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Servus Gordito, Dankeschön für die Berichte. Leider hat Kolumbien gegen die Eidgenossen verloren. Mir ist aufgefallen das hier in Cartago deswegen die Stimmung nicht so toll war. Aber das Leben geht weiter. Gordito, nun haben wir schon zwei Sachen gemeinsam. Cartago und der Umzug. Ich freue mich drauf mit dir ein Feierabend Bier zu trinken. Bis bald und liebe Grüße in die Runde.Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
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Tenere-wue
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!
Meine Frau und ich hatten in den letzten Wochen viel zu tun, daher gab es eine “Sendepause”.
DIAN
Ich sehe immer zu, daß ich Ende Juni alle Dokumente für unseren Steuerberater beisammen habe. Anfang Juli sind wir dann zu ihm nach Pereira gefahren und haben ihm die Unterlagen übergeben. Ein paar Tage später wollte er noch einige wenige Kopien haben, die haben wir ihm per whatsApp geschickt. Hier geht das alles recht einfach. Ende Juli bekam ich dann von der Behörde Post per E-Mail. So läuft das hier, nix Briefpost.
In der letzten Woche haben wir uns erneut mit ihm in Pereira getroffen und ihn bezahlt. Er übergab und die Bescheide für das Jahr 2025 für mich und für meine Frau. Hier wird jeder vom Finanzamt einzeln bedient, eine gemeinsame Veranlagung gibt es nicht.
Ich bin zwar verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, aber Einkommensteuer müssen weder meine Frau noch ich bezahlen, dazu sind wir dann doch zu arm.
Wenn ich in drei Jahren meine Einbürgerung beantragen werde, müssen alle Dokumente dafür “wasserdicht” vorliegen, die Steuererklärungen werden bestimmt auch verlangt, denke ich.
Nach dem Treffen mit unserem Steuerberater haben wir noch drei Verwandtenbesuche absolviert. Als wir wieder mit dem Rumpelbus nach Cartago kamen, waren wir völlig fertig. Um halb neun bin ich in Bett gekrochen. Licht aus, gute Nacht.
EURO
Im August des letzten Jahres erhielt man für einen Euro noch 4.700 kol. Pesos. Das ist vorbei und wird so schnell auch nicht wieder kommen, wenn überhaupt. Die Gründe kann man sich von jeder KI wie Grok nennen lassen.
Derzeit liegt der Kurs bei 3.600 COP für einen Euro, Tendenz: fallend.
Daher können wir uns auch nicht mehr alle Wünsche unmittelbar erfüllen, manches muß warten, weil der Betrag erst angespart werden muß.
Das gilt auch für mein neues Visum im November, dafür müssen wir 3 Mio. COP (823 Euro) bereit stellen. Ja, das geht, aber viel bleibt dann nicht mehr übrig für das Sparschwein meiner Frau bei der “Bank der Frau”.
Würden wir bei einer Rückkehr nach Spanien oder Deutschland wirtschaftlich besser dastehen?
Ein klares: Nein. In Fuenlabrada hat meine Frau im Monat 700 Euro Miete bezahlt, ohne Nebenkosten.
In Deutschland, was für uns eh nie in Frage kam, wird es derzeit kaum günstiger sein. Subventionen aus Sozialkassen würde ich eh nicht erhalten.
Hier in Cartago ist unser Haus bezahlt, die laufenden Kosten stemmen wir ohne Einschränkung unserer Lebensqualität, da wir auf Luxusprodukte verzichten und unsere Mobilität bezahlbar ist. Ein eigenes Auto rückt zwar derzeit in die Ferne, aber wir kommen mit Roller und Rumpelbus dahin, wohin wir wollen. Den meisten Kolumbianern geht es ja auch nicht anders.
HOME SWEET HOME
Letztes Jahr haben wir bei einem Sonderangebot im Alkosto zugeschlagen: ein 65 Zoll TV gab es zum Sonderpreis. Das hängt seit gestern an der Wand, umrahmt von einem entsprechenden Möbelstück und Deko, die meine Frau ausgesucht hat. Uns gefällt es sehr gut. Die Arbeit haben zwei Neffen meiner Frau ausgeführt. Sie haben gewissenhaft gearbeitet, Pfusch wollten sie ihrer Tante nicht abliefern.
Für mich bedeutet das, heute Nachmittag rüberfahren, aufräumen und den Kühlschrank wieder mit Cola, Wasser und Bier auffüllen.
Gestern am Nachmittag gab es lieben Besuch: Tenere-wue und Ehefrau. Wir saßen gerade alle trocken auf der Veranda, als das Unwetter losbrach. Unser Häuschen hat nichts abgekriegt, aber in dem Haus, in dem wir noch wohnen, stand Wasser in einem Raum. Meine Frau hatte eine halbe Stunde lang gut zu tun.
Die Bäckerei Milonga in der vierten Straße hat es arg getroffen.
Einige alte, ärmliche Gebäude in Cartago haben jetzt kein Dach mehr, wie mir meine Frau auf Instagram zeigte. Verletzt worden ist aber niemand, soweit ich das weiss.
SOPA MONDONGO
Neulich nahm meine Frau an einem Wochenendseminar ihrer Kirche teil. Samstag und Sonntag ganztägig.
Für mich alleine Kochen? Nein.
Also fuhr ich zu dem kleinen Restaurant, in dem wir gelegentlich mittags essen. Es hat auch sonntags geöffnet. Dafür ist montags zu.
Als Vorsuppe gab es zwei Suppen, eine davon nennt sich Sopa Mondongo. Das kannte ich noch nicht, das klingt nach Urwald, nach Abenteuer, das will ich ausprobieren.
In der Küche wird man sich gedacht haben: der Gringo spinnt. Bestellt sich Sopa Mondongo und lässt das beste zurückgehen.
Das “Beste“ sind Hautstücke vom Huhn, Größe 2x2 cm in der Nudel- oder Reissuppe.
Ich weiss jetzt, was Sopa Mondongo ist und ich weiss: einmal und nie wieder.
Wir haben Trockenzeit. Gestern hat es seit vielen Tagen zum ersten Mal wieder geregnet, aber heftigst.
Der Wetterbericht für die kommende Woche sieht wieder Temperaturen bis 36 Grad nachmittags vor. Entsprechend viel Wasser wird dann bis zum Nachmittag verdunstet. Wenn dann ab 4 p.m. die Sonne sinkt, ist die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich hoch. 32 Grad und 70% rel. Feuchte, da schwitzt du schon im Sitzen.
Es wird Zeit, daß der Monteur für die Installation der Klimaanlage kommt, die wir für unser Schlafzimmer gekauft haben. Ohne wird’s nix mit dem Schlafen.
Und jetzt macht sich meine Frau fertig für ihren Kirchgang. Ich setze sie dort ab, dann flitze ich zu Yeison für ein Paket “agua con gas” und das geht direkt in Richtung Villa Juliana in die Kühlung.
Blauer Himmel, Sonnenschein und bereits 29 Grad. Am Nachmittag 35 Grad in der Wettervorhersage. Ich bin froh, daß die Veranda unseres Häuschens überdacht ist und im Schatten der Bäume liegt.
So, ihr wisst jetzt, was Sopa Mondongo ist und daß es uns prächtig geht.
