat beschlossen, das Massnahmen zum Energie sparen beschlosen werden. Na ja, unsere Ministerin ist evt. nicht die hellste, bei Ihrer Fernsehansprache in dem sie alle Bewohner dazu auforderte, Energie zu sparen ist etwas etwas abstrus, Im Hintergrund leuchten 2 Kronleuchter mit ca. 80 Glühbirnen. Dass die das nicht gemerkt hat, dass die Kulisse evt. nicht ganz zum Thema "ENERGIIE SPAREN" passt?
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Renato
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Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

Beitrag von Renato »

Ich zahle fuer 2 Monate bereits 510.000 Pesos. Das war vor 15 Monaten noch ca. 360.000.
Und wir verbrauchen nicht mehr.
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Chévere
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Crisis energética de 1992 en Colombia / Erinnert sich noch jemand?

Beitrag von Chévere »

Ich erinnere mich gut daran. An jeder Hausecke standen Generatoren und es stank nach Benzindämpfen und Abgasen.
Chévere
Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.