Übrigens hat der Klub der Deutschen hier in der Region jetzt einen Rentner mehr. Ein pensionierter Lufthansa – Mitarbeiter ist dauerhaft hier gelandet. Bienvenidos!
Herzliche Grüße an alle in Nah und Fern!
gordito54
Meine Frau und ich hatten in den letzten Wochen viel zu tun, daher gab es eine “Sendepause”.
DIAN
Ich sehe immer zu, daß ich Ende Juni alle Dokumente für unseren Steuerberater beisammen habe. Anfang Juli sind wir dann zu ihm nach Pereira gefahren und haben ihm die Unterlagen übergeben. Ein paar Tage später wollte er noch einige wenige Kopien haben, die haben wir ihm per whatsApp geschickt. Hier geht das alles recht einfach. Ende Juli bekam ich dann von der Behörde Post per E-Mail. So läuft das hier, nix Briefpost.
In der letzten Woche haben wir uns erneut mit ihm in Pereira getroffen und ihn bezahlt. Er übergab und die Bescheide für das Jahr 2025 für mich und für meine Frau. Hier wird jeder vom Finanzamt einzeln bedient, eine gemeinsame Veranlagung gibt es nicht.
Ich bin zwar verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, aber Einkommensteuer müssen weder meine Frau noch ich bezahlen, dazu sind wir dann doch zu arm.
Wenn ich in drei Jahren meine Einbürgerung beantragen werde, müssen alle Dokumente dafür “wasserdicht” vorliegen, die Steuererklärungen werden bestimmt auch verlangt, denke ich.
Nach dem Treffen mit unserem Steuerberater haben wir noch drei Verwandtenbesuche absolviert. Als wir wieder mit dem Rumpelbus nach Cartago kamen, waren wir völlig fertig. Um halb neun bin ich in Bett gekrochen. Licht aus, gute Nacht.
EURO
Im August des letzten Jahres erhielt man für einen Euro noch 4.700 kol. Pesos. Das ist vorbei und wird so schnell auch nicht wieder kommen, wenn überhaupt. Die Gründe kann man sich von jeder KI wie Grok nennen lassen.
Derzeit liegt der Kurs bei 3.600 COP für einen Euro, Tendenz: fallend.
Daher können wir uns auch nicht mehr alle Wünsche unmittelbar erfüllen, manches muß warten, weil der Betrag erst angespart werden muß.
Das gilt auch für mein neues Visum im November, dafür müssen wir 3 Mio. COP (823 Euro) bereit stellen. Ja, das geht, aber viel bleibt dann nicht mehr übrig für das Sparschwein meiner Frau bei der “Bank der Frau”.
Würden wir bei einer Rückkehr nach Spanien oder Deutschland wirtschaftlich besser dastehen?
Ein klares: Nein. In Fuenlabrada hat meine Frau im Monat 700 Euro Miete bezahlt, ohne Nebenkosten.
In Deutschland, was für uns eh nie in Frage kam, wird es derzeit kaum günstiger sein. Subventionen aus Sozialkassen würde ich eh nicht erhalten.
Hier in Cartago ist unser Haus bezahlt, die laufenden Kosten stemmen wir ohne Einschränkung unserer Lebensqualität, da wir auf Luxusprodukte verzichten und unsere Mobilität bezahlbar ist. Ein eigenes Auto rückt zwar derzeit in die Ferne, aber wir kommen mit Roller und Rumpelbus dahin, wohin wir wollen. Den meisten Kolumbianern geht es ja auch nicht anders.
HOME SWEET HOME
Letztes Jahr haben wir bei einem Sonderangebot im Alkosto zugeschlagen: ein 65 Zoll TV gab es zum Sonderpreis. Das hängt seit gestern an der Wand, umrahmt von einem entsprechenden Möbelstück und Deko, die meine Frau ausgesucht hat. Uns gefällt es sehr gut. Die Arbeit haben zwei Neffen meiner Frau ausgeführt. Sie haben gewissenhaft gearbeitet, Pfusch wollten sie ihrer Tante nicht abliefern.
Für mich bedeutet das, heute Nachmittag rüberfahren, aufräumen und den Kühlschrank wieder mit Cola, Wasser und Bier auffüllen.
Gestern am Nachmittag gab es lieben Besuch: Tenere-wue und Ehefrau. Wir saßen gerade alle trocken auf der Veranda, als das Unwetter losbrach. Unser Häuschen hat nichts abgekriegt, aber in dem Haus, in dem wir noch wohnen, stand Wasser in einem Raum. Meine Frau hatte eine halbe Stunde lang gut zu tun.
Die Bäckerei Milonga in der vierten Straße hat es arg getroffen.
Einige alte, ärmliche Gebäude in Cartago haben jetzt kein Dach mehr, wie mir meine Frau auf Instagram zeigte. Verletzt worden ist aber niemand, soweit ich das weiss.
SOPA MONDONGO
Neulich nahm meine Frau an einem Wochenendseminar ihrer Kirche teil. Samstag und Sonntag ganztägig.
Für mich alleine Kochen? Nein.
Also fuhr ich zu dem kleinen Restaurant, in dem wir gelegentlich mittags essen. Es hat auch sonntags geöffnet. Dafür ist montags zu.
Als Vorsuppe gab es zwei Suppen, eine davon nennt sich Sopa Mondongo. Das kannte ich noch nicht, das klingt nach Urwald, nach Abenteuer, das will ich ausprobieren.
In der Küche wird man sich gedacht haben: der Gringo spinnt. Bestellt sich Sopa Mondongo und lässt das beste zurückgehen.
Das “Beste“ sind Hautstücke vom Huhn, Größe 2x2 cm in der Nudel- oder Reissuppe.
Ich weiss jetzt, was Sopa Mondongo ist und ich weiss: einmal und nie wieder.
Wir haben Trockenzeit. Gestern hat es seit vielen Tagen zum ersten Mal wieder geregnet, aber heftigst.
Der Wetterbericht für die kommende Woche sieht wieder Temperaturen bis 36 Grad nachmittags vor. Entsprechend viel Wasser wird dann bis zum Nachmittag verdunstet. Wenn dann ab 4 p.m. die Sonne sinkt, ist die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich hoch. 32 Grad und 70% rel. Feuchte, da schwitzt du schon im Sitzen.
Es wird Zeit, daß der Monteur für die Installation der Klimaanlage kommt, die wir für unser Schlafzimmer gekauft haben. Ohne wird’s nix mit dem Schlafen.
Und jetzt macht sich meine Frau fertig für ihren Kirchgang. Ich setze sie dort ab, dann flitze ich zu Yeison für ein Paket “agua con gas” und das geht direkt in Richtung Villa Juliana in die Kühlung.
Blauer Himmel, Sonnenschein und bereits 29 Grad. Am Nachmittag 35 Grad in der Wettervorhersage. Ich bin froh, daß die Veranda unseres Häuschens überdacht ist und im Schatten der Bäume liegt.
So, ihr wisst jetzt, was Sopa Mondongo ist und daß es uns prächtig geht.
Übrigens hat der Klub der Deutschen hier in der Region jetzt einen Rentner mehr. Ein pensionierter Lufthansa – Mitarbeiter ist dauerhaft hier gelandet. Bienvenidos!
Herzliche Grüße an alle in Nah und Fern!
gordito54
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winni73
- Kolumbien-Infizierte(r)

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- Registriert: 10. Februar 2012, 12:16
Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Cartago ist durchaus heiß, war erst einmal da zu Besuch, aber könnte mit vorstellen nochmal dahin zu kommen.
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Holger78
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 569
- Registriert: 23. August 2018, 16:19
- Wohnort: Ismaning / Barranquilla
- Alter: 48
Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Es ist schön zu lesen, das es euch gut geht. Bleibt Gesund und genießt die eure gemeinsame Zeit.
In drei Wochen bin ich auch wieder in Kolumbien, abe nur für einen Urlaub. Rente dauert bei mir noch einiges.
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gordito54
ThemenstarterVerified - Miembro de Honor

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!
Heute wird die Klimaanlage in unserem Häuschen installiert, daher habe ich Zeit für das Forum.
TERREMOTO (Wie wir es erlebten)
Gestern (10.08.26) bin ich bereits um 7 Uhr in Richtung Badezimmer marschiert. Meine Gute schlief noch.
Kurz vor halb acht war ich fertig angezogen und habe mich um den Morgenkaffee gekümmert.
Als ich den kurz nach halb acht meiner Frau ans Bett brachte (wie jeden Morgen) hörten wir ein Grummeln, das wir so noch nie gehört hatten, wußten aber nicht woher es kommt.
Sekunden später schalteten unsere Telefone die Erdbeben-Alarm-App ein. Meine Frau war mit einem Satz aus dem Bett und rief: Terremoto! (Erdbeben)
Schon begann sich der Boden unter uns zu bewegen, noch nicht dramatisch, aber sehr deutlich spürbar. Wir sprinteten zur Haustür.
Es ist gar nicht so einfach, den Schlüssel ins Türschloss zu stecken, wenn du den Schlüssel ruhig in der Hand hältst, sich die Tür aber bewegt.
Tür auf!
RAUS!
Wir stehen auf der Straße. Die Nachbarn stürzen aus ihren Häusern.
Verstört, Angst im Gesicht.
Die Straße unter uns bewegte sich pausenlos immer stärker. Das habe ich so noch nie erlebt. Dein Oberkörper ist ruhig, aber die Straße bewegt deine Beine. So, als ob du auf der Kirmes auf einer rotierenden Scheibe stehst, die auch noch exzentrisch gelagert ist. Mehr als einmal wäre ich fast gestürzt.
Ein junger Mann setzt sich schonmal hin. Die Strommasten schwanken stark, die Leitungen schlagen aneinander. Man muß befürchten, daß die Masten umfallen.
Meine Frau beginnt zu Beten. Andere Weinen. Familien halten sich umarmt.
10 Sekunden hat das einsetzende Beben gedauert, weitere 30 Sekunden auf der Straße gab es die starken Erdstöße. Nach dem Ablauf von weiteren gefühlten 20 Sekunden wurden sie dann geringer.
Nach einer gefühlten Minute war es also vorbei.
STILLE. SCHLUCHZEN.
Wir sehen uns um.
Die Strommasten standen noch, die Leitungen hingen auch noch dran. Die Häuser standen auch noch, keine Fassade war heruntergefallen. Keine sichtbaren Schäden. Wir sehen keine verletzten Nachbarn.
Wir schauten von der anderen Straßenseite auf das Haus, in dem wir noch wohnen. Die kleine Wohnung im ersten Stock war noch da. Aus der offenen Haustüre kam keine Staubwolke. Das Dach war auch noch da, wo es sein sollte.
Wir treten ein.
Deko ist umgefallen, OK, wenn es das nur ist. Es riecht NICHT nach Gas. Man hört kein Wasser sprudeln, die Böden sind trocken.
Wir drehen den Wasserhahn auf, es kommt sauberes Trinkwasser raus. Das ist gut, kein Wasser wäre schlimm. Gas? Der Gasherd funktioniert, also können wir kochen. Gut.
Strom? Nix. War ja zu erwarten. Ob das diesmal lange dauert? (Am gleichen Tag war die Versorgung um 13.30 Uhr wieder da).
Wir prüfen auf weitere Schäden. Gibt es Risse, ist Putz von der Wand gefallen? Nichts, alles wie immer.
RADIO AN!
Die lokalen UKW-Stationen haben das Programm sofort unterbrochen und berichten über die aktuelle Lage. Was für eine Leistung, sowas aus dem Stand auf die Beine zu stellen!
Die Rede ist von einem Beben der Stärke 6,4. Einige Gebäude sollen beschädigt sein, aber man weiss noch nichts genaues. Wir bleiben auf Empfang.
Internet und TV sind verfügbar. Ich warte darauf, daß das Mobilfunknetz kollabiert. Nein, es ist überlastet, aber es funktioniert.
Meine Frau ruft ihre Schwestern an. Allen ist nicht passiert. Auch scheinen ihre Häuser noch zu stehen. Unser eigenes Häuschen auch? Ich weiss es nicht.
Ich beschließe, mit meiner Frau hier in Sicherheit zu bleiben. Wir wissen nicht, ob die Straßen zu unserem Haus überhaupt noch befahrbar sind.
Die Haustüre bleibt auf, es kann Nachbeben geben. Wir sind sprungbereit nach draußen ins Freie.
Den Vormittag verbringen wir so, meine Frau bereitet dann das Mittagessen vor. Wir werden ruhiger.
Die Meldungen im Radio lassen für Manizales, Armenia und vor allem für Pereira schlimmstes befürchten.
Die ersten Filmchen über das Naturereignis werden in den Netzen verteilt. Schlimm, das ist eine landesweite Katastrophe.
Wir es mit uns weiterging, lest ihr morgen.
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
gordito54
Heute wird die Klimaanlage in unserem Häuschen installiert, daher habe ich Zeit für das Forum.
TERREMOTO (Wie wir es erlebten)
Gestern (10.08.26) bin ich bereits um 7 Uhr in Richtung Badezimmer marschiert. Meine Gute schlief noch.
Kurz vor halb acht war ich fertig angezogen und habe mich um den Morgenkaffee gekümmert.
Als ich den kurz nach halb acht meiner Frau ans Bett brachte (wie jeden Morgen) hörten wir ein Grummeln, das wir so noch nie gehört hatten, wußten aber nicht woher es kommt.
Sekunden später schalteten unsere Telefone die Erdbeben-Alarm-App ein. Meine Frau war mit einem Satz aus dem Bett und rief: Terremoto! (Erdbeben)
Schon begann sich der Boden unter uns zu bewegen, noch nicht dramatisch, aber sehr deutlich spürbar. Wir sprinteten zur Haustür.
Es ist gar nicht so einfach, den Schlüssel ins Türschloss zu stecken, wenn du den Schlüssel ruhig in der Hand hältst, sich die Tür aber bewegt.
Tür auf!
RAUS!
Wir stehen auf der Straße. Die Nachbarn stürzen aus ihren Häusern.
Verstört, Angst im Gesicht.
Die Straße unter uns bewegte sich pausenlos immer stärker. Das habe ich so noch nie erlebt. Dein Oberkörper ist ruhig, aber die Straße bewegt deine Beine. So, als ob du auf der Kirmes auf einer rotierenden Scheibe stehst, die auch noch exzentrisch gelagert ist. Mehr als einmal wäre ich fast gestürzt.
Ein junger Mann setzt sich schonmal hin. Die Strommasten schwanken stark, die Leitungen schlagen aneinander. Man muß befürchten, daß die Masten umfallen.
Meine Frau beginnt zu Beten. Andere Weinen. Familien halten sich umarmt.
10 Sekunden hat das einsetzende Beben gedauert, weitere 30 Sekunden auf der Straße gab es die starken Erdstöße. Nach dem Ablauf von weiteren gefühlten 20 Sekunden wurden sie dann geringer.
Nach einer gefühlten Minute war es also vorbei.
STILLE. SCHLUCHZEN.
Wir sehen uns um.
Die Strommasten standen noch, die Leitungen hingen auch noch dran. Die Häuser standen auch noch, keine Fassade war heruntergefallen. Keine sichtbaren Schäden. Wir sehen keine verletzten Nachbarn.
Wir schauten von der anderen Straßenseite auf das Haus, in dem wir noch wohnen. Die kleine Wohnung im ersten Stock war noch da. Aus der offenen Haustüre kam keine Staubwolke. Das Dach war auch noch da, wo es sein sollte.
Wir treten ein.
Deko ist umgefallen, OK, wenn es das nur ist. Es riecht NICHT nach Gas. Man hört kein Wasser sprudeln, die Böden sind trocken.
Wir drehen den Wasserhahn auf, es kommt sauberes Trinkwasser raus. Das ist gut, kein Wasser wäre schlimm. Gas? Der Gasherd funktioniert, also können wir kochen. Gut.
Strom? Nix. War ja zu erwarten. Ob das diesmal lange dauert? (Am gleichen Tag war die Versorgung um 13.30 Uhr wieder da).
Wir prüfen auf weitere Schäden. Gibt es Risse, ist Putz von der Wand gefallen? Nichts, alles wie immer.
RADIO AN!
Die lokalen UKW-Stationen haben das Programm sofort unterbrochen und berichten über die aktuelle Lage. Was für eine Leistung, sowas aus dem Stand auf die Beine zu stellen!
Die Rede ist von einem Beben der Stärke 6,4. Einige Gebäude sollen beschädigt sein, aber man weiss noch nichts genaues. Wir bleiben auf Empfang.
Internet und TV sind verfügbar. Ich warte darauf, daß das Mobilfunknetz kollabiert. Nein, es ist überlastet, aber es funktioniert.
Meine Frau ruft ihre Schwestern an. Allen ist nicht passiert. Auch scheinen ihre Häuser noch zu stehen. Unser eigenes Häuschen auch? Ich weiss es nicht.
Ich beschließe, mit meiner Frau hier in Sicherheit zu bleiben. Wir wissen nicht, ob die Straßen zu unserem Haus überhaupt noch befahrbar sind.
Die Haustüre bleibt auf, es kann Nachbeben geben. Wir sind sprungbereit nach draußen ins Freie.
Den Vormittag verbringen wir so, meine Frau bereitet dann das Mittagessen vor. Wir werden ruhiger.
Die Meldungen im Radio lassen für Manizales, Armenia und vor allem für Pereira schlimmstes befürchten.
Die ersten Filmchen über das Naturereignis werden in den Netzen verteilt. Schlimm, das ist eine landesweite Katastrophe.
Wir es mit uns weiterging, lest ihr morgen.
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
gordito54
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Max
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
wenigstens was positives von euch freut mich.
-
Holger78
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 569
- Registriert: 23. August 2018, 16:19
- Wohnort: Ismaning / Barranquilla
- Alter: 48
Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Danke das Du dich meldest und danke für deinen Bericht. Ich freue mich das es Euch soweit gut geht und ihr das Erdbeben gut überstanden habt.
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gordito54
ThemenstarterVerified - Miembro de Honor

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- Registriert: 9. Juli 2021, 09:11
- Wohnort: Cartago/Valle
- Alter: 72
Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
@ Max und @Holger78:
Danke für eure guten Wünsche!
Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!
Wie es am Montag, den 10.08.26, mit uns weiter ging?
Nach dem Mittagessen habe ich meine siesta abgehalten, wie jeden Tag. Von Nachbeben war nichts zu spüren, aber es gab etliche, wie wir aus den Nachrichten erfuhren.
Am frühen Nachmittag gingen wir mit carrito, dem kleinen Einkaufswagen, zum D1. Es könnte ja sein, daß ein starkes Nachbeben kommt und die Versorgung der Bevölkerung dadurch zusammenbricht.
Im Laden fehlte ein Teil der Deckenverkleidung, aber Regale waren nicht umgefallen. Der Verkauf ging wie gewohnt weiter. Alle anderen Läden waren auch geöfffnet, ebenfalls die Bäckereien, der Super-Giros und die farmacia an der Ecke. Leben wie immer.
Wir haben Nudeln, Reis, Erbsen, Linsen und Dosenware eingekauft, alles Produkte, die auch bei Stromausfall haltbar bleiben.
An der Kasse bat die Kassiererin um Barzahlung. Au Backe, ich habe nur 150.000 COP (rund 40 Euro) dabei, weil ich immer mit Karte zahle. Sie hat bei etwas über 140.000 COP den Kartenslot bedient. Tataa! Es klappte!
Also den Rest auch noch über den Scanner gezogen, wieder gezahlt und ab nach Hause!
Strom war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder verfügbar, Gas, TV, Telefon und Internet sowie Trinkwasser waren immer vorhanden.
Nachdem alles verstaut war, habe ich mich auf den Weg zu unserem Häuschen gemacht. Meine Frau habe ich bei ihren Schwestern angesetzt, sie wollte dort helfen, soweit dies nötig war.
Ich bin langsam gefahren, denn es hätte ja Schäden an den Straße geben können, die ich zu spät erkenne. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Einige Nebenstraßen waren mit Flatterband abgesperrt. Jetzt stehen da massive Absperrgitter und Polizeiposten.
Auf einigen Bürgersteigen waren die Reste von abgestürzten Dachziegeln zusammengekehrt worden. Die halbe Fassade eines einstöckigen Altbaus war abgestürzt. Das Dach eines historischen Gebäudes, das der Eigentümer dem Verfall preisgegeben hatte, war nun fast völlig in das Haus gefallen. Der Regen wird den Rest besorgen.
Ein einstöckiges, altes Haus ist unter der Last des zuammenfallenden Ziegeldaches komplett zusammengebrochen.
Das waren meine Eindrücke in der Stadt am Montagnachmittag. Es hätte schlimmer kommen können.
Ich schätze die Bauschäden, die zum Neubau eines Gebäudes führen werden, auf max. 5 % des Bestandes.
Kein Vergleich also mit Pereira, Armenia und Manizales. Da sieht es schlimm aus.
An unserem Haus angekommen, habe ich vom gegenüberliegenden Bürgersteig aus, der etwas höher liegt, das Dach inspiziert. Es war nichts Nachteiliges zu sehen. Alle Ziegel lagen dort, wo sie hingehören. Keiner lag auf dem Gehweg.
Türe auf und Licht an.
Kein Wasser auf den Fliesen, kein Plätschern, kein Gasgeruch. Strom ist da. Gut.
Ich hatte erwartet, den neuen Fernseher, der 2 Tage vorher an die Wand geschraubt worden war, auf dem Boden vorzufinden. Das war nicht der Fall. Puuh!
Also vorsichtig die Türen in die kleinen Räume geöffnet. Da die Holzdecken nur Zwischendecken sind und an Holzgerüsten hängen, die an die Dachsparren angenagelt sind, war ich davon ausgegangen, daß mindestens in einem Raum die Decke runtergekommen ist.
(An einem Haus habe ich gesehen, daß die Holzdecken alle vor der Türe auf dem Bürgrersteig für die Müllabfuhr bereit lagen.)
Ich war wirklich erleichtert, daß es keine sichtbaren Schäden gab. Das hätte jetzt auch noch gefehlt.
Heute ist Mittwoch, wir haben keine nennenswerten Schäden zu beklagen, Kleinkram, der beim Umfallen kaputt ging. Wir sind nicht verletzt und leben noch.
Die Aufräumarbeiten in den Straßen sind zu Ende. Die Absperrungen, da wo erforderlich, wurden in der Stadt fest installiert. Von Plünderungen habe ich nichts gehört. Solche Gerüchte machen ja schnell die Runde.
In den Nachrichten kamen dann die Bilder aus den andeen Großstädten. Das macht betroffen. Ein nationaler Notstand ist das, ja, das kann man nicht anders nennen.
Niemand in der Famile ist verletzt oder getötet worden. Dem Schicksal sei Dank.
Die älteste Schwester meiner Frau wohnt in Pereira. Sie hat die Nacht auf Dienstag bei Verwandten geschlafen. Sie bewohnt eine zweistöckiges Haus zur Miete. Unten wohnen, oben schlafen. Das wollte sie erstmal nicht mehr.
Warum?
Auf der anderen Straßenseite ihres Heims stand ein großes, mehrgeschossiges Gebäude. Jetzt liegt dort nur noch ein Riesenberg Schutt.
Für uns geht das Leben also “normal” weiter. Die armen Menschen in Pereira und den anderen betroffenen Städten haben es da viel schwerer. Hoffentlich wird ihnen so schnell wie möglich geholfen.
Der Tag ist fast rum. Die Sonnenfinsternis in Europa auch.
Ich möchte nicht wissen, wieviele in der Kombination Erdbeben und Sonnenfinsternis nun an die einsetzende Apokalypse denken. Ich dagegen würde ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich einen Garten hätte. Ich habe allen Grund dazu.
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
gordito54
Danke für eure guten Wünsche!
Liebe Leser, Mitforisten und Freunde!
Wie es am Montag, den 10.08.26, mit uns weiter ging?
Nach dem Mittagessen habe ich meine siesta abgehalten, wie jeden Tag. Von Nachbeben war nichts zu spüren, aber es gab etliche, wie wir aus den Nachrichten erfuhren.
Am frühen Nachmittag gingen wir mit carrito, dem kleinen Einkaufswagen, zum D1. Es könnte ja sein, daß ein starkes Nachbeben kommt und die Versorgung der Bevölkerung dadurch zusammenbricht.
Im Laden fehlte ein Teil der Deckenverkleidung, aber Regale waren nicht umgefallen. Der Verkauf ging wie gewohnt weiter. Alle anderen Läden waren auch geöfffnet, ebenfalls die Bäckereien, der Super-Giros und die farmacia an der Ecke. Leben wie immer.
Wir haben Nudeln, Reis, Erbsen, Linsen und Dosenware eingekauft, alles Produkte, die auch bei Stromausfall haltbar bleiben.
An der Kasse bat die Kassiererin um Barzahlung. Au Backe, ich habe nur 150.000 COP (rund 40 Euro) dabei, weil ich immer mit Karte zahle. Sie hat bei etwas über 140.000 COP den Kartenslot bedient. Tataa! Es klappte!
Also den Rest auch noch über den Scanner gezogen, wieder gezahlt und ab nach Hause!
Strom war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder verfügbar, Gas, TV, Telefon und Internet sowie Trinkwasser waren immer vorhanden.
Nachdem alles verstaut war, habe ich mich auf den Weg zu unserem Häuschen gemacht. Meine Frau habe ich bei ihren Schwestern angesetzt, sie wollte dort helfen, soweit dies nötig war.
Ich bin langsam gefahren, denn es hätte ja Schäden an den Straße geben können, die ich zu spät erkenne. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Einige Nebenstraßen waren mit Flatterband abgesperrt. Jetzt stehen da massive Absperrgitter und Polizeiposten.
Auf einigen Bürgersteigen waren die Reste von abgestürzten Dachziegeln zusammengekehrt worden. Die halbe Fassade eines einstöckigen Altbaus war abgestürzt. Das Dach eines historischen Gebäudes, das der Eigentümer dem Verfall preisgegeben hatte, war nun fast völlig in das Haus gefallen. Der Regen wird den Rest besorgen.
Ein einstöckiges, altes Haus ist unter der Last des zuammenfallenden Ziegeldaches komplett zusammengebrochen.
Das waren meine Eindrücke in der Stadt am Montagnachmittag. Es hätte schlimmer kommen können.
Ich schätze die Bauschäden, die zum Neubau eines Gebäudes führen werden, auf max. 5 % des Bestandes.
Kein Vergleich also mit Pereira, Armenia und Manizales. Da sieht es schlimm aus.
An unserem Haus angekommen, habe ich vom gegenüberliegenden Bürgersteig aus, der etwas höher liegt, das Dach inspiziert. Es war nichts Nachteiliges zu sehen. Alle Ziegel lagen dort, wo sie hingehören. Keiner lag auf dem Gehweg.
Türe auf und Licht an.
Kein Wasser auf den Fliesen, kein Plätschern, kein Gasgeruch. Strom ist da. Gut.
Ich hatte erwartet, den neuen Fernseher, der 2 Tage vorher an die Wand geschraubt worden war, auf dem Boden vorzufinden. Das war nicht der Fall. Puuh!
Also vorsichtig die Türen in die kleinen Räume geöffnet. Da die Holzdecken nur Zwischendecken sind und an Holzgerüsten hängen, die an die Dachsparren angenagelt sind, war ich davon ausgegangen, daß mindestens in einem Raum die Decke runtergekommen ist.
(An einem Haus habe ich gesehen, daß die Holzdecken alle vor der Türe auf dem Bürgrersteig für die Müllabfuhr bereit lagen.)
Ich war wirklich erleichtert, daß es keine sichtbaren Schäden gab. Das hätte jetzt auch noch gefehlt.
Heute ist Mittwoch, wir haben keine nennenswerten Schäden zu beklagen, Kleinkram, der beim Umfallen kaputt ging. Wir sind nicht verletzt und leben noch.
Die Aufräumarbeiten in den Straßen sind zu Ende. Die Absperrungen, da wo erforderlich, wurden in der Stadt fest installiert. Von Plünderungen habe ich nichts gehört. Solche Gerüchte machen ja schnell die Runde.
In den Nachrichten kamen dann die Bilder aus den andeen Großstädten. Das macht betroffen. Ein nationaler Notstand ist das, ja, das kann man nicht anders nennen.
Niemand in der Famile ist verletzt oder getötet worden. Dem Schicksal sei Dank.
Die älteste Schwester meiner Frau wohnt in Pereira. Sie hat die Nacht auf Dienstag bei Verwandten geschlafen. Sie bewohnt eine zweistöckiges Haus zur Miete. Unten wohnen, oben schlafen. Das wollte sie erstmal nicht mehr.
Warum?
Auf der anderen Straßenseite ihres Heims stand ein großes, mehrgeschossiges Gebäude. Jetzt liegt dort nur noch ein Riesenberg Schutt.
Für uns geht das Leben also “normal” weiter. Die armen Menschen in Pereira und den anderen betroffenen Städten haben es da viel schwerer. Hoffentlich wird ihnen so schnell wie möglich geholfen.
Der Tag ist fast rum. Die Sonnenfinsternis in Europa auch.
Ich möchte nicht wissen, wieviele in der Kombination Erdbeben und Sonnenfinsternis nun an die einsetzende Apokalypse denken. Ich dagegen würde ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich einen Garten hätte. Ich habe allen Grund dazu.
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
gordito54
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Max
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
@ gordito
es freut mich für dich wirklich
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coentros
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- Registriert: 22. Juni 2014, 22:59
Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
Hallo gordito,
Ich freue mich sehr über Deinen Bericht der Mut macht angesichts vieler Schicksale bei denen es leider nicht so gut ausging. Schön, dass Euch nichts passiert ist. Deine Beschreibung der Erlebnisse vermittelt wie immer sehr anschaulich dass ein solch starkes Erdbeben eine echte Grenzerfahrung ist. Bei meiner Schwiegermutter in Cali ist, abgesehen vom grossen Schrecken, glücklicherweise auch alles gut ausgegangen. Keine Verletzungen oder grössere Sachschäden.
Es erinnert einen, dass man das Leben auch und vor allem "hier und jetzt" geniessen und dankbar für jeden Tag in Gesundheit sein sollte.
Grüsse von coentros
Ich freue mich sehr über Deinen Bericht der Mut macht angesichts vieler Schicksale bei denen es leider nicht so gut ausging. Schön, dass Euch nichts passiert ist. Deine Beschreibung der Erlebnisse vermittelt wie immer sehr anschaulich dass ein solch starkes Erdbeben eine echte Grenzerfahrung ist. Bei meiner Schwiegermutter in Cali ist, abgesehen vom grossen Schrecken, glücklicherweise auch alles gut ausgegangen. Keine Verletzungen oder grössere Sachschäden.
Es erinnert einen, dass man das Leben auch und vor allem "hier und jetzt" geniessen und dankbar für jeden Tag in Gesundheit sein sollte.
Grüsse von coentros
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CaribicStefan
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
hola gordito,
schön zu erfahren das es dir, deiner Gattin und den beiden Häuschen gut ergangen ist während des Bebens.
Kannste nicht einen Apfelbaum vor dem Haus pflanzen oder ist da alles betoniert?
schön zu erfahren das es dir, deiner Gattin und den beiden Häuschen gut ergangen ist während des Bebens.
Kannste nicht einen Apfelbaum vor dem Haus pflanzen oder ist da alles betoniert?
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gordito54
ThemenstarterVerified - Miembro de Honor

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert
@ CaribicStefan: Direkt vor unserem Häuschen geht das leider nicht, da ist der Gehsteig.
Liebe Freunde, Mitforisten und Leser!
Steigt heute einfach mal hinter mir auf den Roller und wir fahren von unserem (Noch-) Domizil zu unserem Häuschen in der Urbanizacion Villa Juliana.
Los geht’s. Hier in dem Bereich Barrio San Geronimo gibt es kaum Schäden an Gebäuden durch das Erdbeben vom 10. August. Vor dem ein oder anderen alten Häuschen liegt Bauschutt, Dachziegel oder das, was von den Holz-Zwischendecken übrigblieb.
Der erste Halt ist die Bäckerei “Ponky Pan”. Lasst uns leckere Backwaren zum Kaffee nachher mitnehmen. Die Qualität ist hier gut und die Preise sind volkstümlich. Für 20.000 COP (5,50 Euro) haben wir eine volle Tüte für unseren Kaffeetisch. Schwarzwälder Kirsch gibt’s aber nicht, das ist hier völlig unbekannt und wäre preislich sicher auch nicht im Rahmen dessen, was hier geht.
In einen Altbau nahe der Metro ist das Dach völlig hineingestürzt. Totalschaden, nur die Außenmauern stehen noch. Auch dort hat jedoch nun das Aufräumen begonnen.
Alle beschädigten Häuser haben eins gemeinsam: alt, ungepflegt, vergammelt, nach der Errichtung wurde nie mehr was investiert.
Wie ihr seht, ist die eine oder andere Altbau-Fassade mit Bambusrohren gegen Umfallen “gesichert”. Das hält nie und nimmer.
Die Einfamilien-Gebäude, die ab 1998 nach der neuen Erdbeben-Norm errichtet wurden, sind hier in Cartago offenbar nicht beschädigt. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, daß hier höchstens 5 % des Gebäudebestandes schwer beschädigt wurden.
Rechts auf der Straße ist ein uralter Ford geparkt, der Lack ist original, aber verwittert. Das Fahrzeug ist bestimmt so alt wie ich, also ein Produkt der 50-er. Er hatte vielleicht einmal Weisswandreifen, das würde auch heute noch gut aussehen. Einmal habe ich ihn fahrend erlebt. Der Wagen stand an einer Ampel, ich dahinter. Der Motor blubberte. Als es grün wurde, blubberte es etwas mehr und das riesige Fahrzeug setzte sich butterweich in Bewegung, Automatik also. Ein überdimensionierter Motor, der nur Teillast läuft, ebenso das Dreiganggetriebe. Bei vernünftiger Pflege hält der nochmal 70 Jahre. Schön, sowas nochmal live zu erleben.
Uns überholt ein Tesla mit Kennzeichen Cartago, bis jetzt der einzige, den ich hier gesehen habe.
Auf dem Weg zum Parque La Isleta kommen wir an dem Laden vorbei, in dem wir unsere Kaffeemaschine zur Reparatur abgegeben hatten. Das ist jetzt auch schon 2 Monate her. Meine Frau wollte sie kürzlich nach dem Erdbeben abholen. Der Zugang zum Laden ist jedoch gesperrt, wegen des offenbar baufälligen Gebäudes daneben. Ob und wann wir unseren Kaffeeautomaten je wiedersehen, wer weiss.
Die Straße zur Feuerwache ist gesperrt, wir müssen einen kleinen Umweg fahren. Dabei kommen wir erst an der Kirche “San Francisco” vorbei. Das Dach ist eingestürzt, wie ihr hier seht: => youtube.com/watch?v=ghElf9v-niE
Auch der Vorplatz der Kirche Guadalupe (gegen über ist die SOAT-Klinik), ist abgesperrt.
In dem Parque “La Isleta” ist nicht passiert. Bäume sind nicht umgefallen, es sind auch keine Äste abgebrochen. Holz ist halt biegsam.
Auf der “Avenida del Rio” fahren wir Richtung “El Prado”, das ist ein Viertel, in dem es etliche medizinische Unternehmen und Kliniken gibt. Auch die Dentalklinik, die meine Frau betreut, liegt dort. Meine Fußpflegering ist mit ihrem Laden kürzlich dorthin umgezogen. Jetzt nimmt sie auch 10.000 COP mehr pro Sitzung. Es ist eh der einzige Luxus, den ich mir noch leiste.
Wenn man, wie wir jetzt, morgens um 10 Uhr, am liebsten am Sonntagvormittag, am Fluß entlangfährt, ist die Luft frisch, aber nicht kalt. Die Bäume am Straßenrand geben Schatten. Allerdings fällt manchmal auch einer auf die Fahrbahn. Also, wachsam sein! Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, wir haben schon 24 Grad. Das könnten am Nachmittag 10 Grad mehr werden.
Im Barrio “El Prado” gibt es auch Restaurants, wie man sie in Europa kennt, also nicht die einfachen Mittagstisch-Lokale, sondern für kolumbianische Verhältnisse “gehobene Küche”. Meine Frau hatte mich zu meinem Geburtstag in eine Pizzeria dort eingeladen. Es war tatsächlich ein schöner Abend mit gutem Essen.
Auf den Straße dieses Viertels seht ihr Autos, die diesen Namen auch verdienen. Straßen und Wege sind sauber und gepflegt, es liegt kein Müll rum. Niemand sitzt auf Plastikstühlen vor dem Altbau, bei dem die Farbe abblättert und der Lautsprecher lärmt im Haus in Stadionlautstärke. Alle sind in ihren 2-geschossigen Häusern, denn die Klimaanlagen laufen. Es ist ruhig. In den Einfahrten stehen Geländewagen japanischer Hersteller. Für jedes Fahrzeug kriegt du zwei Reihenhäuser. Wer hier wohnt, hat es “geschafft”.
Am Kreisverkehr mit der Skulptur “Monumente de Libertad” fahren wir weiter geradeaus Richtung Clinica Comfandi. Die hatte ja Tenere-Wue neulich aus aktuellem Anlass beschrieben.
In der Woche, dazu gehört auch der Samstag, läuft hier die Großbaustelle. Die Verkehrslenkung wurde anfangs von einer Agentin de Transito, also einer Verkehrspolizistin, überwacht. Mittlerweile ist die weg. Die Beschilderung ist professionell, die Verkehrsposten arbeiten zuverlässig. Da sage mal einer, Lateinamerika wäre chaotisch. Wenn sie müssen, geht es.
War die Bauweise im Barrio “El Prado” noch 2-geschossig, so ändert sich das, wenn man in den Außenbereich der Stadt fährt. Hier stehen ebenerdige Reihenhäuser.
Links von uns liegt die Clinica Comfandi, es ist ein kleines Krankenhaus in Flachbauweise, diese Riesenkästen wie in Pereira gibt es hier nicht.
Die Baustelle endet hier, es gibt eine Rechtskurve in die Calle 27, in der wir leben werden. Vorsicht! Da stehen drei Färsen (das sind junge Rinder, die noch nicht gekalbt haben) und eine Ziege. Sie fressen sich durch den Grünstreifen zwischen Fußweg und Straße. Sie laufen hier fast jeden Tag frei herum.
Nachmittags fängt sie wieder ein Mann ein. Vielleicht gehören sie auch der Frau, die täglich mit ihrer MoFa an mir vorbeituckert, eine 20 Liter-Milchkanne aus Aluminium auf dem Gepäckträger. Bei dieser Milchleistung wird von Hand gemolken, da rechnet sich ein Westfalia-Melkstand nie.
Sie und die Pferdekoppel liegen hinter dem Deich, also im Vorland des Rio Vieja. Geht der über sein Ufer, müssen sie weichen.
Da sind wir nun an unserem Häuschen angekommen. Seit letzter Woche hat unser Schlafzimmer auch eine Split-Klimaanlage mit Invertertechnik.
Nehmt schon mal Platz im überdachten Vorbau, ich mache uns einen Kaffee zum Gebäck. Pulverkaffee, im Moment habe ich nichts anderes. Ich weiss: nix gut, aber geht.
Pferdegetrappel auf der Straße. Am Wochenende reiten sie die Pferdchen aus, die jenseits des Deiches in der Pferdekoppel untergestellt sind. Es sind kleine Tiere, kaum zu glauben, daß die Spanier damit den Kontinent erobert haben.
HAPPY HOUR
Die Zeit von 17:30 Uhr bis 19 Uhr ist für mich dort die schönste Zeit des Tages. Meine Arbeit ist getan, ich sitze vor unserem Häuschen und schaue mir den Himmel und den vorbeifließenden Verkehr an. Die arbeitenden Menschen kommen nach dem Feierabend nach Hause. Die Pensionäre, die hier leben, sind eh den ganzen Tag unterwegs.
Das Blau des Tages am Himmel wird heller, am Horizont wechselt die Farbe der Sonnenstrahlen von gelb auf zartrot.
Je nachdem, wie die Bewölkung angeordnet ist, wird das Rot des Himmels sehr intensiv. Neulich, die Straßenbeleuchtung war schon an, war dies so intensiv, daß die Laternen wieder für 5 Minuten ausgingen. Für die Sensoren der Lichtsteuerung war das “La Madrugada”, der frühe Morgen.

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Jetzt muß der Roller raus, ich fahre meine Frau zum Gottesdienst.
Allen einen schönen Sonntag und bis demnächst!
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle
Liebe Freunde, Mitforisten und Leser!
Steigt heute einfach mal hinter mir auf den Roller und wir fahren von unserem (Noch-) Domizil zu unserem Häuschen in der Urbanizacion Villa Juliana.
Los geht’s. Hier in dem Bereich Barrio San Geronimo gibt es kaum Schäden an Gebäuden durch das Erdbeben vom 10. August. Vor dem ein oder anderen alten Häuschen liegt Bauschutt, Dachziegel oder das, was von den Holz-Zwischendecken übrigblieb.
Der erste Halt ist die Bäckerei “Ponky Pan”. Lasst uns leckere Backwaren zum Kaffee nachher mitnehmen. Die Qualität ist hier gut und die Preise sind volkstümlich. Für 20.000 COP (5,50 Euro) haben wir eine volle Tüte für unseren Kaffeetisch. Schwarzwälder Kirsch gibt’s aber nicht, das ist hier völlig unbekannt und wäre preislich sicher auch nicht im Rahmen dessen, was hier geht.
In einen Altbau nahe der Metro ist das Dach völlig hineingestürzt. Totalschaden, nur die Außenmauern stehen noch. Auch dort hat jedoch nun das Aufräumen begonnen.
Alle beschädigten Häuser haben eins gemeinsam: alt, ungepflegt, vergammelt, nach der Errichtung wurde nie mehr was investiert.
Wie ihr seht, ist die eine oder andere Altbau-Fassade mit Bambusrohren gegen Umfallen “gesichert”. Das hält nie und nimmer.
Die Einfamilien-Gebäude, die ab 1998 nach der neuen Erdbeben-Norm errichtet wurden, sind hier in Cartago offenbar nicht beschädigt. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, daß hier höchstens 5 % des Gebäudebestandes schwer beschädigt wurden.
Rechts auf der Straße ist ein uralter Ford geparkt, der Lack ist original, aber verwittert. Das Fahrzeug ist bestimmt so alt wie ich, also ein Produkt der 50-er. Er hatte vielleicht einmal Weisswandreifen, das würde auch heute noch gut aussehen. Einmal habe ich ihn fahrend erlebt. Der Wagen stand an einer Ampel, ich dahinter. Der Motor blubberte. Als es grün wurde, blubberte es etwas mehr und das riesige Fahrzeug setzte sich butterweich in Bewegung, Automatik also. Ein überdimensionierter Motor, der nur Teillast läuft, ebenso das Dreiganggetriebe. Bei vernünftiger Pflege hält der nochmal 70 Jahre. Schön, sowas nochmal live zu erleben.
Uns überholt ein Tesla mit Kennzeichen Cartago, bis jetzt der einzige, den ich hier gesehen habe.
Auf dem Weg zum Parque La Isleta kommen wir an dem Laden vorbei, in dem wir unsere Kaffeemaschine zur Reparatur abgegeben hatten. Das ist jetzt auch schon 2 Monate her. Meine Frau wollte sie kürzlich nach dem Erdbeben abholen. Der Zugang zum Laden ist jedoch gesperrt, wegen des offenbar baufälligen Gebäudes daneben. Ob und wann wir unseren Kaffeeautomaten je wiedersehen, wer weiss.
Die Straße zur Feuerwache ist gesperrt, wir müssen einen kleinen Umweg fahren. Dabei kommen wir erst an der Kirche “San Francisco” vorbei. Das Dach ist eingestürzt, wie ihr hier seht: => youtube.com/watch?v=ghElf9v-niE
Auch der Vorplatz der Kirche Guadalupe (gegen über ist die SOAT-Klinik), ist abgesperrt.
In dem Parque “La Isleta” ist nicht passiert. Bäume sind nicht umgefallen, es sind auch keine Äste abgebrochen. Holz ist halt biegsam.
Auf der “Avenida del Rio” fahren wir Richtung “El Prado”, das ist ein Viertel, in dem es etliche medizinische Unternehmen und Kliniken gibt. Auch die Dentalklinik, die meine Frau betreut, liegt dort. Meine Fußpflegering ist mit ihrem Laden kürzlich dorthin umgezogen. Jetzt nimmt sie auch 10.000 COP mehr pro Sitzung. Es ist eh der einzige Luxus, den ich mir noch leiste.
Wenn man, wie wir jetzt, morgens um 10 Uhr, am liebsten am Sonntagvormittag, am Fluß entlangfährt, ist die Luft frisch, aber nicht kalt. Die Bäume am Straßenrand geben Schatten. Allerdings fällt manchmal auch einer auf die Fahrbahn. Also, wachsam sein! Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, wir haben schon 24 Grad. Das könnten am Nachmittag 10 Grad mehr werden.
Im Barrio “El Prado” gibt es auch Restaurants, wie man sie in Europa kennt, also nicht die einfachen Mittagstisch-Lokale, sondern für kolumbianische Verhältnisse “gehobene Küche”. Meine Frau hatte mich zu meinem Geburtstag in eine Pizzeria dort eingeladen. Es war tatsächlich ein schöner Abend mit gutem Essen.
Auf den Straße dieses Viertels seht ihr Autos, die diesen Namen auch verdienen. Straßen und Wege sind sauber und gepflegt, es liegt kein Müll rum. Niemand sitzt auf Plastikstühlen vor dem Altbau, bei dem die Farbe abblättert und der Lautsprecher lärmt im Haus in Stadionlautstärke. Alle sind in ihren 2-geschossigen Häusern, denn die Klimaanlagen laufen. Es ist ruhig. In den Einfahrten stehen Geländewagen japanischer Hersteller. Für jedes Fahrzeug kriegt du zwei Reihenhäuser. Wer hier wohnt, hat es “geschafft”.
Am Kreisverkehr mit der Skulptur “Monumente de Libertad” fahren wir weiter geradeaus Richtung Clinica Comfandi. Die hatte ja Tenere-Wue neulich aus aktuellem Anlass beschrieben.
In der Woche, dazu gehört auch der Samstag, läuft hier die Großbaustelle. Die Verkehrslenkung wurde anfangs von einer Agentin de Transito, also einer Verkehrspolizistin, überwacht. Mittlerweile ist die weg. Die Beschilderung ist professionell, die Verkehrsposten arbeiten zuverlässig. Da sage mal einer, Lateinamerika wäre chaotisch. Wenn sie müssen, geht es.
War die Bauweise im Barrio “El Prado” noch 2-geschossig, so ändert sich das, wenn man in den Außenbereich der Stadt fährt. Hier stehen ebenerdige Reihenhäuser.
Links von uns liegt die Clinica Comfandi, es ist ein kleines Krankenhaus in Flachbauweise, diese Riesenkästen wie in Pereira gibt es hier nicht.
Die Baustelle endet hier, es gibt eine Rechtskurve in die Calle 27, in der wir leben werden. Vorsicht! Da stehen drei Färsen (das sind junge Rinder, die noch nicht gekalbt haben) und eine Ziege. Sie fressen sich durch den Grünstreifen zwischen Fußweg und Straße. Sie laufen hier fast jeden Tag frei herum.
Nachmittags fängt sie wieder ein Mann ein. Vielleicht gehören sie auch der Frau, die täglich mit ihrer MoFa an mir vorbeituckert, eine 20 Liter-Milchkanne aus Aluminium auf dem Gepäckträger. Bei dieser Milchleistung wird von Hand gemolken, da rechnet sich ein Westfalia-Melkstand nie.
Sie und die Pferdekoppel liegen hinter dem Deich, also im Vorland des Rio Vieja. Geht der über sein Ufer, müssen sie weichen.
Da sind wir nun an unserem Häuschen angekommen. Seit letzter Woche hat unser Schlafzimmer auch eine Split-Klimaanlage mit Invertertechnik.
Nehmt schon mal Platz im überdachten Vorbau, ich mache uns einen Kaffee zum Gebäck. Pulverkaffee, im Moment habe ich nichts anderes. Ich weiss: nix gut, aber geht.
Pferdegetrappel auf der Straße. Am Wochenende reiten sie die Pferdchen aus, die jenseits des Deiches in der Pferdekoppel untergestellt sind. Es sind kleine Tiere, kaum zu glauben, daß die Spanier damit den Kontinent erobert haben.
HAPPY HOUR
Die Zeit von 17:30 Uhr bis 19 Uhr ist für mich dort die schönste Zeit des Tages. Meine Arbeit ist getan, ich sitze vor unserem Häuschen und schaue mir den Himmel und den vorbeifließenden Verkehr an. Die arbeitenden Menschen kommen nach dem Feierabend nach Hause. Die Pensionäre, die hier leben, sind eh den ganzen Tag unterwegs.
Das Blau des Tages am Himmel wird heller, am Horizont wechselt die Farbe der Sonnenstrahlen von gelb auf zartrot.
Je nachdem, wie die Bewölkung angeordnet ist, wird das Rot des Himmels sehr intensiv. Neulich, die Straßenbeleuchtung war schon an, war dies so intensiv, daß die Laternen wieder für 5 Minuten ausgingen. Für die Sensoren der Lichtsteuerung war das “La Madrugada”, der frühe Morgen.

Zum vergrössern bitte anklicken
Jetzt muß der Roller raus, ich fahre meine Frau zum Gottesdienst.
Allen einen schönen Sonntag und bis demnächst!
Herzliche Grüße aus Cartago/Valle


